Kommentar nach blamabler Heimpleite
BVB braucht drastischen Schnitt – beginnen sollte er mit Julian Brandt
Der BVB ist nach dem Debakel gegen Augsburg am Tiefpunkt. Zeit, sich unbequemen Tatsachen zu stellen, kommentiert BVB-Reporter Lars Pollmann.
Dortmund – Auf der nach unten offenen Tiefpunktskala der laufenden Saison in der Bundesliga hat Borussia Dortmund einen neuen Rekordstand erreicht! Das 0:1 gegen den FC Augsburg war an spielerischer Hilflosigkeit, aber auch an mangelndem Aufbäumen kaum zu überbieten.
Nach 25 Spieltagen haben die Schwarzgelben bereits zehn Niederlagen auf dem Konto und die gleiche Punktausbeute wie der Gegner vom Samstagnachmittag, der noch zum Weihnachtsfest mit einiger Sorge gen Abstiegskampf blickte.
Beim BVB müssen die Fantasien von der Aufholjagd auf die Top vier und damit die Champions League jetzt ein Ende haben. Selbst mit Platz sieben, der für einen Europapokal reichen würde, wenn sich der DFB-Pokalsieger für die Liga international qualifiziert, hat Dortmund in der aktuellen Verfassung nichts zu tun.
BVB spielt die schwächste Saison seit Jahren
Was der Klub braucht, ist ein echter Cut im Sommer. Das notdürftig aufgetragene Pflaster muss in einem Zug entfernt werden. Das tut kurzzeitig weh, manche Wunden heilen aber am besten, wenn man Luft an sie heranlässt.
Wunden gibt es beim BVB genug: Dortmund hat so lange die M-Frage nach der Mentalität gestellt, dass die Q-Frage nach der Qualität vernachlässigt wurde. Der Kader kommt als ohne erkennbares fußballerisches Konzept zusammengewürfelter Haufen grundsätzlich durchaus talentierter Spieler daher.
Es fehlt obendrein an Führung, nicht nur auf dem Platz, sondern auch in den Büros des BVB, der vom Status des „zweiten Leuchtturms des deutschen Fußballs“ so weit weg ist wie letztmals in der Saison 2014/15, an deren Ende Jürgen Klopp Abschied nahm.
Dortmund wird im Sommer auch prominente „Opfer“ brauchen
An dessen Strahlkraft kommt beim BVB derzeit kein Spieler und erst recht kein Trainer oder Verantwortlicher heran. Dass es im Sommer dennoch mindestens ein prominentes „Opfer“ braucht, um der Ernsthaftigkeit des x-ten Umbruchs Ausdruck zu verleihen, liegt auf der Hand.
Ebenso, um wen es sich handeln muss: Julian Brandt ist DAS Gesicht der negativen BVB-Entwicklungen.
Der Nationalspieler hat unbestritten herausragende Fähigkeiten, ist aber Zeit seiner inzwischen fast sechs Jahre beim BVB nicht in der Lage, sie über längere Zeiträume abzurufen. Dass Brandt vor der Saison als Nachfolger von Marco Reus zum Aushängeschild auserkoren wurde, die Rückennummer 10 erhielt und zum Vizekapitän aufstieg, hat sich längst als fatale Fehleinschätzung erwiesen.
Mit Brandt hat der BVB den Bock zum Gärtner gemacht
Wenn beim BVB ernsthaft daran geglaubt wurde, dass Brandt in einer solch exponierten Rolle mit immerhin schon 28 Jahren plötzlich zur Konstanz findet, wäre das überaus naiv gewesen. Vielmehr kommt dem geneigten Beobachter das Sprichwort mit dem Bock und dem Gärtner in den Sinn, wenn es um die Führungsqualitäten von Brandt in einer verunsicherten BVB-Truppe geht.
Wenn es Dortmund nach der nicht mehr realistisch zu rettenden Saison ernst mit einem echten Umbruch ist, muss Brandt den Laufpass erhalten, auch wenn es für den Mittelfeldmann gar keinen großen Markt geben wird.
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Zum gleichen Schluss ist auch Dietmar Hamann gekommen. „Das mag ungerecht sein. Aber er ist einer der Schlüsselspieler. Der Trainer hat ihn im selben Atemzug genannt wie Jamal Musiala und Florian Wirtz. Wenn er gut drauf ist, hat er eine Riesenqualität. Aber er ist zu lange da. Ich glaube, dass es ihm guttun wird und ich hoffe, dass der Verein irgendwann mal den Schnitt macht. Brandt ist symptomatisch für das, was seit Jahren in Dortmund passiert“, schätzte Hamann am Samstag beim TV-Sender Sky ein.
BVB-Direktor Kehl öffnet Spekulationen zu Brandt die Tür
Bisher galt es als kaum vorstellbar, dass der BVB den 2026 auslaufenden Vertrag von Brandt nicht verlängern würde. Durch die anhaltende persönliche Krise des Regisseurs scheinen sich die Vorzeichen aber zu ändern.
Sebastian Kehl jedenfalls nährte die Spekulationen über einen vorzeitigen Abschied von Brandt vor dem Spiel gegen Augsburg. Zwar sei Brandt ein „wichtiger Spieler für uns“, so Kehl beim Pay-TV-Sender, über die Zukunft könne er aber keine Aussage treffen.
„Wir haben natürlich Vertrag, aber wir haben auch eine schwierige Situation, in der wir uns befinden“, betonte Kehl, dass das Augenmerk auf den wichtigen Spielen bis Saisonende liege.
BVB-Trainer Niko Kovač sollte Brandt schützen
Bezeichnend, dass Brandt diesen Worten gegen den FCA eine erneut ausnehmend unglückliche Leistung folgen ließ, bei der ihm auch ein potenzieller Befreiungsschlag in Form des Ausgleichstreffers wegen einer knappen Abseitsstellung verwehrt blieb.
Trainer Niko Kovač muss sich viele Gedanken darüber machen, ob er der Mannschaft und Brandt selbst nicht den größten Gefallen damit tut, wenn er den dienstältesten BVB-Profi fürs Erste aus seiner Stammelf streicht. Die Rolle des Sündenbocks wird Brandt jedenfalls kaum mehr loswerden.
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