Klare Ansage vom Sportdirektor

Alle Entscheidungen gefallen: DFB-Startelf für WM-Auftakt steht

Am Sonntag hat das Warten ein Ende. Die DFB-Auswahl startet in die Fußball-WM 2026. Mittlerweile hat sich die Startformation herauskristallisiert.

Wie immer: Der DFB hat die Sichtblenden aufgezogen rund um das Spry Stadium, niemand soll sehen, wie die Nationalmannschaft sich auf die WM, für sie beginnend am Sonntag gegen Curacao, (14. Juni, 19 Uhr – alle TV-Infos hier) vorbereitet. Die von der FIFA vorgeschriebene öffentliche Einheit nach Ankunft in Winston-Salem war kurz gewesen (eine Stunde, dann Autogramme), seitdem darf von den begleitenden Medien nur in der ersten Viertelstunde, beim Aufwärmen und im Athletikteil gefilmt und fotografiert werden.

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Man muss sich auf die Aussagen der Spieler verlassen. Von „geiler Intensität und guten Fights“ berichtete David Raum. Die Prognosen zum Abschneiden der deutschen Mannschaft gehen diesmal so weit auseinander wie noch nie. Wer sich mit dem Turniertableau beschäftigt, stößt auf die Option früherer K.-o.-Runden-Duelle mit Größen wie Brasilien und Frankreich oder beachtenswerten Außenseitern vom Schlage Norwegens.

DFB-Zielsetzung in WM-Gruppenphase: Erster werden

Für David Raum fühlt es sich an, „als ob niemand was von uns erwartet“. Das letzte Nicht-Vorrunden-Spiel der Deutschen bei einer WM war das Finale 2014. Bei den beiden Turnieren danach schied Deutschland in der Vorrunde aus. Dieses Szenario ist 2026 fast auszuschließen. Schon ein deutlicher Pflichtsieg gegen das klitzekleine Curacao würde wohl reichen, um einer der besseren Gruppendritten zu werden, falls man anschließend gegen Elfenbeinküste und Ecuador verlöre.

Die Zielsetzung aber ist Gruppenplatz eins – schon um dann in den relativ nahen Orten Boston (Sechzehntelfinale) und Philadelphia (Achtelfinale) zu spielen und Winston-Salem als Basis behalten zu können. Aus der Mannschaft sind Titelambitionen zu vernehmen, eine optimistische Sichtweise ist Pflicht.

Mittelfeld-Juwel nachnominiert: Unser DFB-Kader für die WM 2026 – alle Spieler im Portrait

Manuel Neuer (Tor, Bayern München): Er beendete nach der EM 2024 zunächst seine Nationalmannschaftskarriere – nun kehrt er spektakulär zurück und wird Nagelsmanns Nummer 1 bei der WM. Mit 40 Jahren wird es wohl letztes großes Turnier werden. Seine Rückkehr ist die größte Überraschung der gesamten Kaderplanung.
Oliver Baumann (Tor, TSG Hoffenheim): Baumann hatte sich in der WM-Qualifikation als neue Nummer Eins etabliert und war von Nagelsmann lange öffentlich als Stammtorhüter bezeichnet worden. Trotz dieser bitteren Situation bleibt Baumann im Kader und wird als Nummer Zwei eine wichtige Backup-Rolle einnehmen.
Alexander Nübel (Tor, VfB Stuttgart): Nübel fährt als dritter Torhüter zur WM. Der VfB-Keeper hat beim Stuttgarter Vizemeister eine solide Saison gespielt und gilt als langfristige Perspektive im DFB-Tor.
Jonas Urbig (Tor, Bayern München): Urbig hat sich in München als designierter Neuer-Nachfolger in Stellung gebracht – in dieser Saison stand er in 18 Partien im Tor des Rekordmeisters, darunter Champions-League-Einsätze, und überzeugte dabei durchgehend.
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Die Suche nach der Elf, die ins Turnier starten wird, ist abgeschlossen. Im Tor wird die Aura von Manuel Neuer stehen, das Abwehrzentrum bilden Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah, die am Donnerstag zur Pressekonferenz eingeteilt waren, was als gutes Zeichen für sie zu werten ist. Rechts verteidigt Joshua Kimmich, links Nathaniel Brown, darauf hat sich auch David Raum als bisheriger Platzhirsch auf dieser Position eingestellt: „Er macht das herausragend, Kompliment an ihn, ich habe zuletzt gestrugglet.“

