„Das war vor 40 Jahren schon so“

Matthäus hebt U21-Vorzüge hervor, die der A-Nationalmannschaft fehlen

Matthäus analysiert Unterschiede zwischen U21- und A-Nationalmannschaft und identifiziert Verbesserungspotenzial bei Nagelsmanns Team.

München – Der deutsche Fußball steht derzeit vor großen Herausforderungen. Matthias Sammer kritisierte jüngst gegenüber dem kicker die Identitätskrise des deutschen Fußballs und bemängelte, dass man die traditionellen Stärken vernachlässigt habe. Lothar Matthäus hingegen sieht in seiner Sky-Kolumne Licht am Ende des Tunnels – insbesondere durch die Leistungen der deutschen U21-Nationalmannschaft.

Matthäus sieht bei der U21 die Mentalität, die er bei der A-Nationalmannschaft zuletzt vermisste

Matthäus hebt die U21 als positives Beispiel hervor. Diese habe bei der U21-Europameisterschaft in der Slowakei das Finale erreicht und dort nur knapp gegen England verloren. „Im deutschen Fußball ist man immer über die Mentalität gekommen“, betont Matthäus. „Das war vor 40 Jahren schon so und das haben wir zuletzt auch bei der U21-Nationalmannschaft gesehen“, führt er fort und lobt den unerschütterlichen Glauben der Junioren an sich selbst. Diese Mentalität sei es, die der A-Nationalmannschaft aktuell fehle.

Für Matthäus ist die U21 ein Hoffnungsträger. Die Mannschaft habe gezeigt, dass sie auch in schwierigen Situationen zurückkommen könne, anders als zuletzt das Team von Julian Nagelsmann bei den Niederlagen gegen Portugal und Frankreich in der Nations-League-Endrunde.

Karl war der Letzte: Diese deutschen Nationalspieler feierten ihr Debüt unter Julian Nagelsmann

Chris Führich feierte am 14. Oktober 2023 beim 3:1-Sieg gegen die USA sein Debüt für die Nationalmannschaft. Als dynamischer Flügelspieler des VfB Stuttgart überzeugte er mit Tempo und Technik. Seitdem durfte er öfters für den DFB auflaufen und wurde für die UEFA Euro 2024 nominiert.
Am 18. Oktober 2023 kam Kevin Behrens beim 2:2 gegen Mexiko zu seinem ersten Länderspieleinsatz. Damals noch bei Union Berlin unter Vertrag, wechselte er Anfang 2024 zum VfL Wolfsburg. Seitdem wurde er nicht mehr nominiert.
Marvin Ducksch debütierte am 18. November 2023 gegen die Türkei. Als torgefährlicher Angreifer von Werder Bremen wurde er in zwei Länderspielen eingesetzt. Trotz starker Leistungen im Verein blieb es bislang bei diesen Einsätzen.
Beim 0:2 gegen Österreich am 21. November 2023 feierte Robert Andrich sein Debüt für die Nationalmannschaft. Mit konstanten Leistungen bei Bayer Leverkusen etablierte er sich schnell im DFB-Kader und wurde für die EM 2024 nominiert.
Karl war der Letzte: Diese deutschen Nationalspieler feierten ihr Debüt unter Julian Nagelsmann

Matthäus positiver gestimmt als Sammer

Sammer sieht die Probleme der A-Nationalmannschaft extremer als Matthäus: „Wir hatten Einzelspieler, die Genies waren; aber als Mannschaft waren wir eine Maschine. Heute sind wir noch maximal ein Maschinchen“, bringt er seine Kritik am DFB-Team auf den Punkt. „Was die Gesamtsituation des deutschen Fußballs betrifft, sehe ich es ein bisschen anders als Matthias Sammer“, entgegnet Matthäus und ergänzt: „Natürlich fehlt etwas, da hat Matthias recht, aber wir sind nicht weit von der Spitze entfernt“.

Lothar Matthäus ist bis heute, mit 150 Einsetzen, mit dem Adler auf der Brust, Deutschlands Rekord-Nationalspieler.

Obwohl Matthäus die A-Nationalmannschaft nicht so negativ bewertet wie Sammer, sieht er dennoch Handlungsbedarf. Die Schwächen müssten offen kommuniziert werden. „Julian Nagelsmann oder auch Rudi Völler können nicht nur alles schönreden“, meint Matthäus. Die Probleme in der Chancenverwertung und die mangelnde Ruhe beim Abschluss seien Themen, die angegangen werden müssten, um zu den absoluten Top-Teams aufzuschließen. (hbr)

Rubriklistenbild: © DeFodi Images/Imago

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