Gesundheitssystem

Steigerung der Zusatzbeiträge: Wie nutzen Krankenkassen die Mittel?

Krankenkassen erhöhen unter Druck weiter den Zusatzbeitrag. Experten verlangen angesichts wachsender Ausgaben Prävention, Eigenbeteiligung und Reformen.

München – Das Gesundheitssystem steht vor einer finanziellen Herausforderung. Deswegen erhöhen die Krankenkassen den Zusatzbeitrag im Schnitt auf 2,5 Prozent. Dieser Beitrag, der inzwischen sogar unterjährig angehoben wird, ist als Einziger von den Kassen beeinflussbar. Eine Übersicht, wofür die großen Summen ausgegeben werden.

Ausgaben der Krankenkassen: Mehr Geld für Krankenhausbehandlungen als ärztliche Behandlungen

Die größten Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland entfallen auf Krankenhausbehandlungen, so Focus Online. Pro Versicherten geben die Kassen dafür im Durchschnitt 979 Euro pro Jahr aus. Darunter fallen sowohl Operationen und Aufenthalte auf Intensivstationen als auch Behandlungen in der Geriatrie, wo ältere Menschen versorgt werden, die zu schwach sind, um allein zu Hause zu leben. Häufig dient diese Abteilung als Zwischenstation vor dem Umzug in ein Pflegeheim.

Ärztliche Behandlungen folgen auf Platz zwei der Ausgaben, mit durchschnittlich 630 Euro pro Versicherten. Dazu zählen Hausarztbesuche, Facharztbehandlungen, Psychotherapien und ambulante Notfallbehandlungen. Knapp dahinter liegen die Kosten für Medikamente und Arzneimittel, die im Schnitt 587 Euro pro Person betragen. Krankengeld belastet das Budget mit 233 Euro deutlich weniger, und Zahnarztbehandlungen kosten die Krankenkassen durchschnittlich 190 Euro pro Versichertem, wobei Zahnersatz gesondert berechnet wird und mit rund 500 Millionen Euro jährlich nur auf Platz 14 der Ausgaben rangiert.

Die Krankenkassen geben am meisten Geld für Krankenhausbehandlungen aus.

Leistungen: Ausgaben der Krankenkassen steigen weiter an

Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Ausgaben 2023 um fünf Prozent. Besonders stark wuchsen die Kosten für Schutzimpfungen, die um 22,5 Prozent zulegten, sowie für Behandlungspflege, die um 12,9 Prozent teurer wurde. Zusammen schlagen diese beiden Bereiche mit über 200 Millionen Euro zusätzlich zu Buche. Weitere steigende Kosten entstanden durch Heilmittel wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Sprach- und Schlucktherapie, die die Kassen um 175 Millionen Euro belasteten, sowie durch Früherkennungsmaßnahmen, die um 56 Millionen Euro teurer wurden als 2022.

Die zehn häufigsten Krankheiten in Deutschland

Eine kranke Frau schnäuzt sich die Nase
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Demografischer Wandel: Alterung der Gesellschaft stellt Gesundheitssystem vor Probleme

Die steigenden Gesundheitskosten bereiten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Sorgen. Ein großes Problem ist die Lücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Deswegen richtet sich Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, an die neue Bundesregierung: „Wir brauchen einen grundlegenden Kurswechsel in der Gesundheitspolitik“, sagte der gegenüber IPPEN.MEDIA. „Die Gesundheitspolitik der letzten zehn Jahre kannte viele Gewinner und einen Verlierer. Gewinner waren z. B. die Krankenhäuser, die so viel Geld erhielten wie noch nie. Gewinner war auch die Pharmaindustrie mit gewaltigen Einnahmesteigerungen und Gewinner waren die Ärztinnen und Ärzte mit überproportional gestiegenen Honoraren. Verlierer waren die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, die das alles durch hohe Beitragssatzsteigerungen bezahlen müssen.“ Die Ausgaben dürften nicht schneller ansteigen als die Einnahmen. Dafür seien letztendlich Strukturreformen notwendig.

Die Alterung der Gesellschaft stellt die Krankenkassen vor große Herausforderungen, da mit steigendem Alter auch die Kosten für teure Behandlungen steigen. Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik in München plädiert gegenüber der Welt für Prävention und gesunden Lebensstil, da viele altersbedingte Erkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Probleme vom Verhalten abhängen. Jochen Pimpertz vom Institut der deutschen Wirtschaft empfiehlt laut Zeitung eine kapitalgedeckte private Vorsorge, um den beitragsfinanzierten Anteil zu begrenzen, was jedoch erst langfristig Wirkung zeigen würde. Auch die Wiedereinführung von Praxisgebühren pro Arztbesuch wird diskutiert, wie sie Anfang der 2000er Jahre existierten, aber wegen hohen Verwaltungsaufwands abgeschafft wurden. (hk)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Paul-Philipp Braun

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