Mittelfeld: Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha, wie zuletzt im Test gegen die USA (2:1), in der Offensive Leroy Sané, Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz – die Äußerungen von allen Seiten lassen darauf schließen, dass die Entscheidungen für die technisch vermögendsten Spieler gefallen sind.

DFB-Sportdirektor Völler mit klarer Ansage

Mit einem WM-Ball in der Hand auf seinem weit hochgereckten Arm sieht Julian Nagelsmann aus wie ein Abbild der Freiheitsstatue. Der Gesichtsausdruck des Bundestrainers mag auf dem Schnappschuss vom Trainingsplatz in Winston-Salem ein wenig kritisch wirken. Die Symbolkraft des Bildes ist kurz vor dem WM-Start der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gleichwohl eindeutig.

Mut, Hoffnung, Aufbruch zu Großtaten: Dafür steht die Freiheitsstatue. Und das sind Attribute, die auch Nagelsmann für seinen American Dream verkörpern will. Gegen die Zweifel, trotz dieser latenten Stimmung der Skepsis um das DFB-Team nach den WM-Desastern 2018 in Russland und 2022 in Katar, beides vor der Zeit von Nagelsmann. Jetzt ist er der Bundestrainer.

„Er trägt die Verantwortung“, formulierte es Lothar Matthäus wenige Tage vor dem Auftaktspiel am Sonntag (19 Uhr/ARD und MagentaTV) in Houston gegen Curaçao etwas spitz. Der Rekordnationalspieler kommentierte damit die überraschende Nachnominierung des 20 Jahre alten Assan Ouedraogo. Aber diese vier Worte hatten eine Bedeutung weit über diese Personalie hinaus. 

Nagelsmann hat die Ansprüche selbst formuliert. Aus der Enttäuschung heraus, spontan, im Sommer 2024 nach dem Aus bei der Heim-EM im Viertelfinale mit 1:2 nach Verlängerung gegen Spanien. „Dass man zwei Jahre warten muss, bis man Weltmeister wird, tut auch weh“, sagte der Bundestrainer in Stuttgart. Der Satz hallt nach – bis heute. Rudi Völler beschreibt sein offizielles WM-Ziel so, dass man „schwer zu schlagen“ sein will. Nagelsmann sagt: „Ich wäre sehr glücklich, wenn wir am Ende viele Stimmen hören der Fans und der Menschen im Land, die sagen, es hat Spaß gemacht, uns zuzuschauen.“

Das klang 2024 eben anders. Auf den EM-Bildern von damals sieht Nagelsmann viel jünger aus, auch energetischer. Diesmal ist der Druck greifbar. Trotz neun Siegen in Serie seit September, die doch eigentlich ein Hochgefühl vermitteln sollen. „Er ist auch angespannt, aber es ist eine positive Angespanntheit“, konstatierte Völler. Der DFB-Sportdirektor steht dem Bundestrainer, während der WM 1000 Tage im Amt, als väterlicher Ratgeber zur Seite. Und äußerte dennoch einen erstaunlichen, ziemlich entlarvenden Satz. „Er ist nicht mehr so unbedarft wie noch vor der Euro.“

Unbedarft. Das ist im Fußball eine knallharte Bezeichnung. Aber sie ist ehrlich. Und letztlich doch nicht schlimm. Denn Unbedarftheit kann auch positive Kräfte freisetzen. Nagelsmann, der jüngste Bundestrainer der deutschen WM-Geschichte, packt Dinge an.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Jan Woitas

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