Torjäger wird 80 Jahre alt

Borussia ehrt Jupp Heynckes: 299 Ausstellungsstücke voller Torgefahr

Anlässlich seines 80. Geburtstages würdigt Borussia Mönchengladbach Jupp Heynckes. Besonders sein Werdegang als Torjäger wird in Erinnerung gerufen.

Mönchengladbach – Im Vereinsmuseum von Borussia Mönchengladbach eröffnet am 1. Mai eine Sonderausstellung über Jupp Heynckes. Unter dem Titel „Torjäger, Trainer, Legende“ erinnern die Fohlen an den früheren Stürmer, der sich zu einer der größten Figuren des deutschen Fußballs entwickelt hat.

Gladbach würdigt Stürmer-Ikone Heynckes

Auf einen großen Rahmen hat Heynckes, der am 9. Mai seinen 80. Geburtstag feiern wird, verzichtet. Seit seinem endgültigen Karriereende im Jahr 2018 hat er sich aus der Öffentlichkeit weitgehend zurückgezogen und steht nur vereinzelt für Interviews zur Verfügung. Abseits der Fußballbühne ist er kein Verfechter großer Rampenlichter.

Borussia würdigt in der Sonderausstellung vor allem den Torjäger Heynckes, der in seiner Laufbahn 299 Tore für die Fohlen-Elf erzielt hat. Eine Zahl, die nicht greifbar wirkt, deren Visualisierung in einem begrenzten Raum eine Herausforderung darstellt.

Borussia Mönchengladbach widmet Jupp Heynckes in der Fohlenwelt eine Sonderausstellung.

Die Verantwortlichen haben sich etwas Besonderes einfallen lassen: An den Wänden hängen 299 Bälle, die chronologisch etikettiert sind. Auf jedem Ball sind das Datum, der Wettbewerb, der Gegner, der Spielstand nach Heynckes‘ Tor sowie der Endstand angegeben. Das allerletzte Tor fiel beim 12:0-Sieg gegen Borussia Dortmund am 29. April 1978, damals markierte Heynckes den Endstand.

Heynckes hat mehrere Exponate zur Verfügung gestellt, etwa die Torjägerkanone 1974/75 oder den Ehrenring der Stadt Mönchengladbach, der ihm 2015 vom damaligen Oberbürgermeister Hans-Wilhelm Reiners (2014 bis 2020) verliehen worden ist.

Es hängen Trikots und Trainingsjacken an der Wand, spannend ist auch ein Zeitstrahl, der aufschlüsselt, in welchen Spielminuten Heynckes wie oft für Borussia getroffen hat. Mit zehn Toren war er in der 48. Minute am erfolgreichsten, Ruhepausen gönnte er sich in den anderen Phasen aber so gut wie keine. Lediglich in den Minuten 38, 44 und 49 erzielte Heynckes kein einziges Tor.

Schmerzhafter Wechsel zu Hannover 96

Die Tore verkörpern den Ehrgeiz, den Heynckes von Beginn an gelebt hat. In einem Film verrät der 79-Jährige, sich als Jugendlicher zum Ziel gesetzt zu haben, Profifußballer und deutscher Nationalspieler zu werden, nationale wie internationale Titel zu gewinnen. Zum Karriereende 1978 musste er sich indes fast zwingen, nachdem er eineinhalb Jahre mit anhaltenden Problemen infolge einer Meniskusoperation gespielt hatte.

„Heute würde kein Spieler der Welt mit einer solchen Verletzung spielen, aber ich war überehrgeizig und habe das ignoriert“, erinnerte sich Heynckes, der nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn Co-Trainer unter Udo Lattek wurde und 1979 das Ruder selbst übernahm.

Bis zu seinem Wechsel zum FC Bayern im Jahr 1987 hatte Heynckes fast 24 Jahre am Stück in Gladbach verbracht – wenn 1967 nicht der Wechsel zu Hannover 96 passiert wäre. Die Fohlen hatten ihm ein Vertragsangebot mit einem Grundgehalt in Höhe von 1200 Mark und einer Unterschriftprämie über 15000 Mark vorgelegt, dabei wusste er, dass Mannschaftskollegen wie Günter Netzer mehr verdienen.

„Ich bin 1967 weggegangen, weil ich ein Leistungsträger und Führungsspieler war und das Gefühl hatte, dass ich nicht den entsprechenden Vertrag vorgelegt bekommen habe“, sagte Heynckes, der in Hannover nicht sein sportliches Glück fand – während Gladbach ohne ihn 1970 erstmals Deutscher Meister wurde. „Das war im Nachhinein ein großer Fehler.“

Heynckes erlebt nach Gladbach-Rückkehr „das schönste Erlebnis“

Den Schmerz haben Heynckes und Borussia bereits 1971 überwunden. Im Vorjahr kehrte der Stürmer zurück zu seinem Heimatverein und hatte mit 19 Toren einen großen Anteil an der Titelverteidigung. „Das war das schönste Erlebnis in meiner gesamten Laufbahn.“

Die Erfolgsgeschichte ist für Fohlen-Fans in der Sonderausstellung ein knappes Jahr greifbar. Heynckes ist nach Netzer und Hennes Weisweiler der Dritte, dem diese Ehre zuteilwird. Der nahende Geburtstag bietet dafür einen angemessenen Rahmen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Norbert Jansen / fohlenfoto

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