Michels Meinung

Saudi-Arabien hilft aus: Die Doppelmoral deutscher Fußball-Klubs blüht auf

Saudi-Arabiens Sportwashing stößt in Fußball-Deutschland auf Ablehnung. Sobald jedoch Geld im Spiel ist, weicht die moralische Haltung. Michels Meinung.

München – Fußball-Deutschland steckt sportlich in der Krise. Moralisch aber hat Fußball-Deutschland einen hohen Anspruch. Besonders im Fadenkreuz steht derzeit Saudi-Arabien. Mit dem WM-Gastgeberland 2034, das Sportwashing betreibt und die Menschenrechte missachtet, will keiner in Fußball-Deutschland etwas zu tun haben: kein Fan, Spieler und Funktionär.

Kingsley Coman (l.) und Nick Woltemade (r.) werden mit Geld aus Saudi-Arabien bezahlt.

„Gut so“, dürften nun alle rufen – und Uli Hoeneß stellte sich am Sonntag quasi an die Spitze der Anti-Saudi-Bewegung mit seinem Auftritt im Doppelpass von Sport1. Der Ehrenpräsident des FC Bayern bat eindringlich darum, kein Geld aus Saudi-Arabien anzunehmen. Nun aber der schwere Übergang zur Realität: Wenn deutsche Klubs Hilfe brauchen, sind die gebrandmarkten Saudis zur Stelle – und kein Fan, Spieler und Funktionär beschwert sich. Ein paar Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit:

Al-Nassr zahlte über 50 Millionen Euro an den FC Bayern

Sadio Mané, einer der größten Flops in der Bundesliga-Geschichte des FC Bayern, musste 2023 schnell verkauft werden. Aber wohin? Zum Abnehmer wurde Al-Nassr. 30 Millionen Euro Ablöse zahlte der Top-Klub aus Saudi-Arabien, der auch Cristiano Ronaldo unter Vertrag stehen hat. In Europa hätte kein Verein mehr Geld für Mané hingeblättert. Die Münchner nahmen das Angebot an, nicht mal die Fans aus der Südkurve protestierten.

Auch zuletzt bekam der FC Bayern viele seiner teuren und oftmals verletzten Stars nicht los. Saudi-Arabien sprang wieder ein. Erneut war Al-Nassr zur Stelle und überwies für Flügelstürmer Kingsley Coman 25 Millionen Euro nach München. Aber nicht nur die Bayern nehmen Geld aus Saudi-Arabien, anders als es Hoeneß vermittelt, ohne Bedenken an.

Matthäus nur der Letzte: Fehden von Uli Hoeneß haben beim FC Bayern lange Tradition

Uli Hoeneß leitet seit Jahrzehnten die Geschicke des FC Bayern München. In dieser Zeit hat der Bayern-Patron schon häufig mit seinen Äußerungen für Ärger gesorgt.
Jüngstes Beispiel ist die Fehde mit TV-Experte und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Die Wurzeln des Streits liegen im Bayern-Transferpoker um Nick Woltemade.
Matthäus hatte dem ehemaligen VfB-Stürmer einen Marktwert von 80 bis 100 Millionen Euro attestiert. Hoeneß reagierte daraufhin mit der Beleidigung, Matthäus habe „nicht alle Tassen im Schrank“. Kurze Zeit später legte er nach: „Wir haben uns wenig zu sagen, weil ich festgestellt habe, dass er noch keine neue Tasse gefunden hat“.
Das konnte Matthäus wiederum nicht auf sich sitzen lassen. In seiner Sky-Kolumne erwiderte er:  „Das meiste von dem, was Uli gesagt hat, habe ich als peinlich empfunden.“
Matthäus nur der Letzte: Fehden von Uli Hoeneß haben beim FC Bayern lange Tradition

Dem Gladbacher Manager Roland Virkus wird vorgeworfen, dass er nahezu keine Transfereinnahmen generiert. Nur nebenbei sei erwähnt, dass ihm sein Vorgänger, ein gewisser Max Eberl, einen Scherbenhaufen hinterlassen hat. Und wer hilft nun? In seiner Not hat Virkus nun auch einen Deal mit einem Klub aus Saudi-Arabien abgeschlossen.

Der aussortierte Julian Weigl brachte Borussia Mönchengladbach mit seinem Wechsel zu Al-Qadsiah noch stattliche acht Millionen Euro ein – und der Mittelfeldakteur selbst konnte zum Transfer kaum nein sagen, schließlich soll sein Jahresgehalt sieben Millionen Euro netto betragen. Eine Win-win-win-Situation!

VfB Stuttgart profitiert enorm

Dabei ist noch gar nicht der Fall des VfB Stuttgart angeführt. Der DFB-Pokalsieger verkaufte Enzo Millot für 30 Millionen Euro an den saudischen Klub Al-Ahli. Und die ganz dicke Nummer folgte ja noch: Nick Woltemade wollte zum FC Bayern, doch ein Angebot von 55 Millionen Euro lehnte der VfB Stuttgart ab. Die Schwaben verlangten 75 Millionen Euro für den Angreifer, weshalb die Verhandlungen scheiterten.

Hatten sich die Schwaben derbe verzockt? Nein, denn es kam Newcastle United ins Spiel und legte tatsächlich 85 Millionen Euro hin (plus fünf Millionen Euro an Boni). Newcastle United spielt zwar in der Premier League, aber der englische Traditionsklub wird von einem Staatsfonds aus Saudi-Arabien gelenkt. So haben die Schwaben diesen Sommer insgesamt 120 Millionen Euro aus den zahlreichen Kassen der Scheichs erhalten.

Auch Borussia Dortmund nimmt via Klub-WM Geld aus Saudi-Arabien an

Und dann wäre da noch die FIFA Klub-WM. Sie brachte in diesem Sommer den Teilnehmern aus Deutschland viel Geld ein. Der FC Bayern und Borussia Dortmund sollen jeweils rund 50 Millionen Euro erhalten haben. Das Turnier wurde zum Großteil erneut von einem Fonds aus Saudi-Arabien finanziert, auch wenn dies auf indirekte Weise geschah.

Michels Meinung lautet deshalb: Saudi-Arabien hilft jetzt schon Klubs wie Bayern, Stuttgart, Dortmund und Gladbach aus der Klemme. Die Proteste bleiben sogar in den Fan-Lagern aus, denn vor allem die Transferdeals sind einfach zu verlockend und gut. Spieler, die weg wollen oder müssen, werden über Tarif abgegeben – und der Bundesliga-Verein kann neu auf dem Transfermarkt investieren.

Deshalb sollte man sich im Namen von Fußball-Deutschland eher bei Saudi-Arabien bedanken. Keine Frage: Die Moral bleibt natürlich auf der Strecke und die Heuchelei gewinnt an Konjunktur – selbst eine Legende wie Uli Hoeneß und oder die moralisch eigentlich gefestigten Fan-Kurven sind davor offenbar nicht geschützt.

Rubriklistenbild: © Imago / Kirchner-Media / Collage: Canva

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