Treffen in München

FIFA-Boss Infantino und deutsche Fußballbosse führen neue Partnerschaft

Lange Zeit genoss Gianni Infantino nicht viel Ansehen bei DFB und deutschen Spitzenvereinen. Dies ändert sich jetzt - nicht nur aus monetären Gründen.

München – „Herzlichen Glückwunsch an den FC Bayern. 125 Jahre – das muss man gebührend feiern! Es ist eine riesige Ehre, hier zu sein. Bei einem Klub, der für den deutschen Fußball, den europäischen Fußball und den Weltfußball enorm viel getan hat“, sagte Gianni Infantino am Mittwochabend bei der Jubiläumsfeier des FC Bayern. Und der Italiener blickte weit in die Vergangenheit zurück:

Infantino ist Fan von Inter Mailand

Infantino ist Fan von Inter Mailand. Im Dezember 1988, als er 18 Jahre alt war, packte ihn die Euphorie. Nach einem 2:0-Sieg von Inter im Achtelfinalhinspiel des UEFA-Cups in München fuhr der in der Schweiz aufgewachsene Infantino mit Freunden zum Rückspiel ins Giuseppe-Meazza-Stadion.

„Was dann passierte, werde ich nie vergessen“, so Infantino, der ausführte: „80.000 im Stadion, die Stimmung war fantastisch – aber dann kam der FC Bayern. Schon zur Halbzeit stand es 3:0, und Torwart Raimond Aumann machte das Spiel seines Lebens! Da habe ich gelernt, was der FC Bayern ist. Seit 1988 habe ich verstanden, was diese Dominanz des FC Bayern bedeutet.“

Die rund 600 prominenten Gäste am Münchner Nockherberg wirkten von der Ehrerweisung des FIFA-Chefs überrascht und geschmeichelt.

Infantino trifft Rummenigge

Bedeutender für den Weltfußball war aber womöglich ein Treffen zuvor zwischen Infantino und Karl-Heinz Rummenigge. Der Ex-Vorstandschef des FC Bayern hatte nämlich ein bedeutendes Anliegen.

Rummenigge, derzeit Mitglied im Aufsichtsrat des deutschen Rekordmeisters, reicht es mit den exorbitanten Gehaltsvorstellungen seiner Bayern-Profis und den taktisch geschickt agierenden Spielerberatern.

Rummenigge klopfte bei Infantino Optionen ab, wie diesem Exzess Einhalt geboten werden kann. Rummenigge selbst denkt dabei an einen klassischen „salary cap“, also eine festgelegte Gehaltsobergrenze für Spieler.

Auch Generalsekretär Grafström war in München

Nach Informationen von fussball.news, dem Fußball-Portal von IPPEN.Media, stieß Rummenigge mit seinem Anliegen nicht auf taube Ohren. Schließlich kämpft Gianni Infantino schon seit Jahren darum, die Zahlungen an Spielerberater einzugrenzen. Dafür wird Infantino in Deutschland überraschenderweise oftmals kritisiert, etwa wenn ein Starberater wie Volker Struth bei TV-Sender Sport1 mehrere Minuten über die FIFA herziehen darf und sein Metier verteidigt.

fussball.news weiß: Bei dem Treffen in München saßen auch FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström und eine weitere Persönlichkeit des FC Bayern mit am Tisch. Womöglich ergibt sich aus diesem Treffen eine längst überfällige Revolution für den Weltfußball.

FIFA-Boss Gianni Infantino spricht beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen des DFB.

Ein Fußball-Diplomat, der mit der Sache vertraut ist, wundert sich gegenüber fussball.news ohnehin, warum der deutsche Fußball nicht schon früher mit Infantino Initiativen und Kooperationen gestartet hat. Infantino sei mit der deutschen Fußballkultur aufgewachsen und stehe Deutschland sehr positiv gegenüber.

Bei der Feier des FC Bayern in München unterhielt sich Infantino zum Beispiel aufgeschlossen mit Bernd Neuendorf, dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes. Auch zwischen FIFA und DFB soll längst eine emotionale Mauer durchbrochen worden sein.

