Kein Erfolg der Zollpolitik
Trotz Trump: US-Wirtschaft wächst weiter – „Eine Wette, die langfristig platzen wird“
Obwohl US-Unternehmen unter den Trump-Zöllen leiden, wächst das Bruttoinlandsprodukt in den Staaten. Die Werte sind kein Ergebnis einer guten Handelspolitik.
Washington – Ob Donald Trump sich wohl selbst auf die Schulter klopft? Bei dem Satz: „Heute wurden großartige Zahlen zur Wirtschaft veröffentlicht (3,8 Prozent!) und zum Erfolg, den wir verzeichnen“, den der US-Präsident die Woche auf seiner Social-Media-Plattform postete, lässt es sich kaum anders vorstellen. Das Wirtschaftswachstum in den USA: Stärker als erwartet. Dass die USA die Prognose der Volkswirte um 0,5 Prozent übertreffen konnte, sei allerdings nicht Trumps Verdienst, sagt Handelsexperte Rolf Langhammer vom Kiel Institut für Wirtschaft. „Wir übersehen meistens, wie riesig und resilient der Binnenmarkt in den USA ist“, so Langhammer gegenüber dem Münchner Merkur von Ippen.Media.
Im ersten Quartal war die amerikanische Wirtschaft noch um 0,6 Prozent geschrumpft. Es habe sich in der Zwischenzeit aber doch einiges getan, sagt Langhammer. Und: „Ein Rückschlag durch Trumps erratische Politik könnte längere Zeit brauchen, um zu Tage zu treten“, schätzt der Experte. In den USA seien es unterschiedliche Faktoren, die das Wirtschaftswachstum stabilisieren.
Trump verkauft BIP-Wachstum in den USA als Ergebnis seiner Politik
Das sei zum einen der Binnenmarkt. „In einer Untersuchung bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass die inländischen Aktivitäten, die ausländischen Aktivitäten der USA um den Faktor sechs überschreiten.“ Der Binnenmarkt sei durch einen riesigen Dienstleistungssektor geprägt. „Dieser ist in den Staaten wesentlich bedeutender als die Industrieunternehmen, die aber durch die Zölle weiter an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen“, erklärt Langhammer. Gerade im verarbeitenden Gewerbe sei die USA als Anbieter auf dem Weltmarkt nicht mehr so stark präsent wie in der Vergangenheit. „Die Kosten des Zollinfernos, das Trump angerichtet hat, trägt daher im Wesentlichen der amerikanische Verbraucher.“
Zum anderen könne es an der Stimmung liegen: „Man hat sich vielleicht auch ein bisschen an das Zoll-Hin und -Her gewöhnt. Und vielleicht verlassen sich einige auch darauf, dass es doch nicht so schlimm wird. Nach dem Motto: Wir machen jetzt erstmal ganz normal weiter und setzen auf Rückzieher“. Langhammer spielt damit auf das wechselhafte Verhalten des US-Präsidenten an, der insbesondere im Hinblick auf die Zölle bereits mehrfach seine Meinung geändert und oft abgeschwächt hat.
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Andere Zahlen aus der US-amerikanischen Wirtschaft seien vielversprechend – zumindest auf den ersten Blick: „Die Amerikaner schauen immer auf den Arbeitsmarkt. Der sieht zurzeit relativ stabil aus“, sagt der Wirtschaftsexperte. „Das kann zum Teil an der aktuellen Anti-Migrationspolitik liegen. Sie kürzt das Angebot auf dem Arbeitsmarkt und gibt den Amerikanern bessere Chancen, Jobs selbst bei einem niedrigeren Wachstum als in 2024 zu finden, als unter einer scharfen Konkurrenz mit Einwanderern.“ Für die Notenbank seien das Entspannungssignale.
Wenn Handelspolitik nicht aufgeht: Trump „könnte noch aggressiver werden“
Dennoch senkte die US-Notenbank Fed im September den Leitzins auf 4,0 bis 4,25 Prozent. Nicht genug für US-Präsident Trump: „Unsere Zinssätze sind zu hoch! Wenn es Jerome Powell nicht gäbe, lägen wir jetzt bei zwei Prozent und wären dabei, unseren Haushalt auszugleichen.“ Trumps Budgetpolitik, der Big-Beautiful-Bill, spiele auch eine Rolle in der Wirtschaftsprognose, sagt Langhammer.
„Die Verschuldung wächst rasant – eine Wette auf die Zukunft, die langfristig platzen wird“, kritisiert er. „Trump setzt darauf, dass er sich wie Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf zieht, die Schulden sind ihm egal. Dann soll die Welt dafür bezahlen, sobald es in seiner Macht steht, die Zinsen drastisch senken oder sogar ausländischen Gläubigern einen Schuldenschnitt aufzuerlegen.“ Der Handelsexperte warnt: Schlimmeres könne uns aber noch bevorstehen, wenn Trump erkenne, dass seine Politik nicht zu den von ihm gewünschten Ergebnissen bei den Handelszahlen führt. „Dann könnte er noch aggressiver werden.“ (Quelle: Eigene Recherche, Interview, Truth Social)
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