Klare Forderung aus Hamburg

Diskussion um deutschen WM-Boykott spitzt sich zu: DFB-Boss spricht Klartext

DFB-Vizepräsident Oke Göttlich fordert eine Boykott-Diskussion zur Fußball-WM in den USA. Der St.-Pauli-Chef kritisiert Donald Trumps Politik scharf.

DFB-Vizepräsident Oke Göttlich hat mit einer kontroversen, sowie klaren Forderung für Aufsehen gesorgt. Der Präsident des FC St. Pauli will eine ernsthafte Diskussion über einen möglichen Boykott der Fußball-WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko – aufgrund des Verhaltens von US-Präsident Donald Trump.

Oke Göttlich fordert eine Diskussion um einen WM-Boykott.

„Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen“, sagte der 50-Jährige der Hamburger Morgenpost. Göttlich zog dabei Parallelen zu den Olympia-Boykotts der 1980er-Jahre: „Was waren denn die Begründungen damals? Meiner Einschätzung nach ist das Bedrohungspotenzial aktuell größer als damals.“

Göttlich scheut sich in WM-Boykott-Frage nicht vor großen Namen

Als stellvertretender Sprecher des DFL-Präsidiums und DFB-Präsidiumsmitglied scheut Göttlich auch einen möglichen Konflikt mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf und FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht. Seine Position ist eindeutig: „Wir müssen diese Diskussion führen.“ Eine mutige und mit Blick auf die politische Lage, wohl logische Forderung. Auch Joshua Kimmich äußerte seine Meinung.

Selbst den Einwand, dass ein WM-Boykott den eigenen St. Pauli-Nationalspielern Jackson Irvine, Connor Metcalfe (beide Australien) und Joel Chima Fujita (Japan) schaden würde, lässt Göttlich nicht gelten. „Das Leben eines Profifußballers ist nicht größer als das Leben von sehr vielen Menschen in verschiedenen Regionen, die derzeit von dem WM-Gastgeber direkt oder indirekt angegriffen oder bedroht werden.“

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Der St.-Pauli-Chef kritisierte die Haltung des deutschen Fußballs scharf: „Katar war allen zu politisch und deshalb sind wir jetzt völlig unpolitisch?! Das ist etwas, was mich sehr, sehr, sehr anstrengt.“ Göttlich mahnte eindringlich: „Wir verlernen es als Organisationen und Gesellschaft gerade, Tabus und Grenzen zu setzen und Werte zu verteidigen.“

Er stellte provokante Fragen: „Ich wüsste gern von Donald Trump, wo sein Tabu erreicht ist, und ich wüsste es gern von Bernd Neuendorf und von Gianni Infantino.“ Mit seiner Forderung stellt sich der DFB-Vizepräsident gegen die übliche Zurückhaltung des Weltfußballs bei politischen Themen. Ob es zu einer Diskussion über den Boykott kommt, bleibt abzuwarten. (tb)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Gerhard Schultheiß

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