Skurrile PK des Bayern-Trainers im Wortlaut

Schmeißt Nagelsmann etwa hin? „Mache mir meine Gedanken und entscheide dann, wie es weitergeht“

Der FC Bayern hat beim FC Augsburg seine erste Niederlage erlitten. Julian Nagelsmann war im Anschluss stinksauer und ungewöhnlich wortkarg. Die Pressekonferenz im Wortlaut.

Augsburg - Das Wetter in Augsburg nach der Partie des FC Bayern beim FCA passte so gar nicht zur Stimmung, die nach einer denkwürdigen Medienrunde herrschte. Zuvor hingen über der WWK-Arena 90 Minuten lang grauen Wolken, die sich kurz vor Spielende entluden.

Als man dann die Katakomben des Augsburger Stadions verließ und zuvor den Worten von Bayern-Trainer Julian Nagelsmann lauschte, hatte man eigentlich mit einem andauernden Unwetter und tristem Regen gerechnet. Stattdessen schien auf einmal die Sonne. Damit wurde der Skurrilität der Nagelsmann-PK am Ende noch einmal mehr die Krone aufgesetzt.

Der 34-Jährige stapfte schon auffällig sauer durch die Mixed Zone und gab sich im Anschluss bei der Pressekonferenz ungewohnt wortkarg und übel gelaunt. Dass Nagelsmanns Laune nach der 0:1-Niederlage beim FCA nicht rosig sein wird, war auch jedem klar. Eine solche Stimmung war und ist man vom FCB-Coach aber eigentlich nicht gewohnt. Am Ende klang es - ob gewollt oder ungewollt - fast schon so, als würde Nagelsmann alles infrage stellen. Also auch seine Zukunft als Trainer des FC Bayern?

Pressekonferenz mit Julian Nagelsmann nach dem Spiel beim FC Augsburg im Wortlaut

Herr Nagelsmann, Ihre Einschätzung zum Spiel:

„Glückwunsch Enrico zu dem Sieg gegen uns. Ich fasse mich kurz. Wenn ich die Statistik sehe, dann müssen wir das Spiel gewinnen. Wenn wir Situationen zu Ende verteidigen, so wie die Standardsituation bis zum Schluss. Dann gab es in der zweiten Hälfte wenig Gefahr, Tore zu kriegen. Der Druck wurde größer, nach dem 0:1 war es extrem schwer. Wir haben sehr viel Situationen einfach so aus dem Stadion fließen lassen, mit simplen Mitteln hätten wir den Raum hinter der Kette bespielen können. Wir haben sehr viele Überzahlsituationen im letzten Drittel hergeschenkt und sehr Laissez-faire gespielt. Aus einem Standard aus 70 Metern das Tor bekommen. Glückwunsch, viel Erfolg euch. Das war‘s von mir. Danke.“

Julian Nagelsmann war nach der Blamage beim FCA sichtbar angefressen.

Waren sie überrascht, wie der FCA aufgetreten ist?

„Ich war nicht überrascht. Es gibt ja immer einen Unterschied, was ich Euch erzähle und was ich meiner Mannschaft erzähle. Ich habe sie gegen Leverkusen gesehen, hab auch Bremen gesehen. Auch in verschiedenen Ordnungen, daher wusste ich schon, was der Gegner vorhat.“

Sadio Mané agierte abermals nicht glücklich. Dabei wollten Sie ihm doch helfen, mit seiner Nominierung auf links zur alten Stärke zu finden?

„Zu einzelnen Spielern sage ich jetzt nix. Das machen wir in der Kabine.“

Nagelsmann-PK nach Augsburg-Blamage: „Bedeutet nix Gutes“

Was bedeutet die drei Punkte aus den letzten vier Spielen in der Bundesliga jetzt für den FC Bayern?

„Nix Gutes.“

Präziser?

„Nix Gutes! Was soll ich sagen? Wir müssen vier Eins-gegen-Eins-Situationen gegen den Torwart nutzen, um Spiel zu gewinnen. So einfach ist das. Wenn der Gegner so hoch presst, musst du den Raum hinter der Kette bespielen. Das ist recht simpel. Wenn wir das nicht machen und Situationen nicht zu Ende spielen, dann ja. Ich mache mir meine Gedanken, wie es weiter geht.“

Fehlt da nicht doch ein richtiger Stürmer im Angriff?

