Alexander Isak und Co.

Borussia Dortmunds bittere Rechnung über 200 Millionen Euro

Alexander Isak ist nur die Spitze des Eisbergs. Der BVB verkannte gleich fünf Talente, deren Marktwert heute zusammen bei 200 Millionen Euro liegt.

Dortmund – Die Schlagzeilen aus England lassen viele BVB-Fans verärgert zurück. Alexander Isak, einst für 8,6 Millionen Euro aus Schweden geholt und 2019 für 15 Millionen Euro an Real Sociedad verkauft, könnte bei einem Wechsel von Newcastle United zum FC Liverpool den britischen Transferrekord pulverisieren.

Ex-BVB-Talent Alexander Isak will Newcastle verlassen und könnte eine Rekordsumme einspielen.

Über 120 Millionen Pfund – umgerechnet rund 138 Millionen Euro – sollen die Reds bereit sein zu zahlen. Newcastle fordert wohl sogar 150 Millionen Pfund und mehr. Zahlen, die zeigen: Aus dem BVB-Talent ist ein Weltklasse-Stürmer geworden. Der Klub traute Isak eine solche Entwicklung wohl nicht zu. Man hätte Isak sogar zurückholen können – verkaufte eine Rückkaufoption jedoch an Real Sociedad.

BVB ließ sich Option auf Topstürmer Isak abkaufen

Auch das als Verkaufs-Genie geltende Dortmund liegt manchmal eben kräftig daneben. Der BVB hat sich zu Recht den Ruf als einer der besten Verkaufsvereine der Welt erarbeitet. Über eine Milliarde Euro Transfererlöse in den letzten 20 Jahren, Rekordverkäufe von Ousmane Dembélé (135 Millionen Euro), Jude Bellingham (113 Millionen) oder Jadon Sancho (85 Millionen). Doch neben diesen Glanzlichtern gibt es eben auch eine andere Seite.

Alexander Isak ist aktuell das prominenteste Beispiel. Nach schwierigen Monaten beim BVB mit insgesamt nur 13 Pflichtspieleinsätzen schien der Verkauf 2019 logisch. Die Rückkaufklausel bot die Gelegenheit, einen Fehler zu korrigieren, bis Dortmund sie hergab. Heute ist Isak 120 Millionen Euro wert. Immerhin: Dank Serhou Guirassy ist der BVB im Sturm blendend besetzt.

Die teuersten BVB-Zugänge der Vereinsgeschichte

Der bis heute teuerste Neuzugang in der Vereinsgeschichte des BVB ist Ousmane Dembélé. Als damals 19-Jähriger kam der Franzose 2016 für 35 Mio. Euro nach Dortmund und mischte die Bundesliga furios auf. Nach 31 Torbeteiligungen und dem DFB-Pokalsieg im Gepäck wechselte Dembélé nach nur einem Jahr für 135 Mio. Euro zum FC Barcelona und ist damit gleichzeitig der teuerste BVB-Abgang jemals.
Satte 31 Mio. Euro zahlte der BVB 2022 an Ajax Amsterdam für die Dienste von Sébastien Haller. Der Ivorer kam als Nachfolger von Erling Haaland, doch seine Zeit beim BVB wurde von der Krebsdiagnose kurz nach seinem Wechsel überschattet.
2016 für 35 Mio. Euro an den FC Bayern verkauft, 2019 für 30,5 Mio. Euro zurückgeholt. Damit ist Mats Hummels der drittteuerste Neuzugang der BVB-Vereinsgeschichte. Insgesamt hat der Weltmeister über 13 Jahre im BVB-Trikot verbracht und 508 Pflichtspiele bestritten. 2024 hat er die Dortmunder als eine der größten Vereinslegenden aller Zeiten verlassen und im Sommer 2025 nach einem einjährigen Intermezzo bei der AS Rom seine Karriere beendet.
Auf Platz vier im Ranking der teuersten BVB-Neuzugänge ist der im Sommer 2025 verpflichtete Jobe Bellingham. Satte 30,5 Mio. Euro ließen sich die Westfalen die Dienste des erst 19-jährigen Mittelfeldspielers kosten. Beim BVB tritt der junge Engländer in sehr große Fußstapfen.
Die teuersten BVB-Zugänge der Vereinsgeschichte

Mikel Merino kam 2016 für knapp 4 Millionen Euro als spanisches Talent nach Dortmund. Unter Thomas Tuchel fand er nie seine Rolle. „Ich weiß bis heute nicht genau, was er von mir wollte und erwartet hat“, rechnete Merino später ab. Bei seinen wenigen Einsätzen wurde der kopfballstarke Mittelfeldmann als Innenverteidiger eingesetzt, beim FC Arsenal spielt er heute bisweilen als Stürmer. Der spanische Europameister und DFB-Schreck ist 35 Millionen Euro wert.

