„Sonst werde ich nicht alt“

Bundestrainer kritisiert seine Torhüterin – die reagiert überrascht

Deutschland kassiert in den ersten beiden Begegnungen der Frauen-EM nur ein Gegentor. Dennoch gerät nun ausgerechnet die Nummer eins in die Kritik.

Basel – Die DFB-Frauen stehen vorzeitig im EM-Viertelfinale. Zwei Spiele, zwei Siege, K.o.-Runde perfekt. Also alles gut? Nicht komplett. Nach dem 2:1-Erfolg gegen Dänemark sieht sich Torhüterin Ann-Kathrin Berger plötzlich mit scharfer Kritik ihres eigenen Bundestrainers konfrontiert. Christian Wück bestellte seine Nummer eins quasi zum Rapport und machte deutlich: So geht es nicht weiter.

Was war passiert? Berger hatte während des Spiels mehrfach dänische Stürmerinnen im eigenen Strafraum mit riskanten Tricks ausgespielt. Immer wieder ging ein Raunen durch das Stadion, wenn die 34-Jährige ihre waghalsigen Manöver vollführte. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer mag es spektakulär gewesen sein – für Wück war es zu viel des Guten.

Bundestrainer Wück nominiert Kader für EM 2025: Diese 23 Spielerinnen sind dabei

Nach dem Rücktritt von Merle Frohms im Jahr 2024, etablierte sich Ann-Katrin Berger etwas überrascht als neue Nummer 1. Seitdem konnte die 34-Jährige nicht mehr verdrängt werden. Ihre Erfahrung und Stärke auf der Linie geben dem deutschen Team Sicherheit. Im Aufbau, kann sie noch etwas zulegen.
Ihre Vertreterin wird die 25-jährige Stina Johannes sein. In der Bundesliga machte sie sich bei Eintracht Frankfurt einen Namen. Für die A-Nationalmannschaft durfte sie bereits drei Mal zwischen den Pfosten stehen.
Ebenfalls mit dabei ist Ena Mahmutovic. Die 21-Jährige gilt als äußerst talentiert und wird aller Voraussicht nach die zweite Ersatzkeeperin im Kader von Christian Wück.
Natürlich ist auch Giulia Gwinn dabei. Die 25-Jährige übernahm nach dem Rücktritt von Alexandra Popp die Kapitänsbinde beim DFB-Team. Gwinn gilt als unangefochtene Stammkraft auf der rechten Abwehrseite. Neben der Defensivarbeit schaltet sie sich immer wieder auch in Offensivaktionen ein.
Bundestrainer Wück nominiert Kader für EM 2025: Diese 23 Spielerinnen sind dabei

„Nein!“, antwortete der 52-jährige Bundestrainer unmissverständlich auf die Frage, ob er mit der riskanten Spielweise seiner erfahrenen Torhüterin einverstanden sei. Es brauche „andere Lösungen“, forderte er nachdrücklich. Seine Begründung war dabei immerhin durchaus mit einem Augenzwinkern versehen: „Sonst werde ich nicht alt.“

Frauen-EM: Bundestrainer Wück kritisiert DFB-Torhüterin Berger

Berger selbst zeigte sich von der Kritik vorerst unbeeindruckt. „Mit ihm sprechen kann ich auf jeden Fall. Mal gucken, was er zu sagen hat und wie wir mit einer Lösung nach vorne gehen können“, erklärte die in New York spielende Keeperin gelassen. Ihre Spielweise sei nicht neu, schon bei Olympia habe sie ähnlich agiert – und am Ende die Bronzemedaille gesichert.

Knapp vor der Gegnerin geklärt: Eine typische Szene für Ann-Kathrin Berger

„Vielleicht sieht es so aus, als wäre es riskant. Aber in den drei Aktionen, die ich hatte, hatte ich ein echt gutes Gefühl“, verteidigte sich Berger. Aus ihrer Perspektive sähe alles anders aus als von außen. Dennoch zeigte sie sich kompromissbereit: „Wenn der Cheftrainer jetzt etwas anderes sagt, gucke ich mal, ob ich das weitermache.“

Bundestrainer steht nun vor dem Berger-Spagat

Die Reaktionen im Team sind gespalten. Mittelfeldspielerin Sjoeke Nüsken zeigte Verständnis für ihre Torhüterin: „Ist ja gutgegangen, dementsprechend bin ich bei der Torhüterin. Sie hat es gut gemacht, sie ist da eiskalt und hat so eine Ruhe, krass.“ Gleichzeitig räumte die 26-Jährige aber auch ein, dass die Mannschaft teilweise den Atem anhält: „Ich habe manchmal im Zentrum gestanden und gedacht: Oh Gott, spiel‘ den Ball jetzt lang.“ Besonders in kritischen Situationen am Spielende wäre ein sichereres Spiel durchaus angebracht.

Für Berger ist ihr Spielstil Teil ihrer Persönlichkeit: „Ich liebe es, Fußball zu spielen. Und das ist einfach meine Art und Weise.“ Völlig abstellen könne und wolle sie ihre Spielweise nicht: „Vielleicht kann ich es minimieren, ganz raus werde ich es nicht bekommen.“

Fußballer, Fußballerinnen und nochmal Fußballer – die Partner unserer DFB-Stars bei der Frauen-EM

Das sind die Partner:innen der DFB-Stars.
Ann-Kathrin-Berger und ihrer Lebensgefährtin Jessica Carter. Die zwei sind seit 2016 zusammen und lernten sich beim Birmingham City FC kennen.
Schon beim Chelsea FC spielten die beiden zusammen. Hier feiern sie den Gewinn des FA Cups.
Die beiden gaben im Mai 2024 ihre Verlobung bekannt.
Fußballer, Fußballerinnen und nochmal Fußballer – die Partner unserer DFB-Stars bei der Frauen-EM

Diese Haltung dürfte Wück vor eine schwierige Aufgabe stellen. Einerseits ist Berger zweifellos eine außergewöhnliche Torhüterin, deren Mut und Technik bereits zu großen Erfolgen geführt haben. Andererseits birgt ihr Stil Risiken, die in entscheidenden Momenten eines Turniers fatal werden könnten. (rele)

Rubriklistenbild: © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl

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