Kampfjet-Projekt

Kampfjet-Debakel FCAS: Merz und Macron greifen zum letzten Strohhalm – Entscheidung fällt im April

Das Kampfjet-Projekt FCAS soll Europa technologisch und militärisch unabhängiger machen – droht jedoch an nationalen Interessen zu scheitern. Nun gibt es einen letzten Strohhalm.

Das deutsch-französische Großprojekt FCAS galt als technologische Verheißung: ein Kampfjet der sechsten Generation, vernetzt, autonom – und Europas militärische Antwort auf globale Konkurrenz. Doch aufgrund von politischer Reibereien und industriewirtschaftlicher Machtspiele steht die Vision kurz vor dem Aus.

Nun sollen offenbar zwei Veteranen der Rüstungsindustrie einen letzten Versuch unternehmen, das angeschlagene Milliardenprojekt wieder flottzumachen. Gelingt doch noch die Wende, oder wird FCAS ein Fall für das europäische Museum gescheiterter Industriepolitik?

Kampfjet-Projekt FCAS: Ein europäisches Leuchtturmprojekt taumelt

Deutschland und Frankreich diskutieren seit Monaten, ob das Future Combat Air System (FCAS) überhaupt noch eine Zukunft hat. Das gemeinsame Kampfjet-Projekt, bei dem auch Spanien involviert wäre, droht an Eitelkeiten zu scheitern – dem Vernehmen nach auf französischer Seite. In Berlin und Paris steht deshalb die Frage im Raum, ob das Vorhaben endgültig verpufft.

Der Tornado befindet sich bei der deutschen Luftwaffe auf dem Abstellgleis. Die Zukunft des FCAS-Projekts, Kampfjet der sechsten Generation (kleines Bild), hängt derweil am seidenen Faden.

Der Streit dreht sich im Kern um Rollen, Anteile und Macht: Airbus und Dassault ringen darum, wer bei zentralen Technologien das Steuer übernimmt und wer die militärische Lufthoheit Europas aktiver mitgestaltet. Die Dimensionen sind gigantisch – Schätzungen zufolge sollen die Kosten in den dreistelligen Milliardenbereich gehen.

Airbus und Dassault: Erfahrene Rüstungsmanager sollen es richten

Bundeskanzler Friedrich Merz hat laut einem Spiegel-Bericht den deutschen Rüstungsmanager Frank Haun beauftragt, eine letzte Vermittlungsrunde zu starten. Haun, einst Chef des Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann (heute KNDS) gilt demnach als idealer Strippenzieher. Der 67-Jährige hat mit der Fusion von KMW und dem französischen Rüstungskonzern Nexter bereits ein Mammutprojekt zwischen den Nachbarn erfolgreich verhandelt.

Brancheninsider sagen demnach, Haun sei durch diese Erfahrung „gestählt“ – und damit nach Ansicht der Bundesregierung augenscheinlich prädestiniert. Seine Mission: Airbus und Dassault dazu bringen, einen Kompromiss zu akzeptieren, der das Projekt FCAS auf eine neue Spur setzt.

FCAS: Merz und Macron ergreifen wohl letzten Strohhalm

Auch Frankreich habe reagiert und den früheren Leiter der Rüstungsbehörde DGA, Laurent Collet-Billon, eingesetzt. Der erfahrene Manager kenne Haun gut – gemeinsam verhandelten beide die KMW-Nexter-Fusion. Der 76-Jährige war zudem maßgeblich am gemeinsamen Airbus-A400M-Programm beteiligt, das trotz massiver Startprobleme am Ende doch noch auf Kurs gebracht wurde.

Friedrich Merz und Emmanuel Macron trafen sich im März – und sprachen auch über das heikle Kampfjet-Projekt FCAS.

Dass von der Politik nun Vermittler eingesetzt werden, zeigt, dass die Regierungen kein Mittel unversucht lassen wollen. Ein persönliches Gespräch zwischen Merz und Macron beim jüngsten EU-Gipfel könnte diesen Weg als wohl letzten Versuch hervorgebracht haben.

