Wirtschaftskrise
Weil Insolvenz droht, sucht Auto-Riese nach Investoren: „Nur noch 14 Monate, um zu überleben“
Autobauer Nissan steht vor einer existenziellen Krise. Der langjährige Partner Renault plant, seine Anteile am Konzern zu verkaufen.
Tokio/Hamm – In der Automobilindustrie hat VW in Deutschland zuletzt die Nachrichten dominiert. Der weltweit umsatzstärkste Autobauer sieht sich gezwungen, einen Sparkurs einzuschlagen, der zehntausende Arbeitsplätze kosten könnte. Es wird sogar über mögliche Werksschließungen spekuliert. Doch im Vergleich zu einem anderen Giganten der Branche scheint dies noch harmlos zu sein. Der japanische Autobauer Nissan steht offenbar vor existenziellen Problemen – wie auch ein insolventer Baumarkt in Nordrhein-Westfalen.
Ein hochrangiger Beamter wurde von der Financial Times (FT) mit den Worten zitiert: „Wir haben 12 bis 14 Monate, um zu überleben.“ Laut Bericht suchen die Japaner dringend nach einem Investor, da der langjährige Partner Renault seine Anteile am strauchelnden Konzern verkaufen möchte.
Japanischer Auto-Gigant vor Insolvenz? „Nur noch 14 Monate, um zu überleben“
Nissan befindet sich in einer Krise und sucht nach Investoren. Eine Partnerschaft mit dem Erzkonkurrenten Honda wird in Betracht gezogen. Nissan strebt laut zwei Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind, eine langfristige Beteiligung einer Bank oder Versicherungsgruppe an. Gleichzeitig werden die Bedingungen für eine Partnerschaft mit Honda im Bereich der Elektrofahrzeuge geprüft. Eine Zusammenarbeit in diesem Bereich wurde bereits im März angekündigt. Auch ein Anteilsverkauf an den japanischen Erzrivalen ist nicht ausgeschlossen.
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Auch Renault scheint bereit zu sein, einen Teil seiner Nissan-Anteile an Honda zu verkaufen, so Personen aus dem Umfeld des französischen Autobauers. Eine engere Beziehung zwischen den beiden japanischen Unternehmen könnte für Renault „nur positiv“ sein.
Die Gespräche zwischen Nissan und Honda werden auch durch den enormen Druck aus China und die Unsicherheit durch die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus beeinflusst. „Das wird hart. Und am Ende brauchen wir Japan und die USA, um Geld zu generieren“, betonte der hochrangige Beamte, der Nissan nahestehen soll.
Nissan in Existenzkrise: Renault will Anteile verkaufen
Nissan steht vor dem Zusammenbruch? Der Wandel in der Branche setzt auch dem japanischen Autobauer zu. Auf Anfrage der FT erhielt der strauchelnde Autobauer nur diese Antwort: „Die Partnerschaft mit Honda ist strategisch sehr wichtig, und wir hoffen, die Umsetzung der Ergebnisse unserer Aktivitäten durch regelmäßige Fortschritte auf der Managementebene beider Unternehmen zu beschleunigen.“ Honda lehnte jeglichen Kommentar ab.
Laut Quellen, die mit der Situation vertraut sind, könnte auch Renault offen für eine Zusammenarbeit mit Nissan, Honda und Mitsubishi sein, insbesondere in Bezug auf die Entwicklung von Elektrofahrzeugen, in denen die chinesische Industrie führend ist. Die Franzosen betonten jedoch, dass derzeit keine Diskussionen darüber geführt werden. Mitsubishi gab lediglich bekannt: „Wir prüfen derzeit alle Möglichkeiten und sind bestrebt, in Bereichen zusammenzuarbeiten, in denen wir unsere Stärke nutzen können.“
Für die FT-Quellen könnte das Ergebnis der Gespräche einen Test dafür darstellen, wie Unternehmen den Wandel in der Branche überstehen. Sie müssen sich auch gegen neue, durch Fusionen entstandene Big Player wie Stellantis behaupten. Es bleibt abzuwarten, welches Modell erfolgreicher ist, so der hochrangige Beamte aus dem Nissan-Umfeld. Er ist überzeugt, dass das reine Streben nach Größe irgendwann zu Ineffizienz führen wird.
Nissan sucht Investor: Partnerschaft mit Honda im Gespräch
Nissan veröffentlichte vor kurzem erschreckende Zahlen: Das Betriebsergebnis brach um mehr als 90 Prozent ein. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2024, von April bis September, sank der konsolidierte Nettoumsatz um 79,1 Milliarden Yen (etwa 499 Millionen Euro) auf 5,98 Billionen Yen (fast 38 Milliarden Euro). Das Betriebsergebnis von 32,9 Milliarden Yen (gut 207 Millionen Euro) bedeutet einen Rückgang von 303,8 Milliarden Yen (knapp zwei Milliarden Euro) – ein Einbruch von mehr als 90 Prozent.
Der Nettogewinn belief sich auf 19,2 Milliarden Yen (rund 121 Millionen Euro) – das sind 277 Milliarden Yen (gut 1,7 Milliarden Euro) weniger als im Vorjahreszeitraum. Ein Einbruch um 93,5 Prozent.
Gleichzeitig wurde die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr nach unten korrigiert. Beim Nettoumsatz wird nur noch von 12,7 Billionen Yen (80 Milliarden Euro) statt von 14 Billionen Yen (88 Milliarden Euro) ausgegangen, das zu erwartende Betriebsergebnis wurde von 500 Milliarden Yen (3,1 Milliarden Euro) auf 150 Milliarden Yen (946 Millionen Euro) geändert – ein Rückgang um 70 Prozent.
Nissan vor dem Kollaps: Drastischer Einbruch der Finanzergebnisse
Nissan plant, aus der Krise herauszukommen: Es ist ein Stellenabbau geplant und der CEO verzichtet auf die Hälfte seines Gehalts. Der Konzern plant, die Fixkosten im Vergleich zum Geschäftsjahr 2024 um 300 Milliarden Yen (fast 1,9 Milliarden Euro) und die variablen Kosten um 100 Milliarden Yen (ungefähr 631 Millionen Euro) zu senken. Dafür sollen weltweit 9000 Stellen abgebaut und die Produktionskapazitäten um ein Fünftel reduziert werden.
CEO Makoto Uchida wird ab November 2024 freiwillig auf die Hälfte seiner monatlichen Bezüge verzichten. Auch die anderen Vorstandsmitglieder werden eine entsprechende Gehaltskürzung freiwillig hinnehmen. Bereits im Jahr 2020, wenige Monate nach seinem Einstieg, hatte der Nissan-Chef angekündigt, sein Gehalt um 50 Prozent zu kürzen, nachdem deutliche Verluste verzeichnet wurden. Damals sollten andere Topmanager auf 20 bis 30 Prozent verzichten. (mg)
Rubriklistenbild: © Richard A. Brooks / AFP
