Überraschend nominiert
Nadiem Amiri und die glücklichen Momente der Fußball-WM
Die WM-Nominierung von Nadiem Amiri kam überraschend. Jetzt erlebt der Mainzer ungeahnte Emotionen und einzigartige Momente.
Nadiem Amiri hatte seinen Anteil am 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste. Es war ein beträchtlicher Anteil. Zusammen mit Deniz Undav und Jamlie Leweling wurde er eingewechselt, als das deutsche Spiel ins Stocken geraten war. Amiri, der Mainzer, schlug die Flanke, die Undav, der Stuttgarter, zum 1:1 ins ivorische Tor knallte.
Beim Jubel ging sein Blick auf die Tribüne, er wusste, wo sein Vater und sein Bruder ihre Plätze hatten. Und er sah: „Die haben gejubelt, als hätten sie den Assist gemacht.“ Ein Moment, in dem Nadiem Amiri mal wieder dachte: „Familie ist das Wichtigste. Mein Papa und mein Bruder haben mich extrem unterstützt und die Familie getragen. Ich könnte stundenlang darüber sprechen, wie dankbar ich ihnen bin.“
DFB-Star Nadiem Amiri schwärmt von der WM
Familie Amiri hat einen afghanischen Hintergrund, Nadiems Eltern verließen ihre Heimat, als diese von der Sowjetunion überfallen wurde (der Boykott von Olympia 1980 in Moskau war die Reaktion vieler westlicher Staaten auf die Invasion). Die Amiris bauten sich in Deutschland ein neues Leben auf. Nadiem wurde in Ludwigshafen geboren. Die Fußball-Laufbahn führte ihn zur nahen TSG Hoffenheim, wo er mit dem jungen Trainer Julian Nagelsmann deutscher U 19-Meister wurde. Keiner im WM.-Kader kennt den jetzigen Bundestrainer also länger als Amiri.
Das hat ihm aber keinesfalls den WM-Platz garantiert. Er spielt für den FSV Mainz 05, das ist nicht der Verein, der die deutsche Nationalmannschaft mit Spielern zu beliefern pflegt. Er hatte auch einen längeren Verletzungsausfall in dieser Saison. Und grundsätzlich war seine Beziehung zur DFB-Auswahl eine On-off-Geschichte. Debüt 2019, doch es folgte länger nichts, bei Bayer Leverkusen schien sich das Talent des ehemaligen U‑21-Europameisters nicht zu bestätigen.
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Der Wechsel nach Mainz war eine Flucht – aus der aber ein neuer Aufbruch entstand. Wie Amiri nominiert wurde, das kann man in der ZDF-Doku des Podcasters Tommi Schmitt sehen, der neben Amiri noch David Raum und Nick Woltemade über die vergangene Saison begleitete. Amiri war derjenige der drei Kandidaten, der sich seines Amerika-Tickets am wenigsten sicher sein konnte. „Mir war wichtig, dass das so real wie möglich ist, dass nichts Gespieltes dabei ist“, blickt Amiri auf den Dreh zurück.
Er sorgt für das Happy End der Geschichte. Die Filmcrew fing den Moment ein, den sie für perfekt hielt. „Die sagten: Besser wird’s nicht mehr.“ Nadiem Amiri hatte als einer der Letzten erfahren, dass er dabeisein würde. Die finale Phase nach dem letzten Bundesligaspiel in Heidenheim an einem Samstag bis zur Kader-Veröffentlichung war nervig – vor allem wegen eines Mainzer Teamkollegen: Phillip Tietz. „Keiner hat in diesen Tagen so oft angerufen wie er.“
Tietz fragte immer wieder nach, ob Nagelsmann sich schon gemeldet habe. Was der Bundestrainer am alten Bekannten Amiri schätzt: „Er hat ein feines Füßchen und kommt schnell auf Touren, weil er ein emotionaler Spieler ist. Man kann ihn gut einwechseln.“ Wie gegen die Elfenbeinküste.
Das Spiel hätte für Amiri aber auch schnell wieder vorbei sein können, denn nach wenigen Minuten lag er darnieder, trommelte verzweifelt auf den Rasen, weil ihn der Schmerz ganzheitlich erfasst hatte. „Ein Knie-auf-Knie-Kontakt“, erinnert der 29-Jährige sich an die Szene. Er stand aber auf, weil Joshua Kimmich ihm ein „Weiter“ zurief. „Und seine Stimme“, sagt Amiri, „die hört man. Und ich fand es gut, dass er gesagt hat, ich soll aufstehen. Ich bin den Schmerz rausgelaufen.“
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