Spiel gegen Elfenbeinküste gedreht
Neuer tanzt nach Deutschland-Sieg zu Ballermann-Hit: War das die WM-Explosion?
Die deutsche Nationalmannschaft hat mit dem 2:1 gegen die Elfenbeinküste das nächste Erfolgserlebnis bei der WM eingefahren. Kann das tatsächlich Kräfte freisetzen?
Aus den Stadionboxen dröhnte der Ballermann-Hit „Der Zug hat keine Bremsen“ und die deutsche Nationalmannschaft drehte nach dem 2:1 (0:1) bei der WM gegen die Elfenbeinküste eine Ehrenrunde vor der Fankurve. Manuel Neuer übernahm tanzend das Kommando und führte gemeinsam mit Kapitän Joshua Kimmich den Triumph-Marsch von Toronto an.
Nach dem Last-Minute-Sieg durch einen Doppelpack des eingewechselten Deniz Undav (68. und 90. +4 Minuten) war die Laune bei den Nationalspielern bestens. Immerhin hatte das Team einen 0:1-Rückstand – und ganz nebenbei durch das 0:0 zwischen Ecuador und Curacao den Gruppensieg fix gemacht.
Bundestrainer Nagelsmann lobt Mentalität der DFB-Mannschaft
Als Undav in der Nachspielzeit in bester Gerd-Müller-Manier den Siegtreffer erzielt hatte, brachen beim DFB alle Dämme: Die Auswechselspieler stürmten in die Jubeltraube um den Doppeltorschützen, auf der Trainerbank lagen sich Nagelsmann und seine Assistenten in den Armen und auf der Tribüne klatschte die DFB-Führungsriege ab. War das die erhoffte WM-Explosion auf dem Weg zum Titel?
„Wir sind mit Rückschlägen gut umgegangen“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann und stellte aber auch klar: „Wir brauchen nicht von Weltspitze zu sprechen. Vor drei Wochen war ja noch alles in Schutt und Asche.“ Abwehrspieler Jonathan Tah ergänzte: „Siegermentalität, Teamgeist, genau das, was man braucht, um in einem Turnier erfolgreich zu sein. Wir haben nie aufgegeben.“
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Was die Protagonisten auf und neben dem Platz in dieser Euphorie vergessen hatten: Die Elfenbeinküste hätte Deutschland beinahe zum Stolpern gebracht. Unmittelbar nach Wiederanpfiff wackelte die DFB-Elf bedenklich und hatte Glück, dass sie nicht einen zweiten Gegentreffer kassierte.
Das Mittelfeld-Duo um Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic ließ im Zentrum große Lücken klaffen und in der Offensive waren Leroy Sané, Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz zu harmlos. Ansonsten brachten die Einwechselspieler Undav, Nadiem Amiri und Jamie Leweling – rein von ihren Namen her – nicht unbedingt Glamourfaktor auf den Rasen.
Doch das Trio belehrte vorlaute Kritiker eines Besseren. Immerhin war es Amiri, der mit einer perfekten Flanke auf Undav den Dosenöffner gegen die tief stehenden Ivorer fand. „Es war emotional. Jeder Spieler hat heute seine Wertigkeit gespürt. Die Gruppe hat sich den Sieg erarbeitet. Am Ende war es sehr offen, aber das ist normal, wir wollten gewinnen“, zeigte sich der Bundestrainer glücklich über sein goldenes Händchen bei den Wechseln.
Konkurrenz um Einsätze soll „Kräfte freisetzen“
„Wenn du Spieler einwechselst, die das Spiel entscheiden, kriegen auch die anderen mit, dass sie dranbleiben sollen. Das tut gut, weil alle ihre Wertigkeit spüren“, erklärte der 38-jährige Nationaltrainer und erinnerte abermals an die Jubelszene, als die komplette Bank aufsprang und sich die gesamte Mannschaft am Ende an der Eckfahne in den Armen lag: „Das kann schon Kräfte freisetzen!“
Rubriklistenbild: © Tom Weller
