Generation ohne Ersparnisse?
Experten sehen riskante Geld-Entwicklung: „Gen Z ist hin- und hergerissen“
Warum sparen, wenn die Zukunft unsicher ist? Eine neue Analyse zeigt: Viele junge Menschen leben im Hier und Jetzt – oft auf Kosten finanzieller Sicherheit.
New York City – Junge Menschen geben ihr Geld für andere Sachen aus, als Ältere. Das ist wenig überraschend. Doch ein weiterer Trend sorgt bei Finanzexperten für Sorgen: Fast die Hälfte der Generation Z spart keinen Cent für Notfälle. Stattdessen dominieren Unsicherheit, gesellschaftlicher Druck und „Doomspending“ das Finanzverhalten.
Die Generation Z kämpft mit der finanziellen Unsicherheit ihrer Zukunft
Die ältere Generation hat der jungen eine Welt voller Unsicherheit vererbt: Klimakrise, hohe Staatsschulden und geopolitische Konflikte dominieren die Weltlage. Auch die Rentenfinanzierung steht vor großen Herausforderungen. Statt finanziell besonders gut vorzusorgen, hat das bei der Generation Z der Jahrgänge 1996 bis 2012 offenbar einen gegenteiligen Effekt, wie eine Analyse zeigt. Fast die Hälfte (47 Prozent) aller jungen Menschen der Generation Z in den USA verfügen nicht über finanzielle Rücklagen.
Lediglich 29 Prozent der jungen Menschen arbeitet aktiv daran, Ersparnisse anzulegen. Wer bereits einen Notgroschen angespart hat, hat oft zu wenig: Die Lücke zur empfohlenen Summe beträgt im Schnitt 80 Prozent. Im Durchschnitt beläuft sich die eiserne Reserve auf lediglich 6.820 US-Dollar. Das geht aus einer Analyse der Finanz-App „Frich“ mit Sitz in New York City hervor, die anonym die Daten der Gen-Z-Nutzer sammelt und so vergleichbar macht.
Sparen oder shoppen? Warum die Generation Z mehr für Konsum als für die Zukunft ausgibt
Finanzexperten empfehlen die 50-30-20-Regel: 50 Prozent der monatlichen Einnahmen gehen an Grundbedürfnisse und notwendige Ausgaben wie Miete, Versicherungen und Lebensmittel, 30 Prozent werden für Freizeit ausgegeben, und 20 Prozent zum Sparen. Die Analyse von über einer Million Nutzerdaten der App „Frich“ ergab allerdings, dass 44 Prozent der jungen Menschen ihre Kreditkarte bereits mindestens einmal ausgereizt hatten und viele „Doomspending“ betreiben. Damit gemeint ist das exzessive Ausgeben von Geld in der Überzeugung, dass Sparen aufgrund einer unsicheren Zukunft sinnlos ist. Shopping gegen den Weltschmerz also.
Auf die Frage nach ihren Sparzielen nannten 21 Prozent der Gen Z den Kauf eines Hauses, 17 Prozent legen Geld für ein Auto zurück, und 13 Prozent möchten ihre Ausbildung finanzieren. Sollten sie in finanzielle Schwierigkeiten geraten, würden 31 Prozent der Frich-Nutzer ein Familienmitglied um Hilfe bitten, 27 Prozent würden sich an einen Freund wenden und 25 Prozent würden lieber Schulden aufnehmen, als jemanden um Hilfe zu bitten.
Höhere Lebenshaltungskosten als Hürde: Weshalb die Analyse Schwachstellen hat
Die Daten der Analyse beruhen auf Angaben in der Finanz-App „Frich“. Es ließe sich argumentieren, dass besonders Menschen, die Hilfe bei ihrer Finanzplanung benötigen, diese App herunterladen. Entsprechend ist nicht sichergestellt, dass die Daten tatsächlich repräsentativ für die gesamte Generation Z in den USA stehen. Experten des Pew Research Center weisen zudem darauf hin, dass die Einteilung in Generationen keinen wissenschaftlichen Standards entspricht und oft zu einer Stereotypisierung der Altersgruppen führen kann.
Da die Angaben in der „Frich“-App auf Selbstauskunft beruhen, könnten auch Verzerrungseffekte – etwa soziale Erwünschtheit – die Daten verfälschen. Im Gegensatz zu früheren Generationen sind die Lebenshaltungskosten heute höher und Menschen müssen insbesondere für Miete oder den Kauf eines Hauses tiefer in die Tasche greifen. Insofern ist es für viele – nicht nur für die jüngere Generation – schwieriger, Geld zurückzulegen. Das sieht auch Frich-Mitbegründerin Aleksandra Medina so. Der wiederauflebende finanzielle Druck lasse der Generation Z kaum noch Spielraum, so zu sparen wie frühere Generationen, so Medina gegenüber Crowdfunding Insider
Die 50-30-20-Regel wird für viele zur Utopie: Ein Blick auf die Sparquote aus dem Jahr 2023 zeigt, dass Menschen in den USA nur 4,7 Prozent des verfügbaren Einkommens zurücklegen, in Deutschland waren es 10,4 Prozent des Einkommens. „Viele Angehörige der Generation Z befinden sich in einer finanziellen Gratwanderung. Sie sind hin- und hergerissen zwischen der Deckung unmittelbarer Ausgaben, dem Zurücklegen von Geld für Notfälle und dem Bezahlen von Waren auf Kredit“, so die Frich-Mitbegründerin Medina weiter. (bme)