Eiszeit zwischen DFB und FIFA bei WM in Katar

Nach dem Konflikt bei der WM 2022 in Katar haben Infantino und Neuendorf eine neue, positive Arbeitsatmosphäre geschaffen, die sich nun auf die persönliche Ebene auswirkt.

Vor wenigen Wochen war Infantino ebenfalls zum 125. Geburtstag des DFB nach Leipzig angereist und erwies dem größten Fußballverband der Welt seine Ehre.

Die neue Stufe der Zusammenarbeit zwischen DFB und FIFA kommt einem großen Erfolg gleich. Denn die Stimmung war die vergangenen Jahre nicht nur wegen der Ausrichtung der WM 2022 in Katar schlecht.

Die Zukunft der DFB-Elf: Wer folgt auf Kroos, Müller und Neuer?

Noah Atubolu (Jahrgang: 2002), Tor: Die Nummer eins des SC Freiburg überzeugt im jungen Alter Woche für Woche in der Bundesliga. Durch die Europapokal-Spiele mit den Breisgauern ist Atubolu zudem bereits international erfahren. In der deutschen U21 fängt er inzwischen regelmäßig. (DFB-Bilanz bisher: Kein A-Länderspiel.)
Diant Ramaj (Jahrgang: 2001), Tor: Ramaj gab sein Bundesliga-Debüt 2022 für Eintracht Frankfurt. Über Ajax Amsterdam kam er Anfang 2025 zu Borussia Dortmund, wo er irgendwann Stammtorhüter werden soll. (DFB-Bilanz bisher: Kein A-Länderspiel.)
Jonas Urbig (Jahrgang: 2003), Tor: Wird Jonas Urbig der neue Manuel Neuer? Auf Vereinsebene soll er das, wechselte im Januar 2025 zum FC Bayern. Auf lange Sicht könnte er sich mit Atubolu um das deutsche Tor streiten. (DFB-Bilanz bisher: Kein A-Länderspiel.)
Armel Bella-Kotchap (Jahrgang: 2001), Abwehr: Die Karriere des Überraschungs-Teilnehmers der WM 2022 ist auf Vereinsebene etwas ins Stocken geraten. Obwohl sein letzter Einsatz im DFB-Trikot aus dem Jahr 2022 datiert, ist mit dem Innenverteidiger mittel- bis langfristig in der Nationalmannschaft zu rechnen. (DFB-Bilanz bisher: Zwei A-Länderspiele, kein Tor.).
Die Zukunft der DFB-Elf: Wer folgt auf Kroos, Müller und Neuer?

Beckenbauer fehlte als Diplomat

Ein Insider ordnet gegenüber fussball.news ein: „Durch das Wegbrechen von Franz Beckenbauer als alles verbindende Galionsfigur Mitte der 2010er-Jahre und durch mehrere Präsidenten-Wechsel beim DFB hat Deutschland den Anschluss an die Entwicklungen im Weltfußball ein Stück weit verpasst.“

Die Gesamtlage scheint sich nun zu ändern, besonders weil auf der deutschen Seite wieder das Verständnis aufkommt, welches große Ziel die FIFA-Führung verfolgt: den Fußball auf der gesamten Welt fortzuentwickeln. Dazu bedarf es keiner zu starken eurozentristischen Perspektive, wenn man bei seinem Vorhaben nicht scheitern will.

Das Ziel beinhaltet, einen diplomatischen Weg zu finden, rund 200 stimmberechtigte Mitgliedsverbände mit unterschiedlichen Wünschen, Kulturen und politischen Systemen in Kernfragen auf einen Nenner zu bringen.

Klub-WM der FIFA ist Großprojekt

So erhält die FIFA aus allen Kontinenten positive Rückmeldungen für ihre geplante Klub-WM im Sommer 2025. In Deutschland haben sich die Teilnehmer Bayern München und Borussia Dortmund hinter das Projekt gestellt. Fernando Carro, Klubchef von Bayer Leverkusen, ärgerte sich sogar, dass sein Team nicht an dem Turnier teilnehmen kann. Mit Einnahmen von bis zu 50 Millionen Euro wird den 32 startenden Vereinen die Teilnahme zudem versüßt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Roger Petzsche

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