Beste Bayern aller Zeiten?

„Verkauf von Olise ist natürlich möglich“: Europameister warnt FC Bayern

Der FC Bayern dominiert die Bundesliga, doch stellt das seine Weltstars zufrieden? Europameister Thomas Strunz hat bei Michael Olise seine Zweifel.

München – Thomas Strunz hat von 1989 bis 1992 und 1995 bis 2001 die Fußballschuhe für den FC Bayern München geschnürt. Der ehemalige Profi hat seinen Ex-Verein weiterhin genauestens im Blick. Aktuell nehmen die Münchner die Fußball-Bundesliga auseinander. Sind es die neuen „Über-Bayern“? Oder geht das einen Schritt zu weit?

Schon nach anderthalb Jahren im Bayern-Trikot zählt Michael Olise zu den besten Spielern der Welt.

Strunz äußerst sich im exklusiven Interview mit Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, zur aktuellen Form des deutschen Rekordmeisters, zur Stärke der Bundesliga, zur Arbeit von Sportvorstand Max Eberl – und zu Superstar Michael Olise.

Absolut Fussball: Thomas Strunz, ihr Ex-Verein FC Bayern München marschiert momentan einfach durch die Bundesliga und erzielt auch in Europa gute Ergebnisse. Ist es Ihrer Meinung nach der beste FC Bayern München aller Zeiten, den wir zu sehen bekommen?

Thomas Strunz: Die Frage ist ja in den vergangenen Jahren oft gestellt worden, vor allem nach den elf Meisterschaften in Folge. In der Bundesliga ist der FC Bayern natürlich das Maß aller Dinge und in dieser Saison muss man wirklich Angst haben, dass der Vorsprung am Ende so groß ist, dass man von einer Zweiklassengesellschaft sprechen kann.

Von Mega-Juwel bis neuem Innenverteidiger: Die Transfergerüchte des FC Bayern München im Überblick

Abgangskandidat: Leon Goretzka
Der Mittelfeldspieler gilt als „Dauer-Verkaufskandidat“ und hat unter Kompany keine Stammplatz-Garantie mehr. Verschiedene europäische Topklubs zeigen bereits Interesse an dem 30-Jährigen.
Die Bayern-Bosse würden einen Verkauf begrüßen, um Gehaltskosten zu sparen und Platz für neue Talente zu schaffen. Da sein Vertrag ausläuft, wird Goretzka wohl ablösefrei gehen.
Abgangskandidat: Javier Fernández
Der spanische Jugendspieler, der hauptächlich in der zweiten Mannschaft des FCB spielt, konnte sich bisher nicht durchsetzen und steht vor einem möglichen Abgang. Mehrere Vereine aus La Liga sollen bereits Interesse bekundet haben.
Bayern sieht in Fernández, hier im Testspiel neben Lennart Karl, zwar Potenzial, zweifelt aber an seiner Anpassungsfähigkeit ans System. Ein Leihgeschäft oder Verkauf wird als wahrscheinlichste Option betrachtet.
Von Mega-Juwel bis neuem Innenverteidiger: Die Transfergerüchte des FC Bayern München im Überblick

Aber es geht darum, mit dem FC Bayern internationale Titel zu gewinnen, und das haben die Bayern unter Vincent Kompany bisher nicht geschafft. Sie haben eine gute Ausgangsbasis in der Champions League, sind hinter Arsenal gut im Rennen. Man hat aber gesehen, dass auf dem Niveau, als sie gegen Arsenal gespielt haben, doch Kleinigkeiten den Ausschlag geben können.

Am Ende wird ein Verein wie der FC Bayern an den internationalen Titeln gemessen – und dann kann man auch sagen, das ist der beste FC Bayern, den es je gegeben hat. Die Bundesliga ist leider in den letzten Jahren kein wirklicher Maßstab mehr geworden.

Trauen Sie dem FC Bayern zu, dass er dieses Jahr die Champions League gewinnt?

