Große Herausforderung
Ten Hags große Chance: Alonso-Erbe will United-Fiasko vergessen machen
Als neuer Cheftrainer von Bayer Leverkusen steht der Niederländer Erik ten Hag im doppelten Sinne vor einer großen Aufgabe.
Leverkusen – Am Ende ging es schnell bei Bayer Leverkusen. Die Herausforderung, einen Nachfolger für Erfolgstrainer Xabi Alonso zu finden, hat Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes bewältigt.
Die Werkself geht mit Erik ten Hag in die Zukunft. Der 55-jährige Niederländer hat einen Vertrag bis 2027 unterzeichnet und nimmt in seiner Karriere einen neuen Anlauf.
Bayern-Fans wollten ten Hag nach Erfolgsära bei Ajax
Dabei war der frühere Innenverteidiger bereits auf einem absoluten Höhepunkt. Von Dezember 2017 bis Juni 2022 trainierte Ten Hag Ajax Amsterdam und führte den Spitzenverein aus den Niederlanden 2019 ins Champions-League-Halbfinale.
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Talente wie Frenkie de Jong, Matthijs de Ligt oder Donny van de Beek entwickelten sich unter seiner Ägide zu Stars. Auch André Onana, Davinson Sánchez, Nicolás Tagliafico, Hakim Ziyech, Kasper Dolberg und Noussair Mazraoui machten unter Ten Hag auf sich aufmerksam. Und dann war da noch Sébastien Haller, der in 66 Pflichtspielen für Ajax 47 Tore erzielte.
In jener Zeit ärgerte Ajax den FC Bayern in der Champions-League-Gruppenphase 2018/19 (1:1, 3:3), warf obendrein im Achtelfinale Real Madrid raus, nachdem die Königlichen „ihren“ Wettbewerb dreimal in Folge gewonnen hatten.
Kein Wunder, dass zahlreiche Bayern-Fans in den sozialen Netzwerken gehofft hatten, Ten Hag würde Ende 2019 auf Niko Kovač folgen. Der Niederländer trainierte von 2013 bis 2015 die FC Bayern Amateure, lernte in dieser Zeit von Pep Guardiola. Besser geht es doch kaum.
Bei Manchester United hat ten Hags Image gelitten
Heute klingen die Stimmen dagegen kritischer, wenn über Ten Hag gesprochen wird. Von Juli 2022 bis Oktober 2024 versuchte er sich am Umbruch bei Manchester United, gewann auf diesem Weg den Ligapokal (2022/23) und den FA Cup (2023/24).
In seiner Amtszeit verbuchten die Red Devils allerdings ein Defizit von über 515 Millionen Euro auf dem Transfermarkt, zahlten horrende Ablösesummen für Antony (95 Millionen Euro), Rasmus Højlund (77,8 Millionen Euro) oder Casemiro (70,65 Millionen Euro). Der Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Ertrag, allen voran Platz acht in der Premier-League-Saison 2023/24 mit 60 Punkten – den wenigsten seit 1990/91 – war zu wenig.
Macht das den Niederländer automatisch zu einem schlechten Trainer? Da United seit dem Abschied von Sir Alex Ferguson 2013 ein extrem hartes Pflaster ist und Nachfolger Ruben Amorim mit 42 Punkten nur Platz 15 einfuhr, kann diese Frage verneint werden.
„Er hat bei Manchester United, auch wenn es nicht die erfolgreichste Zeit war, insgesamt zwei Trophäen gewonnen. Was auch jetzt, wenn man die Entwicklung von United sieht, noch beachtlicher war“, sagt Matthias Strohmaier im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports. Der 31-Jährige war zwischen 2014 und 2016 bei den Bayern-Amateuren, lernte in dieser Zeit von Ten Hag und Guardiola.
Große Fußstapfen von Xabi Alonso
Doch in Leverkusen steht Ten Hag vor keiner leichten Aufgabe. Unter Xabi Alonso hat die Werkself einen riesigen Schritt gemacht, einerseits den Kader enorm aufgerüstet und andererseits 2023/24 ungeschlagen das Double gewonnen.
Die Erzählung, Xabi Alonso habe Leverkusen vom Abstiegsplatz zur Meisterschaft geführt, ist insofern irreführend, als dass Vorgänger Gerardo Seoane im Vorjahr immerhin noch Platz drei erreicht hatte.
Der heutige Trainer von Borussia Mönchengladbach hatte weder Granit Xhaka noch Alejandro Grimaldo oder Victor Boniface zur Verfügung, musste außerdem von März bis Oktober 2022 auf den am Kreuzband verletzten Florian Wirtz verzichten, aber arbeitete wahrlich mit keiner Rumpftruppe.
Ergeben Ten Hag und Leverkusen das „Perfect Match“?
Es drängt sich die Frage auf, ob Ten Hag die gestiegenen Erwartungshaltungen im Rheinland erfüllen und mit dem FC Bayern konkurrieren kann. Unter ähnlichen Voraussetzungen übernahm Peter Bosz 2017 den Trainerposten bei Borussia Dortmund.
Auch Bosz machte zuvor bei Ajax auf sich aufmerksam, vor seiner Ankunft gewann Dortmund unter Thomas Tuchel den DFB-Pokal. Nach einem Traumstart mit 19 Punkten aus den ersten sieben Bundesligaspielen stürzte der Bosz-BVB krachend ab, gab am 13. Spieltag sogar eine 4:0-Führung gegen Schalke 04 aus der Hand. Nach nur 24 Pflichtspielen zogen die Klub-Bosse am 9. Dezember 2017 die Reißleine.
Die Königsklasse ist spätestens nach der Alonso-Ära Pflicht in Leverkusen, außerdem ist der Hunger nach weiteren nationalen Titeln groß. Ten Hag hat mit neun Pokalen den Nachweis geliefert, solche Ziele erfüllen zu können.
„Ich glaube, auch wenn die Fußstapfen enorm groß sind nach Xabi Alonso, dass das ein ‚Perfect Match‘ sein kann“, blickt Strohmaier zuversichtlich auf die kommende Saison und betont: „Er ist ein total detailbesessener Trainer, der für dominanten Fußball steht, für sehr aktiven Ballbesitzfußball mit variablen Positionswechseln.“ Hat Bayer 04 also den passenden Trainer gefunden? Das werden die kommenden Monate zeigen.
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