Tuchel hat es vorgemacht
FC Bayerns Kader-Diät: Kalkuliertes Risiko oder drohende Krise?
Der FC Bayern geht mit dünnem Kader in die Saison – dennoch scheint der Rekordmeister das wohlüberlegte Risiko einzugehen. Kann diese Taktik aufgehen?
München – Harry Kane bringt es auf den Punkt: „Wir sind ein bisschen dünn aufgestellt, wenn wir ehrlich sind.“ Der Torjäger des FC Bayern spricht aus, was viele denken – der Kader des deutschen Rekordmeisters wirkt für die Saison 2025/26 beunruhigend schmal. Uli Hoeneß hat da eine Lösung parat. „Ich würde sehr dafür plädieren, den Kader noch aufzufüllen mit einem Leihspieler, der bis zum 30. Juni 2026 unter Vertrag genommen wird“, so die Ansage des Ehrenpräsidenten in der Süddeutschen Zeitung.
Diese restriktive Haltung ist kein Zufall. Sie ist Teil eines größeren Plans, der 2026 seinen Höhepunkt erreichen soll. Ein Plan, für den es bereits ein erfolgreiches Vorbild gibt. Aleksandar Pavlović verdankt seinen Durchbruch genau einer solchen Situation. Als Thomas Tuchel im Sommer 2023 vor dünner Personaldecke im defensiven Mittelfeld stand, griff er pragmatisch zu: „Sonst machen wir es mit Aleks von unserer U23.“
Das Pavlović-Prinzip als Blaupause
Der seinerzeit 19-Jährige nutzte seine Chance. Pavlović etablierte sich als Stabilisator im Mittelfeld. Heute hat er einen Vertrag bis 2029 und ist Teil der deutschen Nationalmannschaft. Eine Erfolgsgeschichte, die sich wiederholen könnte. Die Abgänge von Leroy Sané, Thomas Müller, Kingsley Coman und Mathys Tel haben in der Offensive ein Vakuum hinterlassen.
Für drei bis vier Angriffspositionen stehen aktuell nur Harry Kane, Luis Díaz, Michael Olise und Serge Gnabry als gestandene Profis zur Verfügung; Jamal Musiala fehlt noch einige Monate. Jeder weitere Ausfall wird zum Problem. Fallen Kane, Díaz, Olise oder Gnabry aus, muss Bayern sofort auf Nachwuchstalente wie Lennart Karl oder Wisdom Mike zurückgreifen.
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Keine Zwischenlösungen, keine erfahrenen Backup-Optionen. Das erhöht den Druck auf alle Beteiligten erheblich. Besonders auf Karl lasten große Hoffnungen, glänzte er doch in der Vorbereitung mit Traumtoren gegen Tottenham und die Grasshoppers Zürich. Der 17-jährige Linksfuß sammelte 34 Tore in 30 Pflichtspielen für die U19 und U17, sieben Tore in 13 Einsätzen in der U17-DFB-Auswahl.
Folgt Lennart Karl dem Beispiel von Aleksandar Pavlović?
Der FC Bayern verlängerte zuletzt die Verträge von Karl und Mike und sendete damit Vertrauensbeweise. Trainer Vincent Kompany wird ihnen wohl Chancen geben müssen – schon aus der Not heraus. Parallel entfaltet die Kaderstrategie eine zweite Wirkung. Ein geplanter Kaderumbau im Sommer 2026 schwebt wie ein Damoklesschwert über etablierten Spielern. Ihre Verträge laufen genau dann aus.
Dayot Upamecano muss seine Leistungsschwankungen abstellen. Leon Goretzka und Serge Gnabry stehen trotz ihrer Verdienste unter enormem Rechtfertigungsdruck. Beide verdienen kolportierte 17 bis 18 Millionen Euro jährlich. Die Botschaft ist klar: Wer 2026 noch dabei sein will, muss jetzt liefern. Goretzka hat bereits in den vergangenen Monaten gezeigt, dass mit ihm weiterhin zu rechnen ist.
Hoeneß‘ Fokus auf Leihspieler hat indes Tradition bei Bayern. Ivan Perišić war 2019/20 ein wichtiger Baustein für das Triple. James Rodríguez und Philippe Coutinho hingegen konnten trotz Weltklasse-Qualität nicht nachhaltig überzeugen. Die Vorgabe, den Leihvertrag bis 2026 zu datieren, zeigt die Absicht: Eine Übergangslösung bis zum großen Umbau, mehr nicht.
Die Bayern-Strategie ist ein Vabanque-Spiel. Die Chancen sind real: Campus-Talente könnten durchbrechen, die Gehaltsstruktur wird bereinigt, 2026 entsteht maximale Flexibilität für den Neuaufbau. Die Risiken sind genauso real. Verletzungspech in der Offensive würde die Saisonziele gefährden. Die Entwicklung der Talente könnte durch Überforderung leiden.
Pavlović hat bewiesen: Manchmal entstehen die besten Lösungen aus der größten Not. Ob Karl und andere Talente diesem Beispiel folgen können, entscheidet sich in den kommenden Monaten.
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