Seltsames Schild
Orangenes Ei über Wellen: Verkehrszeichen kann zu saftigem Bußgeld führen
In einem runden, rot umrandeten Schild ist ein orangefarbenes Ei über Wellen zu sehen: Autofahrer sollten dieses Verkehrszeichen kennen. Es droht ein saftiges Bußgeld.
Hamm - Der deutsche Schilderwald ist groß, üppig und bunt wie Blätter im Herbst. Für den Führerschein muss man die Bedeutung jedes Verkehrszeichens kennen, doch die der seltenen Exemplare verschwindet im Laufe der Jahre aus dem Kopf. Hand aufs Herz: Wissen Sie noch, was das runde, rot umrandete Verbotszeichen mit dem orangefarbenen Ei über einer schwarzen Hantel und blauen Wellen bedeutet? Das sollten Sie, denn bei Nichteinhaltung droht ein saftiges Bußgeld.
Orangenes Ei über Hantel und Wellen: Verkehrszeichen kann zu saftigem Bußgeld führen
Die mächtige deutsche Straßenverkehrsordnung (StVO) führt das Verkehrszeichen als Nummer 269. Es hat natürlich weder mit Eiern noch mit Hanteln zu tun, aber sehr wohl mit Wasser, denn es zeigt das „Verbot für Fahrzeuge mit wassergefährdender Ladung“ an. Das Schild findet sich oft an Straßen, die durch Wasserschutzgebiete führen. Häufig wird es durch ein entsprechendes Schild ergänzt.
„Ei“ und „Hantel“ bilden zusammen das Symbol für ein Tanklastfahrzeug. Das ist irreführend, denn das Durchfahrverbot gilt nicht nur für Lkw oder sonstige schwere Transporter, sondern für alle Fahrzeuge, die mehr als 20 Liter einer wassergefährdenden Ladung mit sich führen, theoretisch also auch jeder Pkw. 20 Liter passen selbst in den kleinsten Kofferraum.
Verbot für Fahrzeuge mit wassergefährdender Ladung - welche Stoffe dazugehören
Mit wassergefährdender Ladung sind alle festen, flüssigen und gasförmigen Stoffe gemeint, die die Wasserbeschaffenheit nachhaltig verändern können. Dazu gehören etwa:
- Säuren
- Laugen
- Alkalimetalle
- Halogene
- Bleisalze
- Gifte
- Mineralöle
Der Sinn des Verbots für Fahrzeuge mit dieser Ladung ist klar: Es soll verhindert werden, dass bei einem Leck im Tank oder nach einem Unfall die gefährlichen Stoffe ins Wasser geraten. Nach Angaben des Bundesumweltministeriums geht es „nicht nur um spektakuläre Schäden wie nach dem Brand bei der Firma Sandoz in Basel, Fischsterben oder Beeinträchtigungen der Trinkwasserversorgung, sondern auch um auf den ersten Blick nicht sichtbare Schädigungen von Wasserorganismen, wie Algen oder Kleinkrebsen“.
Wassergefährdende Stoffe: Umweltministerium nennt drei Klassen
Das Ministerium kennt drei Wassergefährdungsklassen (WGK):
- WGK 1: schwach wassergefährdend (zum Beispiel Essigsäure, Natronlauge, Alkohol oder Wasserstoffperoxid)
- WGK 2: deutlich wassergefährdend (zum Beispiel Heizöl, Natriumhypochlorit, Jod)
- WGK 3: stark wassergefährdend (zum Beispiel Altöl, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Benzol)
Wer 20 Liter oder mehr von einem der genannten Stoffe transportiert und trotz der Verbotsschildes weiterfährt, muss mit einem saftigen Bußgeld von bis zu 250 Euro rechnen – auch ohne, dass ein Schaden entstanden ist.
Ein Verkehrsschild gibt es in Deutschland sogar nur 13 Mal – und ist damit das seltenste des Landes. Die Bedeutung ist vielen unbekannt. Aber das ist nicht schlimm. Ein anderes neues Verkehrsschild hat es in sich, auch wenn es unscheinbar wirkt.
Rubriklistenbild: © Harry Melchert/dpa
