Kommentar zur Balogun-Posse
Die WM wird ohne Skrupel in eine skandalöse Sackgasse geführt
Die Verbindung zwischen Donald Trump und Gianni Infantino torpediert die WM. Ein Kommentar zum Tiefpunkt des Turniers – die Posse um Folarin Balogun.
Everything is possible. So lautet ein Spot, den der US-Sender Fox Sports geschaltet hat, um die Sehnsüchte einer stolzen Sportnation zu bedienen, die im Fußball bei den Männern noch ohne WM-Titel ist. Es steht 2:2 im Endspiel gegen Brasilien, als Christian Pulisic eine letzte Ecke schlägt – und das Unmögliche möglich wird.
Zwei junge Menschen an der Theke einer Bar wollen die Jubelbilder nicht wahrhaben, bis ihnen ein älterer weißer Mann – er könnte der typische Anhänger von Donald Trump sein – erklärt, dass eben doch alles möglich ist. Unfreiwillig beschreibt der fiktive Film die bittere Realität.
WM-Sperre nach Roter Karte zurückgenommen – Trumps schwerwiegender politischer Eingriff
Es ist möglich, dass die Sperre gegen den besten US-Stürmer Folarin Balogun nach einer Roten Karte vor dem WM-Achtelfinale gegen Belgien nur auf Bewährung verhängt wird, nachdem der US-Präsident Trump mit seinem ihm treu ergebenen FIFA-Boss Gianni Infantino telefoniert hat. Hier alle Infos im Ticker.
In der an Skandalen wirklich reichen Geschichte des Weltverbandes markiert dieser Vorgang einen neuen Tiefpunkt. Zwei ähnlich gestrickte Figuren machen die Fußball-Welt, wie sie ihnen gefällt. Dass Trump, der sich bislang noch bei keiner WM-Begegnung hat blicken lassen, sich offen dafür feiert, ist eine Schande. Es ist ein schwerwiegender, weil allein politisch motivierter Eingriff in die sportliche Integrität des Wettbewerbs.
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Rote Karten sind seit Einführung des VAR doppelt abgesichert. Es gibt keinen Grund, die Mindestsperre von einem Spiel außer Kraft zu setzen. Es geht einzig und allein darum, dem US-Team als Lokomotive der neu entstandenen Soccer-Begeisterung einen Vorteil zu gewähren. Das ginge doch auch anders: Trump und Infantino könnten verfügen, dass jeder Gegner der USA nur mit acht Spielern antritt, weil der Rest mit einem Betretungsverbot des jeweiligen Spielortes belegt wird.
Oder man stellt noch drei, vier Jäger der US-Einwanderungsbehörde ICE auf die Torlinie, die befugt sind, Torwart Matt Freese zu unterstützen. Oder weniger auffällig: Die Royal Air Force entwickelt ein ferngesteuertes System für den Ball, damit dieser im letzten Moment am Überfliegen der Torlinie gehindert wird.
Undenkbar? Leider nicht mehr. Eigentlich war diese Endrunde gerade in den USA auf einem besseren Weg als gedacht. Jetzt wird sie in eine skandalöse Sackgasse geführt. Und das ohne Skrupel, ohne Scham. Nur damit der FIFA-Friedenspreisträger frohlockt. Wenn sich jetzt nicht breiter Widerstand aus allen Teilen der Welt regt, hat diese WM verloren. Der Slogan muss lauten: „Everyone, rise up!“
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