Resiliente Gladbach-Coaches sind selten
Seoane kann bei Gladbach einen überraschenden Meilenstein erreichen
Bei Borussia Mönchengladbach hatte Gerardo Seoane keinen einfachen Start. Trotzdem hat der Coach die Chance, einen seltenen Meilenstein zu feiern.
Mönchengladbach – Es gab nicht wenige Fans, die sich im Sommer 2024 einen vollständigen Neustart bei Borussia Mönchengladbach mit einem abermals neuen Trainer gewünscht haben.
Gladbach war Schleudersitz der Bundesliga
Gerardo Seoane stand nach dem 14. Tabellenplatz in der Kritik, nach den gescheiterten Vorgängern Adi Hütter (2021 - 2022) und Daniel Farke (2022 - 2023) drohte der dritte Trainer nach nur einem Jahr seinen Hut nehmen zu müssen.
Die Verantwortlichen um Sport-Geschäftsführer Roland Virkus aber hielten an Seoane fest, sprachen ihm das Vertrauen aus und errichteten mit Veränderungen im Staff - Sportdirektor Nils Schmadtke verabschiedete sich nach einem Jahr und wurde durch Sportkoordinator David Zibung ersetzt, der Seoane aus gemeinsamen Tagen beim FC Luzern kennt - eine Art Wagenburg um den Schweizer.
Nach sportlichen Rückschlägen im Oktober stand Seoane erneut im Zentrum der Kritik, außerhalb stiegen die Zweifel an einer fruchtbaren Zusammenarbeit bei Borussia erneut an. Mittlerweile aber sind der Coach und seine Mannschaft auf Europakurs, belegen den siebten Tabellenplatz und dürfen leise davon träumen, im Mai eine Überraschung zu feiern.
Seoane steht in Gladbach vor einem Meilenstein
Längst ist klar, dass der Schweizer auch in der Saison 2025/26 an der Seitenlinie stehen wird. In diesem Kontext hatte Absolut Fußball, das Fußball-Portal von Home of Sports, die Frage aufgeworfen, ob es nicht bald Zeit für Gespräche über eine Vertragsverlängerung mit Seoane wird.
Doch der Coach hat bereits in der kommenden Saison die Chance, deinen seltenen Meilenstein zu feiern. Wie bei manch anderem Traditionsverein üblich, ist es auch Gladbach selten gelungen, Konstanz auf dem Trainerposten zu schaffen. So ist Seoane zwar der sechste Coach seit dem Abschied von Lucien Favre im September 2015, doch der Erfolgstrainer der 2010er-Jahre war eine absolute Ausnahmeerscheinung.
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Zum einen ist Favre gemessen an seiner Amtszeit von 1679 Tagen der vierterfolgreichste Borussia-Coach in der Vereinshistorie. Nur Bernd Krauss (1991 - 1996, 1858 Tage), Jupp Heynckes (1979 - 1987, 2921 Tage) und Hennes Weisweiler (1964 - 1975, 4081 Tage) liegen vor dem kauzigen Trainer, den Gladbach 2022 zu einer zweiten Amtszeit bewegen wollte.
Zum anderen ist Favre nur einer von zwei Übungsleitern, die seit dem Abstieg 1999 drei Jahre im Amt überlebt haben. Der Zweite im Bunde ist Hans Meyer, der im September 1999 auf die Trainerbank rückte und im März 2003 seinen Hut nahm.
Seoane bald auf einer Stufe mit Favre?
Dieter Hecking (Dezember 2016 - Juni 2019) hätte der illustren Runde beinahe angehört, wurde im April 2019 aber von Max Eberl überrumpelt, als dieser ihm mitteilte, im Juli werde Marco Rose übernehmen. Der heutige Coach des VfL Bochum hielt diese Nachricht zunächst für einen Aprilscherz, doch sie bedeutete das Ende seiner Zeit in Gladbach nach etwa zweieinhalb Jahren.
Mit Rose begann gewissermaßen die Trainer-Odyssee bei Borussia. Nach zwei Jahren erfolgte der Wechsel zu Borussia Dortmund, Hütter und Farke scheiterten in seinen Fußstapfen.
Mit Seoane wiederum ist die Hoffnung verbunden, Kontinuität zu schaffen. Der 46-Jährige verzeichnet schon jetzt die fünftlängste Amtszeit aller Gladbacher Trainer seit 1999 und wird Rose im Sommer überholen. Verläuft die kommende Saison nach Plan, wird er Hecking am 14. Dezember 2025 im Ranking ablösen.
Erfüllt Seoane seinen Vertrag, kann er mit Fug und Recht behaupten, große Spuren in Gladbach hinterlassen zu haben. Das ist erst recht der Fall, wenn er Borussia wieder in der oberen Tabellenhälfte etablieren sollte.
Ob der Schweizer sowohl Meyer als auch Landsmann Favre in die Tasche stecken kann, bleibt jedoch abzuwarten – denn auf den Klub wartet ein anspruchsvoller Sommer, der Aufschluss über die Zukunft geben wird.
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