„Nicht die Aufgabe des Trainers“

Weltmeister von 1990 kritisiert DFB-Coach Nagelsmann vor der WM-Quali

Ein Weltmeister äußert Bedenken über Julian Nagelsmanns frühe Weltmeisterschaft-Titelansage. Auch in der Mannschaft sieht er Schwachstellen.

Sinsheim – Andreas Möller, eine Legende des deutschen Fußballs, hat in seiner Karriere alles erreicht: Weltmeister 1990, Europameister 1996. Seine Meinung hat Gewicht – besonders, wenn es um die Nationalmannschaft geht. In seiner aktuellen Kritik an Bundestrainer Julian Nagelsmann warnt Möller vor den Gefahren, die mit der frühzeitigen Ausrufung des WM-Titels als Ziel verbunden sind.

Julian Nagelsmann kämpft mit Deutschland um die WM-Qualifikation.

In seiner kicker-Kolumne äußert Möller Zweifel daran, dass Nagelsmann der Mannschaft mit seiner öffentlichen Zielsetzung geholfen hat. „Ich bezweifle, dass Nagelsmann dem Team einen Gefallen damit getan hat, den WM-Titel als Ziel auszurufen“, schreibt Möller. „Das erhöht letztendlich nur den Druck – und der ist für eine deutsche Mannschaft ohnehin immer ausreichend vorhanden.“

Weltmeister Möller Kritisiert Nagelsmanns Titel-Ansage und die DFB-Defensive

Möller blickt auf seine eigenen Erfahrungen zurück und betont, dass die deutsche Nationalmannschaft in der Vergangenheit ohne derartige öffentliche Ansprüche in Turniere gegangen sei. „Wir sind nicht mit diesem öffentlich geäußerten Anspruch in die Turniere gegangen. Die Ambitionen und der feste Glaube haben sich in deren Verlauf entwickelt“, erklärt der frühere Profi.

Für ihn ist es entscheidend, dass echtes Selbstvertrauen aus der Mannschaft selbst erwächst und nicht durch externe Erwartungen erzeugt wird. „Es ist nicht die Aufgabe des Trainers, seinen Spielern mit öffentlichen Aussagen Selbstvertrauen sozusagen aufzuerlegen“, so Möller.

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Neben der Kritik an der Zielsetzung bereitet Möller auch die Defensive des DFB-Teams Sorgen. „Eine Abwehr aber muss grundsätzlich wirklich eingespielt sein. Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive Titel“, betont Möller und verweist auf die Notwendigkeit von Automatismen und einer eingespielten Verteidigung. Er sieht die Experimente von Nagelsmann kritisch und fordert klare Entscheidungen, um der Mannschaft Sicherheit zu geben.

Möller unterstreicht die Wichtigkeit, dass sich Spieler auf ihrer Position und als Kollektiv wohlfühlen. „Wenn ich sehe, dass nach einer Einwechslung ein Zettel auf dem Platz rumgereicht wird und sich mehrere Spieler erst mal neu orientieren müssen, werde ich skeptisch“, so Möller. Für ihn sind klare Abläufe und Automatismen entscheidend, um das Team zu stabilisieren. (hbr)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Noah Wedel

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