Mentale Herausforderungen

Die Bedeutung des BVB-Scheiterns für den Klassiker gegen den FC Bayern

Vor dem Topspiel gegen den FC Bayern ist Borussia Dortmund in Bergamo sang- und klanglos aus der Champions League ausgeschieden. Mit Auswirkungen für den Clásico?

Dass die Zwischenrunde in der Champions League einen ungeliebten zusätzlichen Kraftaufwand bedeutet und auch Nachteile in der nationalen Liga mit sich bringt, musste der FC Bayern in der vergangenen Saison erfahren. Zwischen den beiden engen Partien gegen Celtic Glasgow fand das Spitzenspiel in Leverkusen (0:0) statt. In der laufenden Spielzeit muss aktuell Borussia Dortmund diese Erfahrung machen. Während sich die Münchner im Februar 2025 durch diese Spiele gemogelt haben, könnten sie nun für den ambitionierten BVB in einem Debakel enden.

Vor dem deutschen Klassiker sind die beiden Trainer gefordert.

Nach dem 2:2 bei RB Leipzig zwar nicht mehr auf drei Punkte, aber immerhin auf fünf Zähler wollte der BVB im direkten Duell den Rückstand in der Bundesliga-Tabelle auf den FCB verkürzen. Der Blick auf den Spielkalender wird ihm für dieses Vorhaben allerdings schon ein leicht mulmiges Gefühl gegeben haben: Nur drei Tage nach dem Rückspiel bei Atalanta Bergamo steht der deutsche Klassiker im heimischen Signal-Iduna-Park an. Dorthin reiste er allerdings mit einem komfortablen 2:0-Hinspiel-Sieg.

BVB-Debakel mit Auswirkungen auf FCB-Einstellung im Klassiker?

BVB-Coach Niko Kovač versicherte noch vor der Atalanta-Partie, dass diese und nicht der nachfolgende „Clásico“ im Fokus stehen würde. Aber haben ihn seine Spieler wirklich ernst genommen? Schwer zu glauben, wenn man auf die klägliche Vorstellung der Borussen über fast das gesamte Spiel zurückblickt: Vollkommen verdienter 0:3-Rückstand nach 57 Minuten – und als Karim Adeyemis Anschlusstreffer (75.) das Geschehen scheinbar kippen ließ, patzte Keeper Gregor Kobel in der Nachspielzeit auf verhängnisvolle Weise.

Nun kommt zum zusätzlichen Kraftaufwand auch noch das Verkraften einer bitteren, sicherlich so nicht eingeplanten, Niederlage und das CL-Ausscheiden für den BVB vor dem Topspiel gegen den Tabellenführer aus München hinzu. Welche Auswirkungen hat dies auf den Klassiker, auf die deutsche Meisterschaft? Endet diese schwierige Woche für Dortmund in einem Desaster? Keine Qualifikation für das Achtelfinale der Königsklasse und auch das Ende aller Meisterträume?

Hass-Gipfel zwischen FC Bayern und BVB: Die größten Aufreger im Klassiker

Früher hatte das Duell zwischen Bayern München und dem BVB noch etwas weniger Brisanz. Ein Ergebnis bleibt aber bis heute im Kopf: Die Bayern schlugen die Dortmunder 1971 im Grünwalder Stadion mit 11:1.
Der erst kürzlich verstorbene Frank Mill sorgte am 9. August 1986 für ein legendäres Missgeschick. Beim Stand von 1:1 traf der Stürmer das leere Tor nicht. Am Ende musste sich der BVB mit einem Unentschieden begnügen.
In der Saison 96/97 ging es zwischen beiden Mannschaften schon ordentlich hitzig zu. Bis heute kann man sich vor allem an eine Szene erinnern: Lothar Matthäus ahmt Andreas Möller nach und bezeichnete ihn indirekt als „Heulsuse“. Doch die kleine Meinungsverschiedenheit hat die Freundschaft der beiden Ex-DFB-Stars nicht belastet.
Wenn man an Duelle zwischen Bayern und Borussia Dortmund zurückdenkt, dann kommt einem natürlich sofort Oliver Kahn in den Sinn. Die Bayern-Ikone war für den ein oder anderen Ausraster gut. Am 3. April holte er zum Beispiel zu einem Kung-Fu-Tritt gegen Stephane Chapuisat aus.
Hass-Gipfel zwischen FC Bayern und BVB: Die größten Aufreger im Klassiker

Die Bayern selbst dürfen vor dem möglicherweise meisterschaftsentscheidenden Spiel nicht den Fehler der Dortmunder in Bergamo machen, sich nicht von einer komfortablen Ausgangssituation einlullen zu lassen. Denn zu Hause vor 81.000 Fans werden die BVB-Spieler sicherlich noch einmal alles aus ihren geschundenen Körpern herausholen. Die Bundesliga ist der letzte verbliebene Wettbewerb. Die Bayern tanzen dagegen noch auf allen drei Hochzeiten.

Dies birgt aber natürlich auch Risiken: Der Terminkalender verspricht extrem anstrengende Monate. Und sollte der BVB tatsächlich den deutschen Klassiker gewinnen, könnte ihm das einen Push geben und der für ihn ausgedünnte Spielplan würde plötzlich zu einem großen Vorteil im Titelrennen werden.

Das Topspiel am Samstagabend ist somit auch eine mentale Herausforderung für beide Teams: Der BVB ist mehr denn je der Underdog in diesem Duell. Er kann im Grunde gar nichts mehr verlieren, weil auch niemand mehr mit ihm rechnet. Durchaus ein psychologischer Vorteil, der dem FCB in den vergangenen Jahren im DFB-Pokal gegen einige unterklassige Mannschaften so viele Probleme bereitet hat. Jedoch nicht in der laufenden Saison. Coach Vincent Kompany ist einmal mehr gefordert – macht er es besser als Kovac in Norditalien?

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

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