Leonardo Balerdi kostete 2019 stolze 15,5 Millionen Euro. Für einen 19-Jährigen mit fünf Profispielen war das ein teures Unterfangen, das nicht aufging. Nach nur acht Einsätzen in anderthalb Jahren wurde er für geschätzte acht bis elf Millionen Euro nach Marseille verkauft. Heute ist Balerdi Kapitän bei Olympique Marseille, ein aufstrebender argentinischer Nationalspieler und wird auf 20 Millionen Euro geschätzt.

Besonders schmerzhaft sind für den BVB die Fälle aus der eigenen Jugend. Ansgar Knauff gewann mit Eintracht Frankfurt die Europa League und wurde zum besten jungen Spieler des Turniers gekürt – als Leihspieler vom BVB. 2023 verkaufte Dortmund ihn für vier bis fünf Millionen Euro fest nach Frankfurt. Dort entwickelt sich der Flügelspieler weiterhin gut. Sein heutiger Marktwert: 15 Millionen Euro.

Nnamdi Collins galt phasenweise als Kronjuwel der BVB-Akademie, wurde aber für nur eine Million Euro an die Eintracht abgegeben. Dort schaffte er den Durchbruch. Inzwischen gilt Collins (Marktwert: 10 Millionen Euro) als potenzieller Kandidat für den deutschen Kader bei der WM 2026 in Nordamerika.

„Ich hatte eine enge emotionale Bindung zu dem Verein und viele Jahre dort verbracht“, erklärte Collins im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports. „Später habe ich mir die Frage gestellt: ‚Was wäre, wenn …?‘ [...] Der damals vom BVB aufgezeigte Plan ist im Nachhinein betrachtet nicht wie erhofft aufgegangen“, so Collins weiter.

Ein Quintett von Ex-BVB-Profis ist heute 200 Millionen Euro wert

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Diese fünf Spieler haben heute einen kombinierten Marktwert von 200 Millionen Euro. Dortmund erhielt für sie zusammen nur 20 bis 25 Prozent dieser Summe. Dabei ist wichtig zu betonen: Nicht jeder Abgang ist ein Fehler, nur weil in der nachträglichen Betrachtung mehr Geld drin gewesen wäre.

Schließlich ist fraglich, ob sich diese Spieler in Dortmund genauso entwickelt hätten. Isak beispielsweise hatte zu jedem Zeitpunkt starke Konkurrenz, Merino und Balerdi schienen auch mit der deutschen Mentalität Probleme zu haben. Knauff sprechen Beobachter bis heute die Extraportion Talent ab. Collins ist dahingehend der Fall, der am meisten schmerzt.

Der Erwartungsdruck beim BVB lässt wenig Raum für geduldige Entwicklung. Talente, die nicht zünden, werden schnell aussortiert, weil die nächste Generation mit den Hufen scharrt. Das BVB-Modell bleibt trotz allem ein Erfolg. Perfektion gibt es im Fußball nicht, auch und gerade nicht bei Transferentscheidungen. Kein Verein der Welt liegt immer richtig.

Die Kunst liegt darin, aus den Fehlern zu lernen – ohne das zu verlieren, was das Dortmunder Modell so erfolgreich gemacht hat. Das Problem besteht aktuell eher darin, die nötigen „High Potentials“ in einem zunehmend umkämpften Marktumfeld überhaupt für den BVB zu gewinnen, um sie später für viel Geld verkaufen zu können. Schließlich mischen inzwischen auch die finanziellen Schwergewichte Europas bei den Toptalenten mit und parken sie allenfalls per Leihe.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Richard Lee/Shutterstock

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