Völler rechnet mit Ausfällen
Die Angst vor dem Spielerschwund
Die Saison war lang, das Verletzungsrisiko ist hoch. Auch die Temperaturen könnten Schwierigkeiten bereiten. DFB-Sportdirektor Völler blickt voraus.
Es ist gut 16 Jahre her, dass im deutschen Fußball eine Diskussion tobte. Thema: Was hat Joachim Löw gegen Leverkusen? Löw war damals Bundestrainer und baute an seinem Team für die WM 2010. Was sich dabei abzeichnete: Die Leverkusener Aspiranten um Stefan Kießling und Gonzalo Castro kamen nicht zum Zug, wie sie sich das vorgestellt hatten. Also waren sie und ihr Umfeld beleidigt.
Schlichten musste Rudi Völler, der Sportdirektor von Bayer. Und selbst ehemaliger DFB-Teamchef. Er sprach aus seiner Erfahrung: Es gehe da doch eh nur um die hinteren Positionen im Kader. „Bei einem Turnier braucht man als Trainer eh nur so fünfzehn, sechzehn Leute“, sagte er. Heute als DFB-Sportdirektor, der die Stimmung in einem weitaus größeren Kader als dem damaligen hochhalten muss, sagt Rudi Völler, dass natürlich alle wichtig sein werden.
Neun DFB-Spieler wurden ohne Einsatz Weltmeister
Wobei er aber immer noch einschränkt: „Nicht jeder wird zum Einsatz kommen – aber viele.“ Bei allen WM-Turnieren, die mit dem Titel geendet hatten, standen Spieler im Kader, die keine Minute zum Einsatz kamen. 1954 wurde der Augsburger Uli Biesinger Weltmeister, Nationalspieler aber erst nach dem Turnier.
1974 blieben Helmut Kremers und Jupp Kapellmann immer draußen, 1990 ging es Paul Steiner, Frank Mill und dem dadurch berühmt und zum Sinnbild gewordenen Günter Hermann so. 2014 hießen die Zuschauer Matthias Ginter, Erik Durm und Kevin Großkreutz. Wenn Spieler ohne Einsatz übrig bleiben, kann das durchaus ein gutes Zeichen sein: Früh hat sich eine Mannschaft gefunden.
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Bei den für Deutschland kurzen Turnieren 2018 und 22 kamen unter Löw und dann Hansi Flick jeweils fast alle Feldspieler zu Minuten. 2022 umfassten als Auswirkung der Corona-Krise die Kader 26 statt 23 Stellen. Auch die Möglichkeit, fünfmal auszuwechseln (zuvor dreimal) wurde beibehalten. Dafür gibt es bei der Weltmeisterschaft 2026 ein Sechzehntelfinale, eine Runde mehr. Wie wird die deutsche Kaderrechnung sein?
„Jetzt sind alle fit, aber es kann einen Schwund unter den Spielern geben“, erwartet Rudi Völler. Mit Verletzungen ist immer zu rechnen. Kai Havertz hat in den letzten beiden Jahren wenig gespielt, er gilt als sportlich zwar gesetzt, aber man weiß um seine Anfälligkeit, Jamal Musiala zog sich bei der Club-WM vor einem Jahr eine komplexe Beinverletzung zu, sie wirkt bis heute nach.
Auch bei Torwart Manuel Neuer rechnet man damit, dass der Rückkehrer nicht alle Spiele wird bestreiten können – denn die enge Taktung eines Turniers ist der 40-Jährige gar nicht mehr gewohnt. Auch beim FC Bayern hat er in den englischen Wochen seine Pausen genommen. Schließlich befürchtet Rudi Völler auch noch Platzverweise: „Das kann schnell passieren, dass du eine Gelb-Rote Karte bekommst – und dann kann ein Spiel mit Zehn gegen Elf schwer werden.“
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