Neuer Abwehrchef in Dortmund

Der heimliche BVB-Held, der „das Zepter in die Hand“ genommen hat

Der BVB muss seit einem Monat ohne Nico Schlotterbeck klarkommen. Waldemar Anton hat sich mit starken Leistungen hervorgetan.

Dortmund – Am 08. April ereilte Borussia Dortmund ein gewaltiger Schock: Der BVB machte einen Meniskusriss bei Nico Schlotterbeck öffentlich, die Ausfallzeit beim Nationalspieler wird auf rund ein halbes Jahr geschätzt.

Sofort wurden Unkenrufe laut. Das durch Siege gegen Mainz und Freiburg nach der Länderspielpause gewonnene Momentum schien wie die Luft aus einem platzenden Ballon zu entweichen. Dass Dortmund ohne den besten Abwehrspieler die Aufholjagd auf die Champions-League-Plätze fortsetzen würde, haben sich die wenigsten Beobachter und Fans vorstellen können.

Einen Monat später sieht die Welt ganz anders aus: Der BVB hat mit dem 4:0-Sieg über den VfL Wolfsburg am Samstagabend zumindest für eine Nacht Platz vier erobert, hofft im Saisonfinale auf einen Stolperer des SC Freiburg. Es wäre sicher zu viel gesagt, dass der Schlotterbeck-Schock komplett in Vergessenheit geraten ist. Doch seine Auswirkungen sind nicht so schlimm, wie zu befürchten stand.

Das liegt nicht zuletzt an Waldemar Anton!

Waldemar Anton ist im Endspurt beim BVB der klare Abwehrchef.

Zwei Tore von Anton könnten für den BVB Zigmillionen Euro wert sein

Der 28-Jährige hat sich seit dem Ausfall von Schlotterbeck zu seiner besten Form seit dem Wechsel vom VfB Stuttgart nach Dortmund im Sommer 2024 aufgeschwungen. Wie sein Teamkollege verteidigt Anton mutig auf dem Vorderfuß, sammelt aber auch wichtige Abwehraktionen in der letzten Linie.

Anton schaltet sich bisweilen auch als Balltreiber in den Aufbau ein. Was ihm im Vergleich zu Schlotterbeck abgeht, sind die traumhaften Diagonalbälle, die das Mittelfeld schnell überbrücken. Dieses „Manko“ machen aber zwei elementar wichtige Tore mehr als wett: Gegen den FC Bayern rettete Anton dem BVB einen Punkt, gegen die TSG Hoffenheim schoss er den dramatischen Siegtreffer.

Sollte der BVB die Champions League erreichen, wären die drei Punkte, die Anton mit seinen beiden Toren eingespielt hat, Zigmillionen Euro wert. Keine schlechte Bilanz für einen Spieler, bei dem in einem für Dortmund typischen Reflex schon die Frage aufkam, wie sinnhaft seine Verpflichtung überhaupt war.

Anton profitiert nach Umstellung von BVB-Coach Niko Kovač

Wie so viele Neuzugänge tat sich Anton zunächst schwer, sein unglückliches Eigentor ausgerechnet gegen Ex-Klub Stuttgart beim Debüt von Neu-Trainer Niko Kovač im Februar stellte einen Tiefpunkt dar. Dessen Umstellung auf eine Dreierkette sowie das Verletzungspech von Schlotterbeck haben Anton die Tür geöffnet. Durchgegangen ist der Nationalspieler selbst.

„Was Waldi in den letzten Wochen spielt, ist klasse. Er ist im Moment derjenige, der das Zepter in der Hand hat“, schwärmte Kovač nach dem 4:0 gegen Wolfsburg. Weil dabei Karim Adeyemi als Joker sowie Serhou Guirassy jeweils doppelt trafen und Pascal Groß einen Traum-Assist sammelte, ging eine Top-Leistung von Anton in der öffentlichen Wahrnehmung eher unter.

Die Zukunft der DFB-Elf: Wer folgt auf Kroos, Müller und Neuer?

Noah Atubolu (Jahrgang: 2002), Tor: Die Nummer eins des SC Freiburg überzeugt im jungen Alter Woche für Woche in der Bundesliga. Durch die Europapokal-Spiele mit den Breisgauern ist Atubolu zudem bereits international erfahren. In der deutschen U21 fängt er inzwischen regelmäßig. (DFB-Bilanz bisher: Kein A-Länderspiel.)
Diant Ramaj (Jahrgang: 2001), Tor: Ramaj gab sein Bundesliga-Debüt 2022 für Eintracht Frankfurt. Über Ajax Amsterdam kam er Anfang 2025 zu Borussia Dortmund, wo er irgendwann Stammtorhüter werden soll. (DFB-Bilanz bisher: Kein A-Länderspiel.)
Jonas Urbig (Jahrgang: 2003), Tor: Wird Jonas Urbig der neue Manuel Neuer? Auf Vereinsebene soll er das, wechselte im Januar 2025 zum FC Bayern. Auf lange Sicht könnte er sich mit Atubolu um das deutsche Tor streiten. (DFB-Bilanz bisher: Kein A-Länderspiel.)
Armel Bella-Kotchap (Jahrgang: 2001), Abwehr: Die Karriere des Überraschungs-Teilnehmers der WM 2022 ist auf Vereinsebene etwas ins Stocken geraten. Obwohl sein letzter Einsatz im DFB-Trikot aus dem Jahr 2022 datiert, ist mit dem Innenverteidiger mittel- bis langfristig in der Nationalmannschaft zu rechnen. (DFB-Bilanz bisher: Zwei A-Länderspiele, kein Tor.).
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Ersetzt Anton seinen BVB-Kollegen Schlotterbeck auch beim DFB-Team?

Der EM-Teilnehmer ist beim BVB aktuell so etwas wie der unbesungene Held und der Spieler, der den sprichwörtlichen Laden zusammenhält. Immerhin fehlt derzeit nicht nur Schlotterbeck, sondern ist auch Kapitän Emre Can aufgrund anhaltender Probleme im Adduktoren-Bereich nicht vollumfänglich einsatzbereit. Das Duo war monatelang in der Innenverteidigung gesetzt, für Anton gab es kein Vorbeikommen.

Inzwischen dürfte der vormalige Spielführer des VfB mit der erste Name sein, den Kovač in seiner Startaufstellung markiert. Und auch Bundestrainer Julian Nagelsmann wird die Leistungen von Anton beobachten: Beim Final Four der UEFA Nations League im Juni fehlt neben Schlotterbeck wahrscheinlich auch Antonio Rüdiger, der sich einer Knie-Operation unterzogen hat.

Bei den Länderspielen im März fehlte Anton erstmals seit seinem DFB-Debüt ein Jahr zuvor im Kader von Nagelsmann. Mit seinen aktuellen Leistungen beim BVB klopft der Verteidiger gewiss wieder in der Nationalmannschaft an.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Joachim Bywaletz

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