Alarmierende Geschwindigkeit

Antarktis plötzlich grün – „Der Beginn eines dramatischen Wandels“

Die Antarktis wird immer grüner. Das empfindliche Ökosystem steht vor weitreichenden Veränderungen. Forscher sind alarmiert.

München – Ein Großteil der Antarktis ist mit Eis bedeckt. Die Eisschicht bestimmt maßgeblich die Wetter- und Klimabedingungen über dem Kontinent und dem Südpolarmeer. Selbst im antarktischen Sommer steigen die Temperaturen nur in wenigen Gebieten über den Gefrierpunkt. Doch auch hier ist der Klimawandel mittlerweile spürbar.

Antarktis wird immer grüner – Forscher sind „schockiert“

Aktuelle Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass die Antarktische Halbinsel zunehmend grüner wird. „Das ist der Beginn eines dramatischen Wandels“, erklärte Olly Bartlett, Autor der Studie und Forscher an der University of Hertfordshire, gegenüber der Fachzeitschrift Nature.

Die Studie, die bei Nature Geoscience veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Begrünung zwischen 1986 und 2021 um mehr als das Zehnfache zugenommen hat. Im Jahr 1986 betrug die Vegetationsbedeckung noch 0,863 Quadratkilometer, im Jahr 2021 waren es bereits 11,947 Quadratkilometer. „Diese Zahlen haben uns schockiert“, so Thomas Roland, Mitautor der Studie und Geograf an der University of Exeter. „Es ist einfach die Geschwindigkeit der Veränderungen in einem extrem isolierten, extrem gefährdeten Gebiet, die uns alarmiert.“

Die Veränderung der Vegetation scheint dabei vor allem eine Reaktion auf die globale Erwärmung zu sein und „deutet auf künftige weitreichende Veränderungen“ im Ökosystem hin. Die Forscher befürchten sogar einen Zusammenbruch des empfindlichen Ökosystems.

„Dramatisch vergrößert“: Antarktis ist plötzlich grün – Forscher sind alarmiert

Auf der Antarktischen Halbinsel ist nur ein kleiner Teil von Pflanzen besiedelt, hauptsächlich Moose. „Aber dieser winzige Teil hat sich dramatisch vergrößert – was zeigt, dass selbst diese riesige und isolierte ‚Wildnis‘ vom anthropogenen Klimawandel betroffen ist“, wurde Roland vom MDR zitiert. Wenn sich die Pflanzen auf der zuvor eisbedeckten Landschaft ausbreiten, könnte die Antarktis von invasiven Arten befallen und damit das sensible Ökosystem gefährdet werden.

Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Die Erde erwärmt sich, die Gletscher schmelzen. Links zu sehen ist der Okjökull-Gletscher auf dem Gipfel des Vulkans Ok auf Island im September 1986. Im August 2019 (rechtes Bild) ist von dem einstigen Gletscher nur noch ein kleiner Eisfleck übrig geblieben.
„Zieht die Notbremse“ steht auf dem Schild, das ein Mädchen in Island trägt. Sie ist unterwegs zu einer Gedenkveranstaltung für den früheren Gletscher Okjökull. Forschende zeigen immer wieder, dass die Zeit drängt: Die Eismassen der Erde schmelzen immer schneller, der Meeresspiegel steigt und die Ozeane werden warm und sauer.
Wichtige Gletscherteile des Titlisgletschers werden vor dem Sommer 2018 mit Vlies bedeckt, um sie in den warmen Sommermonaten vor dem Schmelzen zu schützen. Rund 6000 Quadratmeter Vlies sollen bis zum Herbst die Eishöhe von bis zu anderthalb Metern schützen.
Der Nevado Huascarán ist mit 6768 Metern der höchste Berg Perus. Das Eis am Gipfel des Bergs ist tausend Jahre alt und soll Forschenden Informationen rund um den Klimawandel liefern. Bei einer Expedition im Jahr 2019 wurden Eisproben entnommen.
Die Gletscher schmelzen – So verändert der Klimawandel die Erde

Immer wieder warnen Forscher vor schmelzenden Eiskappen am Südpol. Erst kürzlich löste der Zusammenbruch des Polarwirbels ein ungewöhnliches Wetter-Phänomen in der Antarktis aus. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace erwärmt sich die Antarktische Halbinsel im Durchschnitt um 3,7 Grad pro Jahrhundert. Zum Vergleich: Das globale Mittel liegt bei 0,6 Grad pro Jahrhundert. Im Februar 2020 wurde in der Antarktis erstmals eine Temperatur von 18,3 Grad gemessen. (kas)

Rubriklistenbild: © Pierre Rouanet/imago

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