Bis zu 80 Prozent
Harter Schlag für Russlands Wirtschaft – Handelsbeziehungen zu engen Partnern brechen ein
Für die Fertigung von Halbleitern benötigt die Industrie Naphtha aus Russland. Aber US-Sanktionen könnten Unternehmen aktuell zum Strategiewechsel drängen.
Moskau – Russlands Wirtschaft gerät immer weiter in Bedrängnis. Schuld daran sind wohl die US-Sanktionen gegen die Öl-Industrie von Kreml-Chef Wladimir Putin wegen des anhaltenden Ukraine-Kriegs. Die beiden größten Produzenten, Rosneft und Lukoil, wurden mit empfindlichen Handelsbeschränkungen belegt. Doch auch andere Anbieter spüren den Sanktionsdruck.
Während in den vergangenen Tagen bereits eine große Zahl an Meldungen über den Exportrückgang russischer Rohöl-Produkte öffentlich wurden, muss die Kriegswirtschaft in Moskau jetzt einen neuen Schlag hinnehmen. Wie die russische Tageszeitung Kommersant unter Berufung auf Zahlen des US-Finanzdienstleisters S&P Global berichtete, ist die Ausfuhr von russischem Rohbenzin (Naphtha) nach Asien um bis zu 80 Prozent eingebrochen. Der Stoff wird vor allem zur Herstellung von Chemikalien für die Technologie- und Halbleiterindustrie verwendet.
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Betroffen von dem Einfuhrrückgang sind laut S&P Indien, China und Taiwan. In diese Länder liefern russische Unternehmen zwischen 57 und 80 Prozent weniger Naphtha. Dabei galt vor allem Taiwan als bedeutendster Abnehmer des petrochemischen Stoffs. Die Financial Times berichtete im Oktober 2025, dass der Inselstaat Millionen Tonnen Naphtha aus Russland importiere. Entsprechend sind dort die größten Exportrückgänge (79,6 Prozent) zu verzeichnen.
Bereits vor dem jetzt stattfindenden Exportrückgang habe es in Taiwan Bedenken hinsichtlich einer Abhängigkeit von Russland gegeben. Vor allem, weil Moskau enge Beziehungen nach Peking pflegt. Da China Anspruch auf Taiwan erhebt, war die Befürchtung laut der Financial Times, dass Russland die Souveränität des Landes wegen Druck aus Peking nicht anerkennen könnte. „Wir können uns nicht auf ein einzelnes Land oder Unternehmen verlassen, insbesondere nicht auf eines, das Taiwans Souveränität möglicherweise nicht anerkennt oder ihr sogar feindlich gesinnt ist“, zitierte die Times Chen Kuan-ting, ein Abgeordneter der regierenden Demokratischen Fortschrittspartei Taiwans.
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Die aktuell stattfindenden Verkaufsrückgänge von Naphtah gehen aber vermutlich zum größten Teil auf den Druck aus dem Westen zurück. China kaufe 73,3 Prozent weniger von dem für die Halbleiterproduktion unverzichtbaren Stoff. Nach Indien verschifft Russland laut der Erhebung 57 Prozent weniger Naphtha. Das Land könnte die Einfuhr sogar vollständig einstellen, so S&P.
Naphtha-Exporte Russlands brechen ein – Wichtiger Wirtschaftszweig wankt wegen US-Sanktionen
Der Absturz der Naphtha-Exporte könnte Russlands Kriegswirtschaft massiv schädigen. Der Verkauf von Produkten aus der Ölindustrie gilt gemeinhin als zentrales Finanzierungswerkzeug für den anhaltenden Überfall auf die Ukraine. Wie das Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) im Oktober in einer Pressemitteilung erklärte, sei der Verkauf von Naphtha für 26 Prozent aller Exporte von raffinierten Ölprodukten verantwortlich. Laut CREA importierte etwa Taiwan von 2022 bis 2025 6,8 Millionen Tonnen des Stoffes, was einem Wert von rund 4,9 Milliarden US-Dollar entspricht. Dabei handele es sich um 20 Prozent der gesamten russischen Naphtha-Exporte.
Die Verluste sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die US-Sanktionen zurückzuführen. Denn auf der Sanktionsliste von US-Präsident Donald Trump sind die größten Naphtha-Hersteller Lukoil, Rosneft und NOVATEK vertreten. Letzterer ist laut CREA für 72 Prozent der russischen Exporte nach Taiwan verantwortlich. Doch auch ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien sorgen für einen Produktionsrückgang.
Laut Kommersant könnten Indien, China und Taiwan sich nun nach neuen Handelspartnern für die wichtige Chemikalie umschauen. Außerdem habe Igor Juschkow, Experte der Moskauer Stiftung für nationale Energiesicherheit, erklärt, dass sich die Unternehmen auf andere Methoden ohne den Einsatz von Naphtha konzentrieren könnten. Solche Stoffe könnten von Produzenten aus dem nahen Osten, Indien oder China bereitgestellt werden. (Quellen: Kommersant, Financial Times, S&P, CREA) (nhi)
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