Bittere Realität
Champions-League-Aus des FC Bayern: Gehört der Rekordmeister noch zur europäischen Elite?
Das bittere Aus in Mailand zeigt schonungslos, was beim FC Bayern im Argen liegt. Warum ein „Weiter so“ keine Option ist – und was jetzt passieren muss.
Mailand – An Abenden wie diesen, an denen es schnell ums Grundsätzliche geht, lässt es nicht vermeiden, den Blick nochmal zurückzurichten. Und auch wenn alle Beteiligten des FC Bayern in den Katakomben des San Siro und später im noblen Ballsaal des Mailänder Hotels „Melia Melina“ darum bemüht waren, auf die kommenden Wochen (Stichwort: Heidenheim) und nicht auf die zurückliegenden Monate zu verweisen, ist den meisten bewusst, dass ein „Weiter so“ nach dem vierten Viertelfinal-Aus binnen fünf Jahren nicht möglich ist. Die Erkenntnis aus dem Mailänder Dauerregen flog mit nach München: Stand April 2025 ist der FC Bayern in Europa keine Spitzenmannschaft. Ein Ist-Zustand, der bitter klingt – noch dazu, weil er keine Momentaufnahme ist.
Gehört der FC Bayern noch zu Europas Spitze?
Diese Partie, das 2:2 im Champions-League-Rückspiel bei Inter, hätte anders ausgehen können, mangelnden Willen und fehlenden Kampfgeist kann man dem Team von Vincent Kompany nicht vorwerfen. Aber allein die Tatsache, dass nach dem K.o. niemand lamentieren wollte, sprach Bände.
Die fairen Gratulationen an Mailand waren Formsache, sie waren aber vor allem begleitet von der Erkenntnis, dass die richtige Mannschaft im Halbfinale steht. Die nämlich, die sich seit den letzten beiden direkten Duellen in der Gruppenphase 2022 (2:0/2:0 aus Bayern-Sicht) weiterentwickelt hat, während der FC Bayern seitdem höchstens auf der Stelle tritt.
Fehlende Strahlkraft und stille Akzeptanz
Ein Finale in München ohne den Gastgeber kann niemanden wirklich überraschen. Denn für den kitschigen Traum vom „Titel dahoam“ hätte in diesem Team unter Anleitung des jungen, zweifellos begabten Trainers alles zusammenpassen müssen. Die Flut an Verletzungen war bitter, die Ausfälle von Alphonso Davies, Dayot Upamecano und vor allem Jamal Musiala wogen schwer.
Und trotzdem fehlt dem Rekordmeister deutlich mehr zur Strahlkraft, mit der er sich lange auf der europäischen Bühne bewegt hat. Vier Niederlagen in der Champions-League-Spielzeit sprechen für sich, Euphorie kam nie auf. Abgesehen vom eindeutig gewonnenen Duell mit Leverkusen bleibt aus den vergangenen acht Monaten daher wenig – und das ist für die Analyse essenziell.
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Max Eberl fordert „Learning“ nach CL-Aus
Ein „Learning“ forderte Sportvorstand Max Eberl aus dem enttäuschenden Abschneiden. Das allerdings muss auf allen Ebenen stattfinden. Auf dem Platz fehlt es punktuell an Qualität, vor allem aber mangelt es an Kaltschnäuzigkeit und Wettkamphärte. Und in der Etage darüber war es in den vergangenen Jahren viel zu turbulent, um ein ruhiges Arbeiten zu ermöglichen. Wo eine gemeinsame Sprache fehlt, wo der dritte Trainer binnen drei Jahren an der Seitenlinie steht, ist es schwer, auf dem Platz Großes zu errichten.
Dass der große Knall heuer ausfällt, dass man weiter auf Kompany setzt (der übrigens noch in der Kabine die passenden Worte gefunden hat), ist daher richtig. Und trotzdem sollte die interne Analyse anders ausfallen als die Schönrederei nach Schlusspfiff. Was ansonsten passiert, kann man am mahnenden Beispiel der deutschen Nationalmannschaft sehen. Erst das dritte desaströse Turnier hintereinander führte beim DFB dazu, mal das Grundsätzliche ins Visier zu nehmen.
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