Leistungsträger und Publikumsliebling
Die Ein-Mann-Achse, um die sich der nächste BVB-Umbruch drehen muss
Die Schwierigkeiten des BVB beeinflussen fast alle Spieler. Ein Star ist jedoch unantastbar und sollte das Gesicht einer reformierten Mannschaft sein.
Dortmund – „Außer Roman könnt ihr alle gehen“, schallte es einst unter den mitgereisten Fans von Borussia Dortmund während eines Spiels im Abstiegskampf der Bundesliga bei Alemannia Aachen.
Gemeint war Torwart Roman Weidenfeller, der in der Krisensaison 2006/07 mit starken Leistungen der Hauptgrund dafür war, dass sie letztlich mit einem blauen Auge im Tabellenmittelfeld endete.
Dort steht der BVB auch in der aktuellen Situation, was gemessen an den über die Jahre gestiegenen Ansprüchen aber nicht minder schlimm ist, als der Abstiegskampf vor fast 20 Jahren war. In Anlehnung an die damalige Situation könnten die Fans des Klubs umdichten: „Außer Schlotti könnt ihr alle gehen“.
Dortmund-Star Schlotterbeck hat seine Fehlerquote deutlich reduziert
Nico Schlotterbeck ist die (nahezu) einzige Konstante der laufenden Saison beim BVB. Der Nationalspieler lässt sich kaum von den Schwächen seiner Neben- und Vorderleute anstecken, zeigt sich resolut im Zweikampf am Boden und in der Luft, streut nach wie vor seine wertvollen Diagonalbälle im Aufbauspiel ein, und geht mit einer positiven Art und Hingabe für den Verein voran, die sich die Fans auch von anderen hoch bezahlten Profis wünschen würden.
Fehlerfrei agiert der 25-Jährige dabei auch nicht, ins Kontor schlugen etwa die beiden Platzverweise gegen Werder Bremen. Die Fehlerquote hat Schlotterbeck, der in der Vergangenheit gerade wegen einiger unglücklicher Auftritte beim DFB-Team schon als Unsicherheitsfaktor galt, aber deutlich reduziert.
Längst hat sich ein Eindruck beim BVB verfestigt: Schlotterbeck ist die Ein-Mann-Achse, um die Dortmund den nächsten Umbruch drehen muss!
Schlotterbeck ist beim BVB Leistungsträger und Integrationsfigur
Unter den Fans regte sich deshalb dieser Tage anlässlich zahlreicher Gerüchte um das Interesse des FC Liverpool und anderer England-Giganten die Sorge, dass Schlotterbeck im durchaus wahrscheinlichen Fall einer kommenden Saison ohne den internationalen Wettbewerb Abschied nehmen könnte.
Ein Wechsel des Innenverteidigers würde den BVB ungemein härter treffen, als es bei anderen Ablöse-Kandidaten wie Gregor Kobel, Jamie Gittens oder Karim Adeyemi der Fall wäre. Denn Schlotterbeck ist nicht nur einer der sehr wenigen Leistungsträger, die sich in Dortmund als krisenfest erwiesen haben. Der Nationalspieler ist auch eine absolute Identifikationsfigur.
Diesen Umstand kann sich der BVB zunutze machen: Indem Schlotterbeck mit einem langfristigen Topvertrag und der Kapitänsbinde ausgestattet wird.
Die Kapitänsbinde könnte ein wichtiger Faktor pro Dortmund sein
Zur laufenden Saison ist der gebürtige Schwabe zum zweiten Vizekapitän hinter Emre Can und Julian Brandt aufgestiegen. Die Binde trug er erstmals im Herbst beim 1:1 gegen den FC Bayern – und legte prompt eine Topleistung hin. „Das bedeutet mir brutal viel, ich war auch echt aufgeregt vor dem Spiel“, gab der emotionale Schlotterbeck nach dem Klassiker beim TV-Sender Sky zu.
„Ich habe den BVB mit 24 Jahren angeführt, das ist alles andere als selbstverständlich. Das ist unglaublich. Hätte mir das jemand vor drei Jahren gesagt, als ich hier hergekommen bin, hätte ich sie für verrückt gehalten“, so Schlotterbeck damals weiter.
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Es wird deutlich: Die Kapitänsbinde könnte ein echter Faktor sein, mit dem der BVB den Verteidiger davon überzeugt, trotz der aktuellen Krise seine mittelfristige Zukunft weiter in Dortmund zu planen.
BVB muss Schlotterbeck zum Topverdiener machen
Dass der Klub den noch bis 2027 gültigen Vertrag von Schlotterbeck vorzeitig verlängern will, ist kein Geheimnis. Dabei wird sich der BVB auch finanziell strecken müssen. Es ist davon auszugehen, dass der Abwehrstar zu den absoluten Topverdienern aufsteigen würde – und ihn somit die in Dortmund drohenden Gehaltskürzungen bei ausbleibenden Einnahmen aus dem Europapokal weniger treffen würden als die meisten anderen Profis.
Ob das Gesamtpaket für den BVB sprechen wird, bleibt abzuwarten. Schlotterbeck ist mit 25 Jahren kein absoluter Jungspund mehr, bei seinem nächsten Vertrag geht es um die Frage, wo er die Blütezeit seiner Karriere verbringen will.
Die Chancen für Dortmund stehen gewiss nicht schlecht. Dem 18-fachen DFB-Internationalen ist die Leidenschaft für seinen Klub abzunehmen, er weiß auch die Rolle des Publikumslieblings zu schätzen. Beim Sondertrikot, das der BVB zuletzt gegen den FC Augsburg trug, verkaufte sich keine Version besser als die mit Schlotterbecks Rückennummer 4.
Sportliche Gesichtspunkte sind aber keineswegs zweitrangig – und sprechen aktuell kaum für Borussia Dortmund.
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