Trotziger Bundestrainer
Die Zweifel an der deutschen Nationalmannschaft wachsen
Für Deutschland ging es im abschließenden Gruppenspiel gegen Ecuador sportlich um nichts mehr. Dennoch gibt der Auftritt der Nagelsmann-Elf zu denken.
Es ist jetzt viel Reisebewegung im deutschen Tross in den USA. Am Donnerstagabend, nach der 1:2-Niederlage gegen Ecuador, ging es schon wieder zurück aus dem Großraum New York ins Stammquartier nach North Carolina. Dort ist die Nationalmannschaft nur zwei volle Tage, denn am Sonntag macht sie sich schon auf nach Boston, wo am Montag (22.30 Uhr MESZ) das Sechzehntelfinale zu spielen ist.
Wohin im Anschluss an das Spiel, das das letzte sein kann bei dieser WM? „Wir packen nicht zusammen in Winston-Salem“, sagt Bundestrainer Julian Nagelsmann. Im Plan steht: Auch nächste Woche, nach Boston, wieder Uni-Campus Winston-Salem, Vorbereitung aufs Achtelfinale am 4. Juli in Philadelphia. Die Spieler sagen ohnehin immer wieder, sie seien noch wochenlang hier. Das Finale der WM ist auf 19. Juli terminiert.
DFB-Niederlage bei WM-Vorrundenabschluss gegen Ecuador zeigt auf: Es gibt ernsthafte Defizite
Doch ob die Deutschen da in New York sein werden oder die Spieler auf ihren Instagram-Accounts nicht schon längst aus ihren Urlaubsdomizilen grüßen? Die Zuversicht, beim großen Turnier weit zu kommen, hat Schaden genommen. Das 7:1 gegen Curacao wurde durch die weitgehend zähe Partie gegen die Elfenbeinküste (2:1) schon relativiert, die schöne Deniz-Undav-Geschichte und die Dramaturgie des Spiels übertünchten die Mängel.
Das abschließende Gruppenspiel gegen Ecuador zeigte auf: Es gibt ernsthafte Defizite. Sowohl gegen die Afrikaner als auch die Südamerikaner ließ sich die deutsche Mannschaft beeindrucken von dem, was im modernen Fußballsprech als „Körperlichkeit“ bezeichnet wird. Die Gegner sind nicht langsamer, sie gehen entschlossen in die Zweikämpfe, werden beim Anlaufen der deutschen Abwehrleute nicht müde.
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Was kann man tun? „Die Spieler haben die Konstitution, die sie haben“, sagt Nagelsmann, „bis Montag können wir im Oberkörperbereich nicht auftrainieren.“ Man müsse andere Lösungen finden: „Durch das Halten von Positionen, durchs Kollektiv.“ Doch die deutsche Elf ist auch nicht in der Lage, sich einen Kontrahenten von der Güteklasse Elfenbeinküste/Ecuador einfach mal zurechtzulegen.
Was ist mit dem Kreativduo Florian Wirtz/Jamal Musiala, das bei der EM vor zwei Jahren die Hoffnungen befeuerte, das Land könne in absehbarer Zeit wieder eine Weltmeisterschaft feiern? „Flo hat Gas gegeben, aber ihm fehlte die Fortune“, so der Bundestrainer. Er wechselte ihn aus. „Die Reaktion kommt am Montag, da bin ich mir ganz sicher.“
Gibt es nach Ecuador-Pleite neue Diskussionen um Neuer und Kimmich?
Allerdings hatte er schon für das Ecuador-Match angekündigt: „Flo wird ein Topspiel machen. Er hat geniale Momente, die nur noch nicht auf dem Spielberichtsbogen auftauchen.“ Und wie ist es mit Musiala? „Da muss kein Knoten platzen, Jamal muss einfach in den Rhythmus kommen“ …“ Nagelsmann gab Musiala am Donnerstag die volle Spielzeit. „Aus Jamal müssen wir die Fähigkeiten alle gemeinsam rauskitzeln.“ In der Hoffnung, dass sich das auszahlt, bevor das nächste Spiel verloren geht.
Das 1:2 gegen Ecuador war aus deutscher Sicht für die Tabelle uninteressant. Doch der Bundestrainer ist es nicht so angegangen. Er hätte mit Blick aufs große Ganze anders aufstellen können. Er wollte die Stammbesetzung stärken – das misslang. Das Land hat nun eine neue Diskussion um die Nummer-eins-Berechtigung von Manuel Neuer und die (falsche?) Position von Joshua Kimmich. Auch mit den Korrekturen, die Nagelsmann anbrachte, lag er daneben.
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Auf einmal ging es nicht mehr darum, die Niederlage abzuwenden, sondern Spielzeiten zu verteilen. Hätte man unbedingt gewinnen müssen, ließ Nagelsmann anklingen, wäre er beim Einwechseln „mehr nach den Profilen gegangen“. Am Montag muss er unbedingt trainieren. Sonst wird er nicht nur an der Wake University in Winston-Salem exmatrikuliert.
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