Trainer bereits zurückgetreten
Südkoreas Präsident droht nach WM-Aus mit politischen Konsequenzen
Nach dem Vorrundenaus bei der WM 2026 greift Südkoreas Staatspräsident Lee Jae-myung den Fußballverband frontal an. Der Rücktritt von Trainer Hong Myung-bo reicht ihm nicht.
Das frühe Scheitern Südkoreas bei der WM 2026 hat die politische Bühne erreicht. Staatspräsident des Landes Lee Jae-myung meldete sich mit einem langen Statement auf X zu Wort und machte unmissverständlich klar: Ein Rücktritt des Trainers allein reicht ihm nicht. Der Verband selbst stehe in der Pflicht.
„Angesichts dieses unerwarteten Ergebnisses bin ich nicht nur verblüfft, sondern empfinde es geradezu als absurd“, schreibt der Präsident. Das Scheitern führt er auf Versäumnisse in der Organisation und im Personalwesen zurück. Damit zielt Lee direkt auf die Entscheidung, Hong Myung-bo trotz seines Scheiterns bei der WM 2014 erneut als Nationaltrainer einzusetzen.
Südkoreas WM-Debakel wird zur Staatsaffäre
Für Lee endet die Aufarbeitung nicht beim Trainer. Da für die WM-Teilnahme erhebliche Steuergelder geflossen sind, weist er das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus an, die genauen Ursachen des Scheiterns zu untersuchen und konkrete Maßnahmen zu erarbeiten, die eine Wiederholung verhindern.
Südkorea hatte bei der WM 2026 eine lösbare Gruppe erwischt. Mit Mexiko, Südafrika und Tschechien war das Weiterkommen durchaus realistisch. Doch nach dem Auftaktsieg gegen Tschechien folgten zwei Niederlagen in Serie. Als Drittplatzierter belegte Südkorea unter allen Gruppen nur den zehnten Rang – die besten acht Drittplatzierten zogen ins WM-Sechzehntelfinale weiter. Hong Myung-bo erklärte daraufhin seinen Rücktritt.
Von Papst-Kostüm bis Pyrotechnik: Die besten Fan-Bilder von der WM 2026




Auch aus dem Lager der Fußballöffentlichkeit kommen deutliche Worte. Der frühere Nationalspieler und WM-Kapitän von 2002, Park Ji-sung, sagte im TV: „Vielleicht haben wir das schon seit Jahren erwartet. Es ist bedauerlich, dass wir an diesem Punkt angelangt sind, an dem wir zurückblicken und uns fragen müssen, warum wir hier gelandet sind.“
Was der Fall Hong nun ausgelöst hat, geht weit über eine sportliche Niederlage hinaus. In Südkorea ist eine Debatte über Strukturen und Verantwortlichkeiten im heimischen Fußballverband entbrannt. Dass diesmal das Staatsoberhaupt persönlich Konsequenzen einfordert, verleiht dem Druck eine völlig neue Qualität.
Rubriklistenbild: © dpa/Moises Castillo
