Nach Omlin-Verletzung

Gladbachs Torwart-Talent steht vor der ersten kleinen Feuertaufe

Aufgrund der Verletzung von Jonas Omlin muss Borussia Mönchengladbach im Tor umplanen. Tiago Pereira Cardoso winkt eine große Bewährungsprobe.

Mönchengladbach – Manchmal geht es im Profifußball wie im Leben schneller als gedacht. Da bei Borussia Mönchengladbach wieder einmal das Verletzungspech im Tor ausgebrochen ist, ist vorerst der Hoffnungsträger der Zukunft gefordert.

Borussia Mönchengladbach muss im Tor umplanen

Jonas Omlin erlitt beim 4:2-Sieg gegen Werder Bremen am Samstag eine Muskelverletzung im Adduktorenbereich, wegen der er laut einer Mitteilung der Fohlenelf voraussichtlich in den kommenden Spielen fehlen wird. Mindestens mit Blick auf die Bundesligaspiele gegen RB Leipzig (29. März) und den FC St. Pauli (6. April) sieht es schlecht aus für Omlin, vielleicht wird er sogar gegen den SC Freiburg (12. April) fehlen.

Eigentlich stände ohnehin Moritz Nicolas im Tor, hätte sich die Nummer eins nicht am 15. Februar gegen Union Berlin eine folgenschwere Adduktorenverletzung hinzugezogen. Kurzfristig rückt daher Tiago Pereira Cardoso zwischen die Pfosten, dem in Gladbach die Zukunft zugeschrieben wird.

Tiago Pereira Cardoso wird nach der Länderspielpause das Tor von Borussia Mönchengladbach hüten.

Das 18-jährige Torwart-Talent feierte am 1. März gegen den 1. FC Heidenheim sein Bundesliga-Debüt, weil Omlin rotgesperrt auf der Tribüne saß. Pereira Cardoso kam außerdem am Samstag in Bremen für die restlichen 20 Minuten zum Einsatz und fuhr mit seinen Vordermännern den Auswärtssieg nach Hause.

Wird Pereira Cardoso gegen zwei direkte Konkurrenten spielen?

Wenn der Nachwuchstorhüter von der luxemburgischen Nationalmannschaft zurückkehrt, kommt jedoch ein anderes Kaliber auf ihn zu. Ihm winkt das Heimdebüt im Borussia-Park vor rund 54.000 Zuschauern, mit Leipzig wartet ein direkter Konkurrent, der auf dem – für seine Verhältnisse – dürftigen fünften Tabellenplatz liegt.

Die ‚Roten Bullen‘ sind in Gladbach kein gern gesehener Gegner, ihr Cheftrainer Marco Rose erst recht nicht. Es darf eine hitzige Stimmung erwartet werden, schließlich kann Borussia die Leipziger in der Tabelle überholen. Ein großes Spiel mit großer Kulisse – dagegen waren die 15.000 Zuschauer in Heidenheim ein beschauliches Programm zum Einstand.

Alle Bundesliga-Torschützenkönige seit 2010

2010: Edin Džeko - 22 Tore für den VfL Wolfsburg. Der Bosnier dürfte einer der unterschätztesten Stürmer seiner Zeit sein. 2018 wurde er zum ersten Spieler, der in drei der europäischen Top-5-Ligen über 50 Treffer erzielte! Mit dem VfL Wolfsburg wurde er 2009 Deutscher Meister.
2011: Mario Gómez - 28 Tore für den FC Bayern. Der gebürtige Schwabe begann seine Profikarriere 2004 beim VfB Stuttgart und beendete sie sage und schreibe 16 Jahre später ebenfalls beim VfB. Der 78-malige Nationalspieler spielte zwischenzeitlich nicht nur beim FC Bayern, mit dem er unter anderem Champions-League-Sieger wurde und die Torjägerkanone gewann, sondern unter anderem auch beim AC Florenz.
2012: Klaas-Jan Huntelaar - 29 Tore für den FC Schalke 04. Huntelaar war seinerzeit ein gefürchteter Strafraumstürmer. Der „Hunter“ erreichte 2010 mit der niederländischen Nationalmannschaft das WM-Finale. Im März 2022 begann Huntelaar, zehn Monate nach seinem Rücktritt aus dem Profifußball, im Management von Ajax Amsterdam zu arbeiten.
2013: Stefan Kießling - 25 Tore für Bayer 04 Leverkusen. Auch Stefan Kießling ist nach wie vor bei seinem Ex-Verein tätig, er arbeitet in der Verwaltung von Bayer 04 Leverkusen. Kießling spielte von 2006 bis 2018 für die Werks-Elf, mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er Dritter bei der Weltmeisterschaft 2010. Trotz Forderungen von vielen Seiten, spielte Kießling in der Nationalmannschaft nie eine große Rolle, absolvierte lediglich sechs A-Länderspiele.
Alle Bundesliga-Torschützenkönige seit 2010

Spielt Pereira Cardoso auch im Heimspiel gegen den SC Freiburg, kann man vielleicht schon von einer Feuertaufe für die Nachwuchshoffnung sprechen. Auch die Breisgauer sind als Tabellensechster ein direkter Konkurrent im Rennen um Europa, außerdem können die Standardspezialisten Vincenzo Grifo und Jan-Niklas Beste ihn mit fiesen Bällen auf die Probe stellen.

Gladbach-Talent winkt eine große Chance

Mancher Gladbach-Fan fühlt sich womöglich an Marc-André ter Stegen erinnert, der 2010/11 im Abstiegskampf eine Chance erhielt und zur Nummer eins aufstieg. Die Situation von Pereira Cardoso ist eine andere, schließlich eröffneten erst die Ausfälle von Nicolas und Omlin die Perspektive auf erste Erfahrungswerte in der Bundesliga.

Borussia will den Teenager behutsam heranführen und keinen schweren Rucksack auflasten, wie Sport-Geschäftsführer Roland Virkus mehrfach betont hat. Dennoch können die kommenden Spiele ein Fingerzeig hinsichtlich darauf sein, was Gladbach in einigen Jahren von Pereira Cardoso erwarten kann.

Zumal erste Bewährungsproben in der Bundesliga bei der perspektivischen Karriereplanung helfen können. Kommt Pereira Cardoso an den Punkt, an dem eine Leihe auf höherem Niveau als die U19 (A-Junioren Bundesliga) oder U23 (Regionalliga West) Sinn ergibt, dient der erste Sprung ins Profiwasser als Anschauungsmaterial für potenzielle Interessenten. Im Grunde kann Pereira Cardoso nur gewinnen, sofern er sich keine größeren Schnitzer leistet.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn

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