Erkenntnisse zum 2:3
Gladbachs Defizite gegen den BVB sichtbar – gerät das Saisonziel in Gefahr?
Borussia Mönchengladbach lässt gegen Borussia Dortmund die Chance auf Punkte ungenutzt und zeigt gleichzeitig mehrere Defizite.
Dortmund/Mönchengladbach – Als Gerardo Seoane bei DAZN ein erstes Fazit über die 2:3-Niederlage seiner Mannschaft zog, fühlte sich der Trainer von Borussia Mönchengladbach an das vorherige Gastspiel gegen Borussia Dortmund erinnert.
Gladbach verspielt in Dortmund Punkte
In der Saison 2023/24 lagen die Fohlen nach 28 Minuten mit 2:0 gegen den BVB in Führung, gerieten noch vor der Halbzeitpause in Rückstand und kassierten in der 97. Minute das 2:4.
Am Ostersonntag erzielte Ko Itakura nach 24 Minuten das 1:0 für die Gäste, doch dann zerfiel die Gladbacher Führung wie das berüchtigte Kartenhaus. Serhou Guirassy markierte in der 41. Minute den Ausgleich, Felix Nmecha (44.) und Daniel Svensson (45.+5) stellten noch vor dem Pausenpfiff auf 3:1.
Zwar verkürzte Kevin Stöger per Elfmeter auf 3:2 (56.), mehr war für die schwarz-grüne Borussia aber nicht drin. „Wir hatten keine hundertprozentigen Chancen, aber viele gefährliche Situationen, geblockte Schüsse. Die Mannschaft ist in der zweiten Halbzeit konzentriert geblieben, war nicht kopflos“, resümierte Seoane. Dennoch fielen mehrere Erkenntnisse auf.
Gladbach zieht sich gegen den BVB den Stecker
Das größte Ärgernis im Borussen-Duell war das Gladbacher Abwehrverhalten nach der Führung.
Nun strahlte der BVB schon vor Itakuras Treffer Dominanz aus und verzeichnete die gefährlicheren Abschlüsse, doch alle drei Tore folgten einem ähnlichen Muster.
Carney Chukwuemeka eroberte vor dem Ausgleich den Ball, auf der rechten Außenbahn brachte Pascal Groß den Ball in den Rückraum, Guirassy netzte mustergültig ein. Beim 2:1 eroberte Groß den Ball und bediente Rechtsverteidiger Yan Couto, der im Rückraum wiederum Nmecha fand.
Das dritte Tor folgte einem eklatanten Fehlpass von Kevin Stöger, die eine Flanke von der rechten Dortmunder Außenbahn nach sich zog – und Svensson verwertete einen Nachschuss per Kopf.
„Zwei Gegentore fallen unmittelbar nach Ballverlusten, da lassen wir uns mit beiden Sechsern zu sehr auf die Seite ziehen, blocken die Flanke nicht, besetzen den Rückraum nicht korrekt“, analysierte Seoane.
Auffallend war auch, dass Linksverteidiger Lukas Ullrich einen unglücklichen Arbeitstag erwischte und mit Robin Hack – der erst nach 70 Minuten ins Spiel kam – die notwendige Unterstützung fehlte. Der BVB brach zu leicht auf dem Flügel durch, Gladbach fand in dieser Phase kein Mittel und brachte sich durch Ballverluste überhaupt in diese Notlage.
Kleindienst durchlebt eine Torflaute
Einen unglücklichen Tag erlebte auch Tim Kleindienst. Der deutsche Nationalspieler holte im zweiten Durchgang zwar einen Elfmeter heraus, blieb im gegnerischen Strafraum aber blass.
Dusche, Tankstelle, Küche: Die skurrilsten Verletzungen im Profifußball




Insgesamt erlebt Kleindienst seine schwächste Phase seit dem Wechsel nach Gladbach. Der Mittelstürmer erzielte in den vergangenen sieben Bundesligaspielen nur ein Tor, war letztmals beim 4:2-Sieg gegen Werder Bremen am 15. März erfolgreich.
Mit nur einem Torschuss und 31 Ballkontakten war Kleindienst kaum ins Spiel eingebunden. Auffallend war seine Positionierung in der ersten Halbzeit, als er auf den linken Flügel auswich und dann im Strafraum fehlte. Dabei wäre seine Torgefahr in der Crunchtime ein echtes Faustpfand.
Gladbach-Bankdrücker nutzt seine Chance nicht
Tomáš Čvančara begann für den ausgefallenen Franck Honorat auf dem rechten Flügel, betrieb aber erneut keine Eigenwerbung.
Der Tscheche blieb im Offensivspiel harmlos, war auch in der Rückwärtsbewegung blass. Beim ersten Gegentor war Čvančara an Guirassy dran, konnte den Stürmer aber nicht am Abschluss hindern. Beim dritten Dortmunder Treffer ging er gar nicht erst ins Kopfballduell mit Daniel Svensson.
Insgesamt ist es Čvančara misslungen, die Honorat-Lücke zu schließen. Der einstige Hoffnungsträger bleibt weiterhin unter den Erwartungen.
Fohlen fallen in alte Muster zurück
So wie sich Seoane das Auswärtsspiel in Dortmund aus der Vorsaison erinnert fühlte, fühlen sich in den sozialen Netzwerken einige Gladbach-Fans an die Schlussphase der vergangenen Spielzeit erinnert.
In den vergangenen drei Spielen verspielte Borussia jeweils eine Führung, nahm einen von neun Punkten mit. Die Mannschaft ließ sich auf St. Pauli (1:1), gegen Freiburg (1:2) und in Dortmund tief fallen, schuf insbesondere in den beiden erstgenannten Partien zu wenig Entlastung.
Außerdem waren Torchancen in allen drei Spielen Mangelware – auch, weil die Abstände zwischen Kleindienst und den übrigen Mannschaftsteilen zu groß waren.
Insgesamt hat Gladbach in den vergangenen drei Spielen 21 Torschüsse gesammelt und 59 gegnerische Torschüsse zugelassen. Dieses Verhältnis ist unzureichend, um im engen Europa-Rennen ein ernsthaftes Wort mitzureden.
Vielmehr muss Gladbach um das eigentliche Saisonziel bangen: den einstelligen Tabellenplatz. Die Fohlen belegen mit 44 Punkten Platz neun, haben nur einen Punkt Vorsprung auf den FC Augsburg und liegen drei Zähler vor dem VfB Stuttgart. Gelingt jetzt keine Trendwende, könnte die eigentlich positive Saison doch ein durchwachsenes Ende nehmen.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Oliver Kaelke/DeFodi Images
