Eine Legende sieht schwarz

Deutschland vor dem WM-Auftakt: Breite Brust oder Tiefstapelei?

Die DFB-Elf brennt auf ihr WM-Auftaktspiel gegen Curacao – und die Erwartungen im Team sind hoch. Doch wie weit kann Deutschland kommen?

Die WM-Stimmung kommt langsam auf, die Drohkulisse aber auch: Die DFB-Elf betont in ihrem Quartier in Winston-Salem immer deutlicher, wie gut sich die Mannschaft versteht und wie intensiv die Trainingseinheiten sind. Man merkt den Spielern von Trainer Julian Nagelsmann an, wie heiß sie auf ihr erstes Gruppenspiel gegen Curacao am Sonntag (19 Uhr, ZDF) sind.

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Der DFB will seine Gruppe nämlich unbedingt als Erster abschließen – auch, wenn dann im Achtelfinale höchstwahrscheinlich Frankreich als Gegner wartet. Mit welcher Haltung sollte die deutsche Elf nun also ins Turnier gehen? Mit breiter Brust und dem Anspruch, jeden schlagen zu können – oder mit zurückgeschraubter Erwartungshaltung?

DFB-Star Raun gibt vor WM-Auftakt die Richtung vor: „Wir sind Deutschland, wir haben Ansprüche“

David Raum fand darauf am Mittwoch eine klare Antwort: „Mit unserem Kader, unserem Trainerteam und dem Team ums Team herum, das auch fantastisch ist, glaube ich, dass die Vorzeichen sehr gut sind, dass wir sehr weit in diesem Turnier kommen“, erklärte der Linksverteidiger. „Und wenn wir ganz ehrlich sind: So ein Turnier bestreitet man nicht, um Dritter zu werden, sondern wir sind Deutschland, wir haben Ansprüche an uns, und wenn man in ein Turnier geht, dann will man das Maximum.“

Heißt: Der Titel soll her! Lothar Matthäus ist dagegen etwas skeptischer. Im Rahmen des Produkt-Launchs der „Topps Lineage FC Bayern München 2025/26“-Sammelkarten erklärte der Rekordnationalspieler: „Deutschland kommt ins Halbfinale – und verliert wieder gegen Spanien.“ Das würde zwar bedeuten, dass die DFB-Elf zumindest den möglichen Achtelfinalbrocken Frankreich übersteht, den Titel traut er ihr aber nicht zu.

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Manuel Neuer (Tor, Bayern München): Er beendete nach der EM 2024 zunächst seine Nationalmannschaftskarriere – nun kehrt er spektakulär zurück und wird Nagelsmanns Nummer 1 bei der WM. Mit 40 Jahren wird es wohl letztes großes Turnier werden. Seine Rückkehr ist die größte Überraschung der gesamten Kaderplanung.
Oliver Baumann (Tor, TSG Hoffenheim): Baumann hatte sich in der WM-Qualifikation als neue Nummer Eins etabliert und war von Nagelsmann lange öffentlich als Stammtorhüter bezeichnet worden. Trotz dieser bitteren Situation bleibt Baumann im Kader und wird als Nummer Zwei eine wichtige Backup-Rolle einnehmen.
Alexander Nübel (Tor, VfB Stuttgart): Nübel fährt als dritter Torhüter zur WM. Der VfB-Keeper hat beim Stuttgarter Vizemeister eine solide Saison gespielt und gilt als langfristige Perspektive im DFB-Tor.
Jonas Urbig (Tor, Bayern München): Urbig hat sich in München als designierter Neuer-Nachfolger in Stellung gebracht – in dieser Saison stand er in 18 Partien im Tor des Rekordmeisters, darunter Champions-League-Einsätze, und überzeugte dabei durchgehend.
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Trotzdem betonte Matthäus, dass er die Teamstruktur im DFB-Team aktuell positiv sieht: „Bei den großen Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft waren immer wieder Bayern-Spieler oder Spieler mit Bayern-Vergangenheit prägend. Deshalb ist es auch dieses Mal wichtig, dass die Bayern-Spieler Verantwortung übernehmen und den Ton angeben“, so Matthäus. „Gut ist, dass Manuel Neuer wieder dabei ist. Dazu kommen Führungsspieler wie Joshua Kimmich und Jonathan Tah sowie Jamal Musiala – auch wenn Musiala noch nicht wieder ganz in der Form ist, in der ich ihn kenne.“

Die Zielsetzung ist jedenfalls Gruppenplatz eins – schon um dann in den relativ nahen Orten Boston (Sechzehntelfinale) und Philadelphia (Achtelfinale) zu spielen und Winston-Salem als Basis behalten zu können.

Positiv: Die Suche nach der Elf, die ins Turnier starten wird, ist abgeschlossen. Im Tor wird Manuel Neuer stehen, das Abwehrzentrum bilden Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah. Rechts verteidigt Joshua Kimmich, links Nathaniel Brown, sogar Platzhirsch Raum sagt: „Kompliment an ihn.“ Im Mittelfeld starten Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha, in der Offensive Leroy Sané, Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz. Sportdirektor Rudi Völler betont: „Wir werden versuchen, schwer zu schlagen zu sein.“

Wir haben Ansprüche an uns, wollen das Maximum.

David Raum

Die erste Gelegenheit, seine Form zu verbessern, hat Musiala beim Auftaktspiel gegen Curacao am Sonntag. Sollte er danach besser in Form kommen, reicht es vielleicht auch zu einem Sieg beim möglichen Achtelfinale gegen Frankreich – oder sogar im Halbfinale gegen Spanien.

Lothar Matthäus in Chicago.

Rubriklistenbild: © dpa/Federico Gambarini

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