Der Kampfjet der Zukunft – und die Last der Vergangenheit

Dabei soll FCAS mehr sein als ein reiner Kampfjet: ein Luftkampfsystem, vernetzt mit Drohnenschwärmen, Sensorplattformen und künstlicher Intelligenz. Der Zeitplan sieht vor, dass es ab 2040 die Eurofighter und die französische Rafale ablösen könnte. Doch die Anforderungen driften auseinander – im wörtlichen wie im politischen Sinn.

Merz betonte zuletzt, dass Frankreich ein flugzeugträgerfähiges und atomwaffenfähiges Jagdflugzeug brauche, Deutschland jedoch nicht. Dadurch stehen zwei Grundkonzepte im Raum: Deutschland schlägt zwei Versionen vor, Frankreich beharrt Berichten zufolge auf einer. Dassault und Airbus stehen entsprechend weit auseinander.

Neue Kampfjets für die Luftwaffe – Modernisierungsbedarf der Bundeswehr

Dabei benötigt die deutsche Luftwaffe neue Systeme: Der Tornado – Kampfjet der vierten Generation – steht auf dem Abstellgleis. Das Revival des Eurofighters bedeutet, dass dieses Gemeinschaftsprojekt zwar leistungsfähig, aber dem Vernehmen nach für einige künftige Einsatzprofile nur bedingt geeignet ist.

Ex-Geschäftsführer von Krauss-Maffei Wegmann, Frank Haun (links unten), bei einer Vertragsunterzeichnung im Jahr 2015.

Hinzu kommt: Für die nukleare Teilhabe der NATO hat Deutschland bereits F‑35-Kampfjets bestellt, doch diese sind nicht als europäischer Technologieträger gedacht. Die strategische Abhängigkeit von einem US-System erhöht den Druck, FCAS erfolgreich umzusetzen. Ein Scheitern könnte daher für Deutschland und Frankreich ein sicherheitspolitisches Risiko mit langfristigen Folgen sein.

Airbus vs. Dassault: Auch Spanien ist bei dem Projekt involviert

Der Konflikt zwischen Airbus und Dassault ist weniger technisch als politisch-ökonomisch. Spanien ist zwar dritter Partner im FCAS-Projekt, wird aber weitgehend durch Airbus vertreten, was die Bedenken auf französischer Seite zusätzlich verstärken könnte. Derweil interessieren sich weitere Länder für einen Einstieg, darunter der schwedische Rüstungskonzern Saab.

Wie dpa berichtet, wurde die Entscheidung über das Vorhaben bereits dreimal verschoben – zuletzt im Februar. Hinter den Kulissen geht es um Milliarden, künftige Exportmärkte und um die Frage, wer die europäische Luftfahrtindustrie in die sechste Generation führt.

Wirtschaftliche Bedeutung: Europas Rüstungsindustrie am Wendepunkt

Der mögliche Bruch bei FCAS hätte weitreichende wirtschaftliche Folgen. Die europäische Rüstungs- und Luftfahrtindustrie steht in einem globalen Wettbewerb, ein gescheitertes FCAS wäre ökonomisch ein Rückschlag – und politisch ein weiteres Symbol für eine fehlende gemeinsame Linie.

Ein funktionsfähiges FCAS dagegen würde Tausende Arbeitsplätze sichern, Zulieferketten stärken und technologische Fähigkeiten bündeln. Laut Bundesregierung soll bis Ende April eine Entscheidung fallen. Hintergrund ist der Haushaltsplan 2027, in dem Deutschland erhebliche Mittel für FCAS einstellen müsste. Gelingt es Haun und Collet-Billon, das Projekt zu stabilisieren? (Quellen: Spiegel, Deutsche Presse-Agentur, Bundesregierung)

Rubriklistenbild: © Oliver Pieper/Bundeswehr/dpa/NurPhoto/Imago; Bildmontage: IPPEN.MEDIA

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