Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Wetter-Wechsel mit Blutregen im Anmarsch: Saharastaub färbt den Himmel über Deutschland

Ein warmer Frühlingstag kippt plötzlich: Staub aus der Sahara trifft auf Regenwolken. Was dann passiert, sieht spektakulär aus. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Was aktuell über dem Südwesten passiert, wirkt fast unwirklich: Feinster Staub aus der Sahara wird durch starke Höhenwinde tausende Kilometer nach Europa transportiert. Dieses Phänomen nennt man Saharastaub-Transport und es ist gar nicht so selten – aber besonders eindrucksvoll, wenn er so konzentriert auftritt wie jetzt. Der Himmel wirkt milchig, Sonnenuntergänge erscheinen rötlich, und die Luft enthält winzige Partikel aus Nordafrika. Diese Staubteilchen sind so leicht, dass sie problemlos bis in mehrere Kilometer Höhe gelangen und dort mit den Luftströmungen nach Deutschland getragen werden.

Saharastaub liegt am Samstagabend (11. April) über der gesamten Westhälfte. Es kann aufgrund von Schauern und Gewittern zu Blutregen kommen.

Der Moment, in dem der Himmel „blutet“

Richtig spektakulär wird es aber erst, wenn Regen ins Spiel kommt. Genau das könnte ab Samstagabend (11. April) im Südwesten passieren: Ein Tiefdruckgebiet vom Atlantik bringt feuchtere Luft und erste Schauer oder Gewitter. Wenn die Regentropfen durch die staubhaltige Luft fallen, binden sie die Partikel und transportieren sie nach unten.

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Am Boden sieht man dann den Effekt: Autos, Fenster und Straßen sind von einem bräunlich-rötlichen Film überzogen. Die Tropfen selbst können leicht gefärbt wirken – daher der Name „Blutregen“. Physikalisch ist es nichts anderes als ein natürlicher Waschprozess der Atmosphäre, aber optisch sorgt er immer wieder für Überraschung.

Woher der Name wirklich kommt

Der Begriff „Blutregen“ ist uralt und geht bis in die Antike zurück. Früher konnten sich Menschen dieses Phänomen nicht erklären und deuteten den rötlichen Regen oft als unheilvolles Zeichen oder göttliche Botschaft. In Wirklichkeit steckt jedoch reine Meteorologie dahinter: Eisenhaltige Mineralien im Wüstenstaub färben das Wasser leicht rotbraun. Heute wissen wir, dass solche Ereignisse immer dann auftreten, wenn warme Luft aus Süden Staub mitbringt und gleichzeitig Niederschlag einsetzt. Genau dieses Zusammenspiel erleben wir jetzt – ein faszinierender Mix aus Wüste, Wetterdynamik und Geschichte direkt über unseren Köpfen.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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