Wo bleiben die Dortmund-Deals?
BVB und der Transfer-Mythos: Sommerschlussverkauf reine Illusion
Der BVB bremst beim Transfermarkt und rechnet mit Last-Minute-Schnäppchen. Eine Datenanalyse zeigt: Dieser Plan erweist sich als teure Fehlkalkulation.
Dortmund – Knapp drei Wochen verbleiben im Transferfenster der europäischen Topligen. Bei Borussia Dortmund hat sich bis dato erstaunlich wenig getan. Mit Jobe Bellingham und Ersatztorhüter Patrick Drewes haben erst zwei externe Neuzugänge unterschrieben. Bedarf gibt es dabei im Kader von Cheftrainer Niko Kovač genug.
Spätestens mit der Verletzung von Niklas Süle bei der Saisoneröffnung im Test gegen Juventus ist der Abwehr-Notstand ausgebrochen, auch andere Positionen sind noch zu dünn besetzt. Die Klubführung spielt auf Zeit. Die Hoffnung laute auf einen „Summer Sale“, berichtet nun etwa Sport Bild. Doch die Idee des Sommerschlussverkaufs ist oft eher ein Trugschluss.
Der BVB hofft auf einen Effekt, den es gar nicht gibt
Tatsächlich funktioniert der Transfermarkt nicht wie der Einzelhandel. Anstelle von Lockangeboten, die die Lager freimachen, gibt es gegen Ende der Transferperiode sogar einen gegensätzlichen Effekt. Die Analyse von Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, umfasst Transfers mit Ablösesummen beim Portal Transfermarkt.de aus der Bundesliga, der Premier League und LaLiga von 2022 bis 2025.
Dabei wurde das Verhältnis von gezahlter Ablöse zum Marktwert des Spielers berechnet. Ergebnis: Wer in der ersten Hälfte des Transferfensters kauft, zahlt 98 Prozent des Marktwerts, also durchaus angemessene Preise. Wer bis zur letzten Woche wartet, zahlte zuletzt 115 Prozent. Eine „Panik-Prämie“ von 17 Prozentpunkten.
Zwei Faktoren treiben die Preise: Dominoeffekte nach großen Transfers und Panik-Käufe bei akuten Problemen. Die echten Schnäppchen werden überkompensiert. Für den BVB wird diese Erkenntnis zum Problem. Der Verein agiert oft spät auf dem Transfermarkt. Das muss nicht heißen, dass es keine späten Schnäppchen geben kann: Daniel Svensson war im Winter in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis der beste Transfer seit Jahren.
Aber die generelle Tendenz ist eindeutig und rät davon ab, sich in der Kaderplanung darauf zu verlassen, dass andere Klubs kräftig einkaufen und ihre nicht mehr gebrauchten Spieler dann günstig abgeben. Der BVB ist dabei selten der Klub, der die erste Dominokette auf dem Transfermarkt anstößt. Diese Rolle übernehmen in erster Linie finanzstarke Vereine aus England.
Dortmund muss reagieren, wenn die Steine fallen. Im Sommer 2025 scheint die Vereinsführung besonders ins Zaudern geraten zu sein, um kostspielige Fehltritte zu vermeiden. Der ständige Verweis auf finanzielle Limits stößt vielen Fans sauer auf. Hat der BVB nicht bei der Klub-WM über 40 Millionen Euro kassiert, mehrere große Sponsoringdeals abgeschlossen und für Jamie Gittens eine hohe Ablöse vom FC Chelsea eingenommen?
Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sieht die Zurückhaltung als bewusste Strategie. „Man kann nicht jeden Wahnsinn mitmachen und muss auch beharrlich bleiben“, sagte der 66-Jährige jüngst bei Sky und Sport1. Er warnte vor den Erfahrungen der Vorsaison: „Letzte Saison haben wir unsere Transfers schon relativ früh eingetütet und eine riesige Euphorie ausgelöst – und dann haben wir anschließend nur auf die Schnauze gekriegt.“
Die Zahlen sprechen dennoch eine klare Sprache: Wer auf den Sommerschlussverkauf setzt, zahlt in Wahrheit oft drauf. Ob sich der BVB einer Illusion hingibt oder doch das ein oder andere Schnäppchen schießt, bleibt abzuwarten. Klar ist jedenfalls, dass die Fans nach Aktivität auf dem Transfermarkt lechzen.
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