Generation ohne Rücklagen
Finanzielle Gratwanderung: Wie die Gen Z mit gefährlicher Geld-Entwicklung auf die Zukunft reagiert
Die finanziellen Gewohnheiten der Generation Z sind geprägt von Unsicherheit und sozialem Druck. Ein Trend beunruhigt Finanzexperten.
New York City – Die jüngere Generation gibt ihr Geld anders aus als ältere Menschen – das überrascht kaum. Doch ein weiterer Trend bereitet Finanzexperten Sorgen: Junge Menschen sehen oft keinen Sinn mehr im Sparen. Fast die Hälfte der Generation Z legt nichts für Notfälle zurück. Stattdessen prägen Unsicherheit, gesellschaftlicher Druck und „Doomspending“ ihr finanzielles Verhalten.
Die finanzielle Krise der Gen Z: 47 Prozent der jungen US-Amerikaner sparen nichts für Notfälle
Die Generation Z steht vor einer unsicheren finanziellen Zukunft. Die ältere Generation hat ihnen eine Welt voller Herausforderungen hinterlassen: Klimawandel, hohe Staatsschulden und geopolitische Spannungen bestimmen die globale Lage. Auch die Rentenfinanzierung ist mit erheblichen Problemen konfrontiert. Anstatt vorausschauend besonders viel zu sparen, zeigt eine Analyse, dass die Reaktion der Jahrgänge 1996 bis 2012 genau das Gegenteil ist: Fast die Hälfte (47 Prozent) der jungen Menschen in den USA hat keine finanziellen Rücklagen.
Nur 29 Prozent der Generation Z bemüht sich aktiv um Ersparnisse. Wer bereits etwas angespart hat, hat indes oft nicht genug: Die Differenz zur empfohlenen Summe beträgt im Durchschnitt 80 Prozent, wie die Untersuchung ergab. Die durchschnittliche Notreserve beläuft sich demnach auf lediglich 6.820 US-Dollar. Diese Zahlen stammen aus einer Analyse der Finanz-App „Frich“, die anonym die Daten der Gen-Z-Nutzer sammelt und vergleicht.
Schulden statt Rücklagen: So geht die Gen Z mit finanziellen Engpässen um
Finanzexperten raten zur 50-30-20-Regel: 50 Prozent des Einkommens sollten für Grundbedürfnisse wie Miete, Versicherungen und Lebensmittel verwendet werden, 30 Prozent für Freizeit, und 20 Prozent zum Sparen. Doch die Analyse von über einer Million Nutzerdaten der App „Frich“ zeigt, dass 44 Prozent der jungen Menschen ihre Kreditkarte bereits mindestens einmal überzogen haben und viele „Doomspending“ betreiben. Dies bedeutet, dass sie exzessiv Geld ausgeben, weil sie glauben, dass Sparen angesichts einer unsicheren Zukunft sinnlos ist. Viele Angehörige der Gen Z befassen sich inzwischen auch mit der „Mikro-Rente“.
Auf die Frage nach ihren Sparzielen gaben 21 Prozent der Gen Z an, ein Haus kaufen zu wollen, 17 Prozent sparen für ein Auto, und 13 Prozent möchten ihre Ausbildung finanzieren. Bei finanziellen Engpässen würden 31 Prozent der Frich-Nutzer ein Familienmitglied um Unterstützung bitten, 27 Prozent würden sich an Freunde wenden, und 25 Prozent würden lieber Schulden machen, als um Hilfe zu bitten.
Verzerrte Finanzdaten? Warum die App-Daten die Realität der Gen Z nur begrenzt widerspiegeln
Die Analyse basiert auf Daten der Finanz-App „Frich“. Man könnte argumentieren, dass vor allem Menschen, die Unterstützung bei ihrer Finanzplanung suchen, diese App nutzen. Daher ist nicht garantiert, dass die Daten repräsentativ für die gesamte Generation Z in den USA stehen. Experten des Pew Research Center betonen zudem, dass die Einteilung in Generationen keinen wissenschaftlichen Standards entspricht und oft zu Stereotypisierungen führt.
Da die Angaben in der „Frich“-App auf Selbstauskunft beruhen, könnten darüber hinaus Verzerrungen wie soziale Erwünschtheit die Daten beeinflussen. Im Vergleich zu früheren Generationen sind die Lebenshaltungskosten heute außerdem höher, insbesondere für Miete oder den Kauf eines Hauses. Dies erschwert es vielen Menschen – nicht nur der jüngeren Generation – Ersparnisse anzulegen. Auch Frich-Mitbegründerin Aleksandra Medina sieht das so. Der zunehmende finanzielle Druck lasse der Generation Z kaum Spielraum, so zu sparen wie frühere Generationen, erklärte Medina gegenüber Crowdfunding Insider.
Die 50-30-20-Regel wird demnach für viele zur Utopie: Ein Blick auf die Sparquote aus dem Jahr 2023 zeigt, dass Menschen in den USA nur 4,7 Prozent ihres verfügbaren Einkommens sparen, während es in Deutschland 10,4 Prozent sind. „Viele Angehörige der Generation Z befinden sich in einer finanziellen Gratwanderung. Sie sind hin- und hergerissen zwischen der Deckung unmittelbarer Ausgaben, dem Zurücklegen von Geld für Notfälle und dem Bezahlen von Waren auf Kredit“, so die Frich-Mitbegründerin Medina weiter.