Natürlich ist das möglich. Die Liga-Phase der Champions League ist spannender, als ich bei der Einführung des Formats dachte. Wenn man sieht, welche Mannschaften nicht unter den ersten acht vertreten sind und in die Playoffs müssen, dann hat das Aussagekraft. Auch die Niederlage von Manchester City bei Bodo Glimt war eine Überraschung.

Der FC Bayern hat in guter Form mit allen Spielern, die zur Verfügung stehen und ohne Verletzungsprobleme, natürlich eine Chance, die Champions League zu gewinnen. Aber ab dem Viertelfinale sind so viele Kleinigkeiten entscheidend - Gelbsperren, Verletzungen oder Formkrisen von entscheidenden Spielern. Ich sehe fünf, sechs, sieben Mannschaften, die die Möglichkeit haben, die Champions League zu gewinnen. Der FC Bayern ist eine davon.

Sportvorstand Max Eberl stand im vergangenen Sommer stark in der Kritik. Haben Sie das Gefühl, dass er vollständig angekommen ist beim FC Bayern?

Ich hatte bei Max Eberl immer das Gefühl, dass er sich mit dem FC Bayern komplett identifiziert. Der Unterschied zu vor zwölf bis 15 Monaten ist, dass viel mehr Ruhe im Umfeld eingekehrt ist. Ich erinnere mich an die Diskussion über Vincent Kompany, ob er die A-, B-, C-, D-, E- oder F-Lösung sei. Heute spricht keiner mehr davon.

Auch um Uli Hoeneß ist es ruhig geworden, er hat seit Monaten kein Interview mehr gegeben. Die Mannschaft und Max Eberls Arbeit geben aktuell keinen Anlass zur Kritik. Er hat gute Spieler, wie etwa Michael Olise verpflichtet, die Mannschaft funktioniert in ihrer Gesamtheit. Eberl hat ein sehr enges, vertrauensvolles Verhältnis zu Kompany.

Dazu funktioniert auch das Team dahinter mit Sportdirektor Christoph Freund und der Scouting-Abteilung. Der große Unterschied zum vergangenen Sommer ist also nicht Max Eberl, sondern die Ruhe im Umfeld des Klubs.

Sie haben Michael Olise angesprochen. Er hat mit dafür gesorgt, denn sportlicher Erfolg bringt Ruhe. Glauben Sie, dass Olise ein Spieler ist, bei dem der FC Bayern alle Transfer-Angriffe von außen abwehren kann, wie damals bei Franck Ribéry oder Arjen Robben? Oder könnte ein anderer Verein ihn noch weglocken?

Ein Verkauf von Michael Olise ist natürlich möglich, denn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in England oder bei Real Madrid sind eine andere Kategorie. Aber bei ihm wird sich nicht die Frage nach den Verdienstmöglichkeiten stellen, weil er auch beim FC Bayern einen guten Vertrag hat. Olise ist in einer Situation, in der er sagen kann: „Ich gucke nur aufs Sportliche.“

Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, hat in Kooperation mit gamers.de mit Thomas Strunz gesprochen

Das Interview mit Thomas Strunz fand in Kooperation mit https://www.gamers.de/ statt.

Thomas Strunz spielte für den MSV Duisburg, den VfB Stuttgart und den FC Bayern. Er gewann fünfmal die Meisterschaft, zweimal den DFB-Pokal und wurde 1996 mit dem DFB-Team Europameister.

Dadurch stellt sich die Frage: Wie spannend ist die Bundesliga? Ist das mehr oder weniger nur ein Warm-up zum internationalen Wettbewerb? Oder sucht er die Herausforderung in England bei Arsenal, Manchester City, Liverpool, wo man eine größere Dichte an der Spitze und der Meister nicht schon vorzeitig 15 Punkte Vorsprung hat?

Oder greift Real Madrid in dieses Rennen ein? Das sind in meinen Augen die einzigen Klubs, die dem FC Bayern gefährlich werden können. Aber natürlich ist Olise ein Spieler, der für jeden Verein der Welt von Interesse ist. Das ist einer der besten Spieler der Bundesliga, vielleicht sogar mit Harry Kane und Musiala. Da hat der FC Bayern wirklich hervorragende Spieler in ihren Reihen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Markus Ulmer

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare