Nach 67 Gegentreffern
Ende der Gegentor-Flut? Das stimmt Gladbach optimistisch
Die Defensive von Borussia Mönchengladbach war ein großes Gesprächsthema. Fohlen-Boss Roland Virkus ist optimistisch, die Flut stoppen zu können.
Rottach-Egern/Mönchengladbach – Satte 67 Gegentore kassierte Borussia Mönchengladbach in der Saison 2023/24. So schwach hatte die Defensive des Bundesligisten seit der Saison 2010/11 (65 Gegentore) nicht mehr abgeschnitten, überhaupt kassierte Borussia nur 1965/66 (68) und in der Abstiegssaison 1998/99 (79) mehr Gegentreffer in einer Bundesliga-Spielzeit.
Seoane wagte viele Experimente
Gerardo Seoane, der schon bei seinen Ex-Vereinen für Spektakel stand, hatte im Laufe der vergangenen Monate viel unternommen, wagte sowohl mutige Ansätze als auch einen tiefen Block, der insbesondere im letzten Saisondrittel das Mittel der Wahl war. Löchrig blieb die Gladbacher Abwehr trotzdem, weil Passivität ein steter Begleiter auf dem Rasen war.
Virkus: „Kader selbst dann gut, wenn wir nichts tun“
Das Verbarrikadieren des Strafraums ist ein gängiger Reflex, um die Gegentor-Flut zu stoppen. Damit beraubt sich eine Fußballmannschaft allerdings ihrer Stärken in der Offensive, weil die Wege zum Tor immer weiter werden. Das Ziel von Seoane lautet vielmehr, mutig und mit Intensität aufzutreten, höher zu verteidigen, um den Ball weiter vorne zu gewinnen und kürzere Wege zum Tor zu haben. Dafür ist Tim Kleindienst verpflichtet worden, der der Gladbacher Offensive das Pressing beibringen soll.
Kleindienst sorgt ebenso wie Kevin Stöger und Philipp Sander für einen Anstieg der Intensität. Rein über Neuzugänge wird Gladbach dieses Problem aber nicht versuchen zu lösen, wie Roland Virkus in einer Medienrunde, an der fussball.news teilnahm, erläuterte. „Ich bin fest überzeugt, dass der Kader selbst dann gut ist, wenn wir nichts tun. Dann musst du an der Struktur feilen“, stellte der Sport-Geschäftsführer klar.
Gladbach soll künftig weiter vorne verteidigen
Von drei aufgezeigten Pfaden wählt Gladbach den Mittelweg, über Personal und Struktur soll die Abwehr stabilisiert werden. Diesbezüglich stehen die Angreifer und Mittelfeldspieler ebenso in der Pflicht wie die Verteidiger. „Wenn davor besser gearbeitet wird, fallen vielleicht nicht so viele Tore. Verteidigen fängt vorne an, das zieht sich dann weiter“, führte Virkus seine Erläutertung aus: „Man sagt oft, 67 Gegentore, das sind nur die Abwehrspieler. Sie sind beteiligt, aber es ist nicht nur der Abwehrverbund von uns, sondern auch die Struktur.“
Kleindienst erkannte im Test gegen Holstein Kiel (1:0) am Montag erste Fortschritte im Vergleich zur ersten Partie gegen Wegberg-Beeck am 20. Juli. Gleichzeitig befindet sich Borussia in einem Dilemma, weil möglichst viele Fortschritte innerhalb kurzer Zeit erfolgen sollen. „Es ist wichtig, dass man Routinen bekommt, dass man Abläufe bekommt. Die Vorbereitung ist kurz, deshalb ist es wichtig, in Testspielen zu sehen, wo es Probleme gibt, wer mit wem am besten zusammenpasst“, so Virkus.
Wer macht auf sich aufmerksam?
Gegen Kiel sammelten in der Endverteidigung Ko Itakura und Fabio Chiarodia, der noch vor dem Test ein Lob von Virkus erhielt, Pluspunkte und überzeugten mit ihrer Zweikampfstärke (Itakura) und Geschwindigkeit (Chiarodia). In vorderster Reihe wird Franck Honorat gefordert sein, sich der Intensität von Stöger und Kleindienst anzugleichen. Im Mittelfeld muss unter anderem Florian Neuhaus einen Zahn zulegen, um neben seiner Spielstärke einen weiteren Faktor vorzuweisen, der für einen Stammplatz spricht. Welches Personal sich durchsetzen wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen.
Rubriklistenbild: © IMAGO/Norbert Jansen / fohlenfoto
