Dortmunder streiten am Elfmeter-Punkt

BVB-Superstar sorgt bei Acht-Tore-Drama für speziellen Aufreger

Der BVB gibt in der Champions League bei Juventus einen Sieg aus der Hand. Ein Star sorgt dabei abseits des Geschehens für bemerkenswerte Szenen.

Turin – Borussia Dortmund hat zum Auftakt in die Ligaphase der Champions League bei Juventus einen sicher geglaubten Auswärtssieg in der Nachspielzeit weggeworfen. Zwei späte Gegentreffer sorgten für die Schlusspointe eines wilden 4:4-Unentschiedens. Ausnahmsweise blieb BVB-Torjäger Serhou Guirassy dabei ohne eigenen Treffer. Im Mittelpunkt stand er in einer Szene dennoch.

BVB-Torjäger Serhou Guirassy nahm nur widerwillig Abstand vom Elfmeter-Punkt.

Als der französische Schiedsrichter François Letexier in der 83. Minute nach Handspiel von Juve-Verteidiger Lloyd Kelly auf den Elfmeter-Punkt zeigte, schnappte sich Guirassy wie gewohnt die Kugel. Das Problem: Auch Ramy Bensebaini wollte sie haben. Der Guineer und der Algerier lieferten sich ein Wortgefecht, zu dem auch Karim Adeyemi, Julian Brandt und Marcel Sabitzer stießen.

BVB-Trainer Niko Kovač hatte Elfmeter-Schützen „klar definiert“

Während einer längeren Überprüfung durch den Videobeweis redeten gerade die beiden deutschen Nationalspieler auf Guirassy ein, während sich Bensebaini die Unterstützung von Außen holte: Auch Trainer Niko Kovač war beteiligt, rief auf den Platz und gestikulierte deutlich. Das Ende vom Lied: Bensebaini durfte den Strafstoß ausführen, verwandelte sicher zum vermeintlich beruhigenden 4:2.

„Das war so festgelegt“, erklärte Kovač nach der Partie beim Streamingdienst Amazon Prime Video. „Ich verstehe natürlich, dass Serhou zuvor geschossen hat und der Spieler von Juventus sich breit macht, für mich ein klarer Elfmeter. Da verstehe ich, dass er das Tor machen will, weil er die Schusschance hatte, aber es war klar definiert.“

Comebacks, Rekorde und Dramen: Historische Momente der Champions-League-Geschichte in Bildern

Die Nacht von München gehört bis heute zu den größten Momenten des deutschen Vereinsfußballs. Borussia Dortmund überraschte im Champions-League-Finale 1997 den großen Favoriten Juventus Turin und setzte sich im Olympiastadion mit 3:1 durch. Karl-Heinz Riedle traf doppelt, ehe Lars Ricken mit seinem ersten Ballkontakt den legendären Lupfer zum Endstand erzielte. Für den BVB war es der erste Triumph in der Königsklasse – ein Erfolg, der den Klub auf Europas Fußballthron katapultierte.
Das Endspiel von Barcelona gilt als eines der spektakulärsten Champions-League-Finals aller Zeiten – und aus Bayern-Sicht als die „Mutter aller Niederlagen“. Durch ein frühes Tor von Mario Basler führten die Münchner fast 90 Minuten lang, trafen zudem Pfosten und Latte – der Pokal schien sicher. Doch in der Nachspielzeit schlug Manchester United doppelt zu: Teddy Sheringham glich in der 91. Minute aus, Ole Gunnar Solskjær traf in der 93. Minute zum 2:1. Innerhalb von 120 Sekunden verloren die Bayern den sicher geglaubten Titel – ein Trauma, das bis heute nachwirkt.
Es war einer der schönsten Treffer der Champions-League-Geschichte: Im Finale zwischen Real Madrid und Bayer Leverkusen nahm Zinédine Zidane kurz vor der Pause einen hohen Ball direkt und schoss ihn mit einem linken Volley unhaltbar in den Winkel. Reals 2:1-Sieg im Hampden Park machte die „Königlichen“ zum Champion und Zidane zum Helden – sein Traumtor gilt bis heute als Inbegriff von Eleganz und Klasse im europäischen Fußball.
Im Viertelfinal-Rückspiel zwischen Real Madrid und Manchester United zeigte Ronaldo Nazário eine seiner größten Champions-League-Leistungen. Der brasilianische Stürmer erzielte im Old Trafford einen Hattrick, jeder Treffer auf seine Art ein Kunstwerk – kraftvoll, präzise, eiskalt. Obwohl United das Spiel 4:3 gewann, zog Real dank des 3:1 aus dem Hinspiel ins Halbfinale ein. Beeindruckend: Selbst die United-Fans erhoben sich nach seiner Auswechslung und spendeten Standing Ovations – eine der seltenen Szenen, in denen ein gegnerischer Spieler in Old Trafford gefeiert wurde.
Comebacks, Rekorde und Dramen: Historische Momente der Champions-League-Geschichte in Bildern

Guirassy hatte zum Bundesliga-Auftakt beim FC St. Pauli einen Strafstoß vergeben, zuvor im Jahr 2025 bereits gegen die TSG Hoffenheim und CP Sporting aus Portugal verschossen. Dem stehen fünf verwandelte Elfer seit Jahresanfang gegenüber. Die Quote des Torjägers ist Kovač momentan offenbar nicht mehr gut genug. Da Kapitän Emre Can als sichere Bank derzeit noch ausfällt, fiel die Wahl nun auf Bensebaini.

Der Verteidiger durfte gegen Juventus erstmals beim BVB einen Strafstoß übernehmen. Qualitäten in dieser Hinsicht hat er früher bei Borussia Mönchengladbach bewiesen: Zwischen 2019 und 2023 blieb Bensebaini bei neun Versuchen ohne jeden Tadel. Gut möglich, dass er in Dortmund nun weiter das Vertrauen bekommt.

Die Streithähne hatten sich derweil durch den Treffer von Bensebaini sofort wieder lieb, er feierte sogleich gemeinsam mit Guirassy. „Serhou ist ein toller Bursche und Teamplayer, das nimmt er nicht persönlich. Da machen wir keinen Elefanten aus einer kleinen Mücke“, sagte Kovač abschließend zu der Szene. Spannend wird es beim nächsten Elfmeterpfiff zugunsten des BVB dennoch.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Marco Steinbrenner/DeFodi Images

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