Kurioses Verhalten
Sportpsychologe über Bayern-Star: „Olise hat schon fast autistische Züge“
Bayern-Star Michael Olise glänzt auf dem Rasen und fällt daneben mit eigenwilligem Verhalten auf. Das sagt Sportpsychologe Matthias Herzog dazu.
Michael Olise ist ein Rätsel. Sportlich ist der Offensiv-Star überragend. Abseits des Rasens möchte er nicht auffallen, tut es aber durch seine sogenannte nonchalante Art. Viele Fans feiern das, inzwischen gibt es allerdings immer mehr Beobachter, die diese Eigenheit kritisch sehen. Was sagt der Fachmann dazu? Absolut Bayern fragte bei Sportpsychologe Matthias Herzog nach.
„Olise zeigt Verhaltensweisen, die viele Menschen als ungewöhnlich wahrnehmen. Das sind teilweise schon fast autistische Züge. Er wirkt sehr abgeschottet, scheint wenig Interesse an Small Talk zu haben, fast schon menschenscheu, ist extrem detailfixiert und perfektionistisch“, sagt Herzog. „Das kann Introversion sein, extreme Fokussierung, ein Schutzmechanismus oder einfach seine Persönlichkeit. Entscheidend ist: Anderssein ist im Spitzensport kein Makel – es kann eine Superkraft sein. Das macht Olise aktuell einzigartig.“
Olises Perfektionismus könnte zur Gefahr werden
Sich vor Interviews davonschleichen, als einziger Spieler kein Kakadu-Meister-Shirt anziehen, Mittelfinger-Geste beim Selfie-Wunsch von Kollege Jamal Musiala – ist das noch cool oder schon arrogant? „Nicht jeder Star muss laut sein. Nicht jeder Weltklassespieler muss lächeln, Selfies machen oder große Interviews geben. Olise dürfte gerade deshalb so gut sein, weil er so konsequent bei sich bleibt. Wir sollten aufhören, jedes stille Verhalten sofort als Arroganz zu deuten“, betont Herzog.
Aus Sicht des Fachmanns sei Olise eine „Black Box“. Herzog erklärt. „Er ist ein Spieler, der nach außen wenig preisgibt, aber auf dem Platz enorm viel ausdrückt und abliefert. Er ist kein Entertainer, sondern ein Künstler mit Maschinenpräzision. Vielleicht ist genau das sein Geheimnis: Während andere über sich reden, arbeitet er an der nächsten perfekten Aktion. Olise will die beste Version von sich selbst werden. Und hier ist er auf einem ausgezeichneten Weg.“
Vom Unbekannten zum Robben-Erben – Die Geschichte von Bayern-Star Olise




Laut Bayern-Trainer Vincent Kompany ist Olise ein Perfektionist: „Er kann manchmal auch frustriert sein, wenn nicht alles zu 100 Prozent klappt.“ Das kann aber auch gefährlich werden, so Herzog: „Wenn der innere Anspruch zu hoch wird, kann jeder Fehler wie ein persönliches Versagen wirken. Dann kippt Perfektionismus in Selbstkritik.
Das Risiko ist, dass ein Spieler irgendwann nicht mehr frei spielt, sondern nur noch Fehler vermeiden will. Bei Olise wird entscheidend sein, ob er seinen Perfektionismus als Motor nutzt – oder ob er ihn irgendwann gegen sich selbst richtet. Dann könnte er in eine Krise geraten.“ Bislang ist aber nichts von einem Leistungseinbruch bei Olise zu merken.
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