15 Menschen gerettet

Yacht sinkt vor Sizilien: Deutscher Kapitän rettet 15 Menschen

Eine Luxus-Yacht sinkt vor Italiens Küste. Ein Mensch verliert sein Leben – sechs weitere werden noch gesucht. Überlebende und Retter schildern das Unglück.

Porticello – Vor der italienischen Küste ist die Luxusyacht „Bayesian“ gesunken. Das Schiff stand eine halbe Seemeile vor dem Hafen von Porticello in Sizilien. Auf ihr wollte der als „britischer Bill Gates“ bekannte Mike Lynch noch seine jüngsten Erfolge vor Gericht feiern, nachdem er in einem Betrugsprozess freigesprochen worden war.

Bootsunglück vor Sizilien: Kapitän aus Deutschland rettet 15 Menschen das Leben

Dank des mutigen Eingreifens eines Kapitäns eines anderen Bootes konnten 15 Menschen gerettet werden. Zunächst wurden sechs Personen, darunter Lynch und seine 18-jährige Tochter, vermisst. Die Rettungsmaßnahmen laufen auf Hochtouren, Taucher drangen in das Innere der Yacht vor. Wie die dpa meldet, konnten vier Leichen geborgen wurden.

Seine Crew eilte „Bayesian“ zur Hilfe: Deutscher Kapitän berichtet von Yacht-Drama in Italien

Bevor das Schiff sank, kam ihm allerdings noch ein niederländisches Boot, die „Sir Robert Baden Powell“, zur Hilfe. An Bord befand sich der Hamburger Kapitän Karsten Börner, der dem Giornale di Sicilia berichtete: „Wir wollten zum Hafen zurückkehren, aber wir sahen Unwetter und versuchten, das Boot zu stabilisieren, dann sahen wir ein anderes Boot neben uns sinken und wir leisteten sofort Hilfe.“ Sein Schiff wurde ebenfalls von dem Unwetter überrascht.

Während sie selbst gegen Wind und Wetter kämpften, sahen sie die Yacht neben sich plötzlich sinken. „Wir sahen eine rote Leuchtrakete aus dem Bereich des Bootes kommen, also stiegen mein Erster Offizier und ich in den Tender und gingen zu Hilfe: Wir bargen 15 Schiffbrüchige, darunter ein kleines Mädchen“, berichtete Börner von der Rettungsaktion.

Das letzte Foto der „Bayesian“ – Bilder des tragischen Yacht-Unglücks vor Italien

Yacht-Drama vor Sizilien. 22 Urlauber waren an Bord des Luxus-Segelboots, das am Montagmorgen (19. August) bei einem schweren Unwetter in Italien sank.
„Das Boot ist einfach verschwunden“, berichten Fischer aus Palermo. Die „Bayesian“ sank gegen 4 Uhr morgens, am Tag darauf suchen Boote, Taucher und Helikopter nach Überlebenden.
Tische, Schirme, Stühle und Blumentöpfe fliegen beim Unwetter in Palermo durch die Luft. Auf dem Wasser verursachte der Sturm wohl einen Tornado.
Etliche Rettungskräfte sind am Einsatz in Italien beteiligt. Ambulanz und Polizei stehen am Ufer von Porticello bereit.
Das letzte Foto der „Bayesian“ – Bilder des tragischen Yacht-Unglücks vor Italien

„Wir hörten Schreie“: Hamburger Kapitän suchte noch nach Vermissten vor Sizilien

Nach ersten Untersuchungen der Behörden kenterte die „Bayesian“ so schnell, dass nicht alle Passagiere ihre Kabinen im Unterdeck verlassen konnten. Kapitän Börner schilderte: „Zuerst kippte das Boot auf die Seite, und innerhalb weniger Minuten war es gesunken. Es ging alles sehr schnell.“ Die Küstenwache traf kurz darauf ein, konnte jedoch niemanden mehr finden: „Wir hörten Schreie, suchten die Gegend weiter ab, fanden aber außer den 15 bereits geretteten Überlebenden niemanden“, fasste Börner zusammen.

Kapitän Karsten Börner am Steuer des Topsegelschoners „Sir Robert Baden Powell“ im Roten Meer vor Ägypten 2004.

Ein Wassertornado, ein Wetterphänomen, das starke Bodenwirbel erzeugt, hatte das Schiff getroffen. Die Frage, warum der Segler bei den schwierigen Wetterbedingungen eine halbe Seemeile vor der Küste ankerte, bleibt unbeantwortet. „Wir haben es nicht kommen sehen“, war das einzige, was James Catfield, der Kapitän der „Bayesian“, der Zeitung La Repubblica nach seiner Rettung mitteilen konnte. Er wird derzeit im Krankenhaus versorgt. Ein Experte ordnet ein, welche Überlebenschancen die Vermissten haben könnten.

„Bayesian“ vor Sizilien gesunken: Überlebende schildern dramatische Szenen

Überlebende erzählen von dramatischen Szenen. „Im Wasser konnte ich meine Augen nicht offen halten. Ich rief um Hilfe, aber ich hörte nur die Schreie der anderen“, berichtete eine Neuseeländerin namens Charlotte, die für eine Kanzlei arbeitet, die Lynch im Prozess vertreten hatte. Sie hatte ihre einjährige Tochter an Bord: „Ich hielt sie mit all meiner Kraft über Wasser, streckte meine Arme nach oben, damit sie nicht ertrank.“ (jh/bk/dpa)

Rubriklistenbild: ©  imagebroker/bail/IMAGO

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