„Was macht ihr jetzt, wenn ich sage: Ja!? Und was macht ihr, wenn ich jetzt sage: Nein!? Wir haben die klassische Neun mit Choupo auf der Bank und später eingewechselt, eine andere klassische Neun haben wir nicht. Ist doch jetzt egal, was ich antworte. Wenn ich jetzt sage: Nein, sagt Ihr, ‚Oh, er erkennt das Problem nicht.‘ Wenn ich sage: ‚Ja‘, dann schreiben alle: ‚Oh ja, er vermisst Lewandowski.‘ Ist doch Wurscht, was ich antworte.“

Millionenfresser und Bankwärmer: Die größten Flop-Transfers des FC Bayern München

Breno, von Januar 2008 bis 2012 beim FC Bayern, 12 Millionen Euro Ablöse, 33 Spiele für den FC Bayern. 
Im Winter 2008 kam der hochtalentierte Innenverteidiger für eine beachtliche Ablösesumme vom FC São Paulo nach München. Schwere Knieverletzungen warfen den Brasilianer immer wieder zurück. Nachdem er unter Alkohol- und Medikamenteneinfluss 2011 sein Haus in Grünwald in Brand setzte, wurde er zu 3 Jahren und 9 Monaten Haft verurteilt. Nach seiner frühzeitigen Haftentlassung kehrte Breno zu seinen Jugendverein São Paulo zurück.
Edson Braafheid, von 2009 bis Januar 2011 beim FC Bayern, 2 Millionen Euro Ablöse, 19 Spiele für den FC Bayern.
Als Wunschtransfer von Louis van Gaal an die Säbener Straße gekommen, fand sich der Niederländer meistens auf der Bank wieder. Wurde 2010 für ein halbes Jahr an Celtic Glasgow verliehen und verließ Anfang 2011 München ablösefrei in Richtung Hoffenheim.
Danijel Pranjić, von 2009 bis 2012 beim FC Bayern, 7,7 Millionen Euro Ablöse, 85 Spiele für den FC Bayern. 
Für eine satte Ablöse wechselte der Kroate vom SC Heerenveen an die Säbener Straße. Genauso wie Braafheid ein Wunschtransfer von Louis van Gaal. Kam Pranjić unter dem Niederländer noch regelmäßig zum Einsatz, änderte sich dies in der Saison 2011/12 unter Jupp Heynckes. Der Vertrag wurde nicht verlängert und der Außenverteidiger verließ ablösefrei den Verein zu Sporting Lissabon. Ein sattes Minusgeschäft für den FC Bayern.
Landon Donovan, von Januar bis März 2009 beim FC Bayern, ausgeliehen, 7 Einsätze (kein Tor) für den FC Bayern.
Ausgeliehen von LA Galaxy während der Klinsmann-Ära, konnte der US-Boy auch im zweiten Anlauf in Deutschland nicht durchstarten (zuvor bei Bayer Leverkusen). Die Verantwortlichen in München waren froh, dass sie keiner festen Verpflichtung zugestimmt hatten und so trennten sich die Wege schnell wieder. In den folgenden Jahren wurde Donovan von Los Angeles zweimal zum FC Everton ausgeliehen. Auch hier blieb es bei Kurzbeschäftigungen.
Millionenfresser und Bankwärmer: Die größten Flop-Transfers des FC Bayern München

Schmeißt Nagelsmann hin? „Mache mir meine Gedanken und entscheide dann, wie es weitergeht“

Muss man im Winter möglicherweise reagieren und nachbessern?

„Wie gesagt, ich mache mir meine Gedanken und dann entscheide ich, wie es weitergeht.“

Über was genau müssen Sie sich Gedanken machen?

„Ich denke über alles nach. Über mich, über Situationen. Über alles.“ (smk)

Aus der WWK-Arena berichtet Florian Schimak

Rubriklistenbild: © IMAGO / Jan Huebner

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