Nüchterne Bilanz
Trotz Leverkusen-Double: Hat sich Hofmann verwechselt?
Bei Bayer Leverkusen hat sich Jonas Hofmann den Traum von einem Titel erfüllt. Dennoch ist die Gesamtbilanz weniger erfreulich.
Leverkusen/Mönchengladbach – Es war erst ein Schock, dann ein Reizthema. Im Juli 2023 gab Borussia Mönchengladbach bekannt, Jonas Hofmann an Bayer Leverkusen verloren zu haben.
Blitz-Transfer von der Fohlen- zur Werkself
Der Rechtsaußen machte von einer Ausstiegsklausel in Höhe von zehn Millionen Euro Gebrauch, wechselte vom Borussia-Park in die gut 75 Kilometer entfernte BayArena. Ein kleiner Schritt aus geografischer Sicht, doch ein großer Schritt für Hofmanns Karriere. Zumindest auf den ersten Blick.
In Gladbach reifte der mittlerweile 32-Jährige zum deutschen Nationalspieler, am 7. Oktober 2020 feierte Hofmann in Köln bei einem Länderspiel gegen die Türkei sein Debüt unter Joachim Löw. Etwas mehr als drei Jahre später sollte er ein letztes Mal auf dem Platz stehen, Julian Nagelsmann gewährte ihm am 18. Oktober 2023 insgesamt 25 Einsatzminuten gegen Mexiko.
Dass der Bundestrainer seit November 2023 – Hofmann war nominiert worden, blieb jedoch auf der Bank – auf den Leverkusener verzichtet, hat seine Gründe. Der 23-fache Nationalspieler gewann mit Bayer 04 in der Saison 2023/24 das Double und hatte einen großen Anteil am erfolgreichen Saisonstart, seine Formkurve flachte danach jedoch ab.
Hofmann erlebte fulminanten Leverkusen-Auftakt
In den ersten zwölf Bundesligaspielen unterm Bayer-Kreuz erzielte Hofmann fünf Tore und lieferte sieben Vorlagen. Es erschien allen Betrachtern offensichtlich, weshalb Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes angesichts der Ausstiegsklausel hellhörig geworden war – und Hofmann, der wie Alejandro Grimaldo, Victor Boniface, Granit Xhaka, Nathan Tella oder Josip Stanišić dem ambitionierten Projekt um Cheftrainer Xabi Alonso verfiel, rechtfertigte das Vertrauen.
Bis Ende Januar 2024 hatte der vorherige Gladbacher Leistungsträger einen Stammplatz sicher, ab Februar aber fand er sich häufiger auf der Bank wieder und spielte seltener über 90 Minuten durch.
In der Europa League spielte Hofmann in der Gruppenphase noch aus Gründen der Belastungssteuerung eine untergeordnete Rolle, in der K.-o.-Runde erhielt überwiegend die Konkurrenz den Vorzug. Bezeichnend: Im Finale gegen Atalanta Bergamo blieb nur der Platz auf der Bank. Im DFB-Pokal standen im Halbfinale und Finale kumuliert 70 von 180 Einsatzminuten zu Buche, auch dieser Wert dürfte Hofmanns Ambitionen kaum gerecht werden.
Hofmann in der Joker-Rolle gefangen
Noch dürftiger ist die Bilanz in der laufenden Saison. Hofmann, der von Ende November bis Ende Dezember mit einer Oberschenkelverletzung ausgefallen war, absolvierte in der Bundesliga erst fünf Spiele über 234 Minuten und erlebte beim 3:1 gegen die Ex aus Mönchengladbach am 18. Januar seinen bislang einzigen Liga-Einsatz im Kalenderjahr 2025.
Wettbewerbsübergreifend durfte sich Hofmann erst in elf Pflichtspielen und über 533 Minuten beweisen. „Er braucht Spielzeit“, sagte Alonso auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg (Samstag, 15.30 Uhr). In Reichweite wirkt diese aber kaum, wenn der Spanier ergänzt: „Er hat Erfahrung, er hatte eine Verletzung im Dezember. Natürlich will er immer spielen, aber er ist bereit dafür, wenn wir ihn brauchen.“
Die Krux des Wechsels nach Leverkusen
Aufgrund der sukzessive abgenommenen Spielweise kann die – durchaus provokant formulierte – Frage in den Raum geworfen werden, ob sich Hofmann trotz der Erfolge in seiner Debütsaison verwechselt hat. Bekleidete er anfangs noch mit Jeremie Frimpong die rechte Angriffsseite, so erhielt Nathan Tella im Lauf der Zeit den Vorzug. Im Januar setzte ihm Leverkusen mit Emiliano Buendía, der von Aston Villa ausgeliehen worden ist, einen weiteren Konkurrenten vor die Nase.
In Gladbach hätte Hofmann weder die Meisterschaft noch den DFB-Pokal gewonnen, auch auf weitere Einsätze in der Europa League und Champions League musste und muss die Fohlen-Elf verzichten. Vor seinem Wechsel nach Leverkusen spielte Hofmann mit Gladbach letztmals 2020/21 international, als im Achtelfinale der Königsklasse gegen Manchester City Schluss war. Das dürftige Abschneiden in den Spielzeiten 2021/22 und 2022/23 (jeweils Tabellenplatz 10 in der Bundesliga) führten zur Trennung, aus Spielersicht war dieser Schritt mehr als nachvollziehbar.
Bei einem Verbleib wäre Hofmann allerdings ein Fixpunkt der Borussia gewesen, Sport-Geschäftsführer Roland Virkus hätte sich darum bemüht, eine Mannschaft um ihn herum aufzubauen. Ähnlich wie Alassane Pléa hätte sich Hofmann den Status der Vereinsikone erarbeiten können, die auch in schweren Zeiten zum VfL hält.
Fußballromantik ist am Ende aber wenig wert, wenn man die Gier nach Pokalen hat und ein Verein vorstellig wird, der einem genau diese Perspektive in Aussicht stellt. Die historische Bundesliga-Saison 2023/24 wird Hofmann niemand nehmen können, auch nicht den DFB-Pokal-Triumph. Und doch ist davon auszugehen, dass er sich mehr erhofft hat, als dauerhaft ins zweite Glied zu rücken.
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