Kaum Pause zwischen den Turnieren
DFB-Akteure stehen vor einem anstrengenden Sommer – Nagelsmann plant „keine Rücksicht“
Mit dem Erreichen des Halbfinals der Nations League steht einigen DFB-Spielern möglicherweise eine erhebliche Mehrfachbelastung bevor.
Frankfurt – Gute Laune im deutschen Fußball. Mit furiosen, wenn auch nicht tadellosen Auftritten gegen Italien qualifizierte sich das DFB-Team für das Final Four der Nations League. Auch in der Champions League mischen mit Borussia Dortmund und Bayern München zwei Bundesliga-Vertreter unter den besten Acht mit. Das bedeutet Prestige und Einnahmen für den Verband, die Liga und beide Klubs. Den Akteuren droht jetzt jedoch ein besonders voller Terminkalender.
Turnier-Ballung: nur eine Woche zwischen Nations-League-Finale und Klub-WM
Denn mit der FIFA mischt ein weiterer Akteur in diesem Fußball-Sommer mit, was sich an ihrem ganz eigenen Prestige-Projekt zeigt: der FIFA-Klub-WM. Vom 15. Juni bis 13. Juli wetteifern 32 Mannschaften von allen Kontinenten in den USA um die eigens von Schmuckhersteller Tiffany & Co. gestaltete Trophäe – inklusive Unterschrift von „Gründungspräsident“ Gianni Infantino. Ebenso mit dabei als europäische Zugpferde: Bayern München und Borussia Dortmund.
Für einen Akteur des FC Bayern oder BVB, der zugleich für die Nationalelf nominiert wird, ergibt sich dadurch hypothetisch folgender Fahrplan bis Mitte Juli - die neue Bundesliga-Saison in Sichtweite: sieben Bundesliga-Partien bis zum 17. Mai; fünf Champions-League-Partien bis zum Finale in München am 31. Mai; zwei Spiele in der Nations League am 4. und 8. Juni. Zu diesen 14 Partien gesellen sich also mindestens drei Gruppenspiele in Übersee, inklusive Vorbereitung und Reisestrapazen. Regenrationszeiten sind indessen nicht in Sicht.
„Spieler werden es gerne spielen“ - Nagelsmann seht Motivation für die Nations League
Offizielle Vertreter des Clubs wie Hans-Joachim Watzke frohlockten über die Aussicht auf das Turnier mit üppigen Antrittsgeldern, das als Konkurrenzveranstaltung der FIFA zur Champions League betrachtet werden kann. Auch Karl-Heinz Rummenigge gilt als Befürworter des rundum erneuerten Wettbewerbs.
Bei all den Formaten und der gebotenen Prioritätensetzung will niemand hinten runterfallen. Das gilt auch für Julian Nagelsmann, der nach erfolgreicher Qualifikation für das Final Four zum Thema der Zusatzbelastung seiner Spieler befragt wurde. „Bei einem Turnier kann man keine Rücksicht nehmen“, so der Bundestrainer.
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Die Vereinstrainer wüssten, dass er keiner sei, „der die Scheuklappen unten hat“ und stets versuche, auf die Gesundheit der Spieler Rücksicht zu nehmen. Aber das Final Four sei eben auch ein Turnier um einen Titelgewinn für die Nationalmannschaft. „Das werden die Spieler auch gerne spielen wollen, weil sie es sich erarbeitet haben“, ist sich Nagelsmann sicher. Ein abgespeckter Kader, um Profis für die Reise in die USA zu schonen, kommt für ihn somit nicht in Frage. Die Klub-WM bezeichnete er als „brutale Belastung“.
Spielerstreik? Mehrfachbelastung als wiederkehrendes Thema
So ergibt sich das Paradox, dass sportlicher Erfolg und Erholungszeiten zu einem inneren Gegensatz werden. Bei Vereinen wie dem FC Bayern, die traditionell viele Legionäre zu Länderspielen abstellen, kochte das Thema Belastungssteuerung in der Vergangenheit bereits hoch, inklusive Streikgedanken. Ob die Spieler diesen Hebel jemals betätigen werden, bleibt fraglich. (nki)
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