Schuldenschnitt und Neubeginn
Traum von Siliziumkarbid-Fabrik kollabierte – Hersteller kämpft ums Überleben
Der Chip-Spezialist Wolfspeed steckt in der Krise. Ein Insolvenzverfahren in den USA soll helfen – für das hochgelobte Werk im Saarland kommt die Maßnahme zu spät.
Durham/Endorf - Wolfspeed galt einst als Musterbeispiel für den grünen Wandel in der Chipindustrie. Dann platzte jedoch ein deutsch-amerikanisches Milliardenprojekt – und nun kämpft der US-Hersteller von Leistungshalbleitern ums wirtschaftliche Überleben.
Hierfür hat der angeschlagene Konzern Wolfspeed einen drastischen Schritt angekündigt: Im Zuge eines Sanierungsplans will das Unternehmen in den Vereinigten Staaten die Insolvenz anmelden. Ziel sei es laut einer veröffentlichten Mitteilung, die Schuldenlast um rund 70 Prozent oder 4,6 Milliarden Dollar zu senken. Gleichzeitig ist den Angaben zufolge eine Finanzspritze von 275 Millionen Dollar vorgesehen. Stimmen alle Beteiligten zu, soll das Verfahren zur finanziellen Gesundung bereits im dritten Quartal 2025 abgeschlossen sein.
Wolfspeed und ZF planten Chipfabrik im Saarland als europäisches Vorzeigeprojekt
Bitter ist die Entwicklung der vergangenen Monate für Deutschland: Gemeinsam mit dem Autozulieferer ZF Friedrichshafen wollte Wolfspeed in der saarländischen Gemeinde Ensdorf „die weltweit größte und modernste Fabrik für Halbleiter aus Siliziumkarbid“ bauen. 2,7 Milliarden Euro sollte Wolfspeed beisteuern, der deutsche Zulieferer rund 170 Millionen. Vom Staat waren Fördermittel in Höhe von einer halben Milliarde Euro eingeplant. Im Gegensatz zum gescheiterten Northvolt-Projekt flossen hier jedoch noch keine öffentlichen Gelder.
Das Werk galt als weiteres Schlüsselprojekt für die europäische Halbleiterstrategie und als Katalysator für den Umstieg auf Elektromobilität. Doch die finanziellen Probleme der beiden Unternehmen ließ die Pläne bereits 2023 ins Wanken geraten und noch vor der offiziellen Absage zog sich ZF aus dem Projekt zurück.
Wolfspeed: US-Zollpolitik und rote Zahlen belasten das Geschäft
Hinzu kamen für Wolfspeed massive Probleme auf dem Heimatmarkt: Ein undurchsichtiges Zollregime in den USA behinderte den Chip-Export und verschärfte die wirtschaftliche Lage. Bereits vor wenigen Wochen hatte das US-Unternehmen deshalb die Fortführung des Geschäfts mit Halbleitern aus Siliziumkarbid infrage gestellt.
Dabei hatte der US-Hersteller erst im Herbst 2024 Hunderte Millionen Dollar aus dem US-Subventionsprogramm IRA unter Präsident Joe Biden erhalten. „Siliziumkarbid ist eine überlegene Alternative zu Silizium für Hochleistungsanwendungen“, zeigten sich die Wolfspeed-Manager damals überzeugt.
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Verluste statt Visionen: Der Absturz von Wolfspeed in Zahlen
Die Vision hinsichtlich E-Mobilität blieb, der Umsatz schrumpfte: 2024 setzte Wolfspeed umgerechnet 0,74 Milliarden Euro um – ein leichter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Der operative Verlust (EBIT) belief sich auf satte 341 Millionen Dollar. Das Unternehmen, nach eigenen Angaben „weltweit führend in der Einführung von Siliziumkarbid-Technologien“, scheint den Spagat zwischen technologischer Ambition und finanzieller Realität nicht geschafft zu haben.
Derweil verbieten die USA den Export zentraler Chip-Software in die Volksrepublik China. Die Folgen treffen unter anderem Siemens – und gefährden Chinas Halbleiterambitionen erheblich. (PF mit Reuters)
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