Ideologische Verbündete
Putins gefährliche Wette: Wie Russlands Abhängigkeit von China zum Problem wird
Russland und China sind nicht nur ideologische Verbündete. Wladimir Putins Wirtschaft ist maßgeblich von dem großen Partner abhängig – das könnte noch zum Problem werden.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist Russland größtenteils vom Westen isoliert. Unzählige Firmen haben ihre Geschäfte zurückgezogen. Wenn auch einige westliche Firmen Russland unter Kreml-Chef Wladimir Putin die Treue halten, so sind rund 1500 internationale Unternehmen aus dem Land geflohen, zählt die Yale School of Management.
Für Putins Wirtschaft hat das teils schwere Folgen. Beispielsweise droht die russische Flugindustrie zu kippen, weil westliche Unternehmen keine Reparaturen mehr anbieten oder keine Ersatzteile mehr liefern. Die Sanktionen aus dem Westen werden immer mehr zur Zwickmühle. Und in Anbetracht fehlender Alternativen muss Putin auf die wenigen Verbündeten zurückgreifen, die sein Land noch hat. Unter diesen Ländern – darunter etwa Nordkorea, Belarus oder Iran – sticht China besonders hervor. Doch diese einseitige Abhängigkeit könnte für Russland zum Problem werden.
Russlands Abhängigkeit von China – Putins Ukraine-Krieg wird zum massiven Problem
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist der Handel zwischen China und Russland sprunghaft angestiegen. Das zeigen Daten des Mercator Institute for China Studies (MERICS). Russland verkaufe dabei vor allem Rohstoffe wie Öl und Gas an seinen großen Partner. Die Exporte Chinas fallen dagegen deutlich breiter gestreut aus.
Das European Institute for Security Studies (EUISS) schrieb dazu: „Russland ist in immer mehr Produktkategorien zunehmend von China abhängig, während Peking nur minimal auf russische Vorleistungen angewiesen ist.“ So sei der Anteil chinesischer Produkte am gesamten russischen Warenimport von 23 Prozent (2021) auf 57 Prozent (2024) gestiegen. Russlands Bedeutung für Chinas Importe sei dagegen um weniger als einen Prozent gestiegen.
Das wirtschaftliche Risiko in dieser Dynamik liegt damit überproportional aufseiten Russlands. Sollte die Partnerschaft für China unter Staatschef Xi Jinping zum Nachteil werden, könne dieser laut EUISS seinen Kurs wechseln. Auch Druck aus den USA oder der EU könne zu diesem Umdenken führen. Für Russland würde der Verlust dieses entscheidenden Partners katastrophale Auswirkungen haben – Chinas Nachteile dürften bis auf den Verlust eines lukrativen Absatzmarktes eher gering ausfallen.
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Chinas militärische Unterstützung für Russland – Peking liefert keine Waffen, aber Dual-Use-Güter
Nicht nur Russlands Warenimporte und damit die Zivilgesellschaft würden unter einem Kurswechsel Pekings leiden. Putins Krieg gegen die Ukraine ist auch von sogenannten Dual-Use-Gütern aus China abhängig. Damit sind Waren gemeint, die sowohl im zivilen, als auch im militärischen Sektor eingesetzt werden können. Direkte Waffenlieferungen nach Russland tätigt China nämlich nicht.
Der Independent schreibt etwa, dass China für die Kriegsführung wichtige Technologie an Russland liefert. Dazu gehörten Halbleiter oder Mikroelektronik. Damit würden präzise Raketen oder Drohnen gebaut, die in dem andauernden Ukraine-Krieg eine entscheidende Rolle eingenommen haben. Wie die Zeitung anmerkt, liefere China die gleichen Komponenten auch an die Ukraine.
Doch bei Drohnen hört es nicht auf. Russische Munitionsfabriken würden zu großen Teilen auf Maschinen aus China setzen. Außerdem würden westliche Beamte davon ausgehen, dass China den für verschiedene Waffensysteme wichtigen Stoff Nitrocellulose an Russland liefere.
China profitiert vom Handel mit Russland – eine Trendwende ist unwahrscheinlich
Doch muss Russland wirklich fürchten, dass die Allianz mit China in nächster Zeit bricht? Nein, behauptet der Thinktank European Policy Centre (EPC). Denn einerseits würde China von günstigen Energielieferungen und wachsenden Verkaufszahlen an Russland verdienen. Andererseits wolle Peking das politische Gegengewicht zum Westen aufrechterhalten. So drücke das Regime zwar den Wunsch aus, den Krieg in der Ukraine zu beenden – Druck auf den Kreml werde allerdings nicht aufgebaut.
Vor allem die Rivalität zu den USA eine die beiden Länder. MERICS hebt dazu gemeinsame Haltungen Russlands und Chinas bei Aktionen der Vereinigten Staaten hervor. Beide Länder hätten etwa Angriffe von Donald Trump auf Venezuela oder den Iran scharf verurteilt. Auch das Abstimmungsverhalten in der UN, wo beide als ständige Mitglieder fungieren, habe sich 2025 wieder angeglichen, nachdem es einige Jahre auseinander gedriftet war.
Abhängig vom globalen Machtgleichgewicht – Wie weit geht die russisch-chinesische Partnerschaft?
Dennoch besteht für Russland eine reale Gefahr. Zwar betonten beide Länder immer wieder eine tiefe Partnerschaft. Doch Analysten beschreiben die Zusammenarbeit als vor allem pragmatisch. Günstige Energie für China und eine starke Allianz gegen die USA seien Treiber, schreibt das East Asia Forum.
Gefährlich könnte es werden, sollten sich die Kräfteverhältnisse zwischen den Großmächten verändern. Aktuell dürfte sich an dem Verhältnis aber wenig ändern. Trumps Zollkrieg gegen China und die Spannungen im Indo-Pazifik rund um Taiwan dürften weiter für tiefe Spannungen zwischen Washington und Peking sorgen. (Quellen: Yale School of Management, Mercator Institute for China Studies,European Institute for Security Studies, The Independent, European Policy Centre, East Asia Forum) (nhi)
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