Verbrenner-Aus der EU wackelt

E-Fuels statt Verbrenner-Aus? Studie spricht klare Sprache – „Führt Autokäufer in die Irre“

Ab 2035 sollen in der EU keine Autos mit Verbrenner-Motoren mehr zugelassen werden. Doch der Plan wackelt: Forderungen werden laut, Ausnahmen für sogenannte E-Fuels zu machen.

Berlin - Eine aktuelle Metastudie stellt die Verwendung von E-Fuels in Pkw infrage. Die Studie der Denkfabrik Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der Klima-Allianz Deutschland zeigt: E-Fuels seien wegen hoher Kosten, schlechter Verfügbarkeit und ineffizienter Nutzung keine tragfähige Alternative zum geplanten Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor. Die Klima-Allianz fordert, den Fokus auf E-Autos und den öffentlichen Nahverkehr zu richten.

Eine Metastudie ist eine systematische Übersichtsarbeit über alles verfügbare Wissen eines Bereichs. Das FÖS hat hierfür unter anderem Erkenntnisse des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC), des Bundesministeriums für Umwelt (BMUV), des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI) und der Internationalen Energieagentur (IEA) zusammengeführt.

E-Fuels: Die „Fata Morgana“ der Autoindustrie?

Laut der Metastudie werden selbst bei hohen staatlichen Subventionen bis 2035 keine ausreichenden Mengen an E-Fuels verfügbar sein, um die Klimaziele zu erreichen. Bis 2045 dürfte der Pkw-Bestand in Europa demnach nahezu vollständig elektrifiziert sein, während Fahrzeuge mit E-Fuels nur eine marginale Rolle spielen werden.

Ein BMW stößt Qualm aus: Geht es nach dem aktuellen EU-Plan, sollen Verbrenner-Motoren nach und nach von Europas Straßen verbannt werden.

„Die Metastudie belegt: Wer das europäische Verbrenner-Aus infrage stellt, führt Autokäufer in die Irre“, sagt Stefanie Langkamp, Geschäftsleiterin Politik der Klima-Allianz. E-Fuels im Pkw-Bereich seien eine „Fata Morgana“ und keine Alternative zu E-Autos.

Klima und Effizienz: In diesen Bereichen unterliegen E-Fuels dem Elektromotor

Laut der Metastudie könnten 150 Windkraftanlagen an Land 240.000 E-Autos mit Strom versorgen, aber nur 37.500 Verbrenner mit E-Fuels. „Mit derselben Strommenge könnten also mehr als sechsmal so viele Fahrzeuge elektrisch betrieben werden“, erklärt Matthias Runkel, Leiter Verkehrs- und Finanzpolitik beim FÖS und Autor der Studie.

E-Autos sind laut Runkel auch wesentlich klimafreundlicher, denn „betrachtet man den gesamten Lebenszyklus, verursachen E-Autos 40 bis 50 Prozent weniger CO₂-Emissionen als mit E-Fuels betriebene Autos“. Die knappen E-Fuel-Ressourcen sollten laut den Experten vielmehr für schwer elektrifizierbare Sektoren wie den Luft- und Schiffsverkehr genutzt werden, denn dort seien sie „unverzichtbar“.

EU-Beschluss in der Kritik: Wackelt das Verbrenner-Aus?

Die EU hatte beschlossen, dass ab 2035 nur noch Neuwagen zugelassen werden sollen, die im Betrieb kein klimaschädliches CO₂ ausstoßen. Zuletzt wollte aber unter anderem das Mitte-Rechts-Bündnis EVP das sogenannte Verbrenner-Aus rückgängig machen. Die damalige Bundesregierung hatte sich auf Drängen der FDP dafür eingesetzt, dass es Ausnahmen für sogenannte E-Fuels geben soll. (dpa, lf)

Rubriklistenbild: © Ina Fassbender / dpa

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