Energiewende schuld?
Immobilien-Boss mit schlechten Neuigkeiten für Mieter: „Müssen die Mieten weiter erhöhen“
Die Mieten schießen bereits in die Höhe, aber ein Immobilienkonzern hält weitere Steigerungen für unvermeidlich. Der Grund sei die zunehmende Regulierung.
München – Die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung gleicht in Ballungsräumen der Suche nach der Nadel im Heuhafen. Die Entwicklung der Mieten zeigt nur in eine Richtung: nach oben. Dabei zeichnet sich keine Trendwende ab. Das erklärte nun auch Lars von Lackum, Vorstandsvorsitzender der LEG Immobilien SE, einem der größten Wohnungskonzerne Deutschlands. „Wir müssen die Mieten weiter erhöhen“, sagte von Lackum im Interview mit der Wirtschaftswoche.
Immobilien-Chef sieht Erhöhung der Mieten als nötig an: „Nachfragedruck nimmt weiter zu“
LEG Immobilien besitzt derzeit etwa 167.000 Immobilien und ist damit nach Vonovia der größte Vermieter in Deutschland. Das Unternehmen rechnet laut Mitteilung von Anfang August mit einem Anstieg der Mieten von etwa 3,4 Prozent im laufenden Jahr. „In manchen Beständen heben wir die Mieten gar nicht an, anderswo eben so weit es regulatorisch möglich ist“, sagte LEG-Chef von Lackum.
„Der Nachfragedruck nimmt weiter zu. Die Zahl der Baugenehmigungen und Fertigstellungen ist gering und geht immer weiter zurück“, erklärte von Lackum die Gründe für den Anstieg der Mieten. Hinzu komme „voraussichtlich“ weitere Zuwanderung. „Wer freie Märkte richtig verstanden hat, weiß: Knappe Güter werden teurer.“
Regulierung auf dem Wohnungsmarkt laut LEG-Chef Preistreiber bei Mieten
Auch die Regulierung auf dem Wohnungsmarkt sieht der Chef des Immobilienkonzerns als einen Preistreiber – auch bei den Sozialwohnungen. Die Hälfte falle bis 2028 aus der Sozialbindung, eine Erhöhung sei dann „unerlässlich“, erklärte von Lackum. „Die immer weiter verschärfte Regulierung führt zu einem geradezu horrenden Investitionsbedarf in die Energieeffizienz unserer Gebäude“, sagte der LEG-Chef der Wirtschaftswoche. „Es gibt wenige Sätze, die so unwahr waren wie ‚Die Energiewende kostet niemanden zusätzlich Geld‘.“
Eine Erhöhung der Mieten ist nach von Lackums Darstellung damit unausweichlich. „Um alle regulatorischen Anforderungen erfüllen, Material beschaffen und unsere Mitarbeiter fair bezahlen zu können, müssen wir die Mieten nun mal erhöhen.“ Mit durchschnittlich 435 Euro Kaltmiete für eine 65-Quadratmeter-Standardwohnung nehme er jedoch Bezahlbarkeit für den LEG-Bestand in Anspruch.
Mietpreisbremse nicht die Lösung: Immobilienunternehmer fordert „funktionierenden, freien Wohnungsmarkts“
Die Mietpreisbremse hält von Lackum nicht für eine Lösung. Sie werde dazu führen, „dass mehr Vermieter Schlupflöcher suchen und beispielsweise möblierte Wohnungen anbieten“. Sie schütze zudem auch Menschen, die keinen Schutz bräuchten. „Wer in den letzten Jahren nicht gelernt hat, dass mehr staatliche Eingriffe zu immer neuen Problemen führen, lernt es wahrscheinlich nie mehr“, erklärte von Lackum der Wirtschaftswoche.
„Es braucht die Schaffung eines wieder funktionierenden, freien Wohnungsmarkts“, forderte von Lackum. „Die Mietpreise müssen Knappheit reflektieren.“ Das sei Bestandsmieten nicht der Fall. Er forderte mehr Spielraum für Vermieter bei der Neuvermietung und eine Erhöhung der Kappungsgrenzen, also der maximalen Erhöhung der Miete um 20 Prozent in drei Jahren.
Der Mieterbund fordert angesichts steigender Mieten dagegen den Bau von Sozialwohnungen und einer Kappung der Mietpreiserhöhungen in angespannten Wohnungsmärkten – und ein Einfrieren der derzeitigen Mieten für bis zu sechs Jahre, um in der Zeit Wohnraum zu schaffen.
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