Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Frost-Überraschung zum 1. Mai: Eisheilige kommen 2026 schon früher – viele tappen in Falle

Die Eisheiligen kommen erst Mitte Mai, doch die eisige Kaltluft prescht schon vor. Was jetzt auf Ihre Tomaten zukommt. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Wer in diesen Tagen morgens in den Garten schaut, weiß Bescheid: Reif auf der Wiese, geschlossene Blüten, Raureif auf dem Auto. In den Nächten sind die Werte in der Fläche bis auf null Grad gefallen, in den Mittelgebirgen wurden örtlich sogar bis zu minus vier Grad gemessen. Und das Ende April!

Kältewelle Ende April/ Anfang Mai: Da kommen aus Nordosten noch einmal sehr kalte Höhenluftmassen auf Deutschland zu.

Schuld ist ein kräftiges Hochdruckgebiet westlich von uns, das in einer sogenannten Omega-Stellung die Atlantik-Tiefs komplett blockiert. Am klaren Nachthimmel strahlt die Tageswärme ungebremst in den Weltraum ab – klassische Strahlungsnacht, klassische Frostfalle. Und ich sage Ihnen ehrlich: Diese Lage wird uns noch bis weit in die kommende Woche erhalten bleiben.

Wetter bringt Nachtfrost im Garten – und das Ende April

Jetzt wird es besonders bitter für alle, die am langen Wochenende (ab 1. Ma) den Balkon bepflanzen wollen: Rund um den 1. Mai deuten die Modelle auf die schärfste Kaltluft der ganzen Phase. Hier bleibt ein Nordwind hängen, der Polarluft bis zu den Alpen transportiert.

Tagsüber höchstens zarte zehn bis fünfzehn Grad, nachts flächendeckend Bodenfrost und in Ungunstlagen klar unter null. Wer am Feiertag Tomaten, Basilikum oder Zucchini ins Freie setzt, erlebt möglicherweise bis zum Sonntag schon braune Blätter.

Tomaten anbauen nach Bildern: In 11 Schritten vom Samen bis zur Ernte

Tomatensamen werden in Erde bzw. Anzuchttöpfe gelegt
Person pflanzt junge Tomate
Zwei Frauenhände klopfen die Erde um einen Tomatensetzling fest (Symbolbild).
Tagetes, Chilipflanze und Tomate in einem Kübel
Tomaten anbauen nach Bildern: In 11 Schritten vom Samen bis zur Ernte

Was die großen Wettermodelle für Mitte Mai zeigen

Kalendarisch stehen die Eisheiligen fix im Buch: Mamertus (11. Mai), Pankratius (12.), Servatius (13.), Bonifatius (14.) und die Kalte Sophie am 15. Mai. Doch offen gesagt: So pünktlich, wie der Volksmund es glauben macht, war diese Witterungs-Singularität nie. In den vergangenen hundert Jahren hat sie nur in rund einem Drittel der Fälle wirklich zugeschlagen.

Durch die Kalenderreform von 1582 dürften die richtigen Frosttage eigentlich erst zehn Tage später fallen – also um den 20. Mai herum. Und 2026 sieht’s so aus, als würden die Eisheiligen ihren Kälte-Schub einfach vorziehen.

Mein Rat an Sie: Heute handeln, nicht am 15. Mai

Jetzt kommt der Teil, bei dem ich vorsichtig bleibe – so weit raus sind Prognosen immer wackelig. Aber das europäische ECMWF und das amerikanische NOAA-Modell sind sich derzeit erstaunlich einig: Der Mai wird in weiten Teilen Deutschlands eher zu mild ausfallen, zeitweise sogar frühsommerlich warm. Der eigentliche Knack passiert also schon jetzt. Die klassische Kalte Sophie bleibt vermutlich lauwarm.

Ich sag‘s, wie es ist: Wer seine Jungpflanzen schon draußen hat, sollte in den kommenden Nächten reagieren – nicht erst Mitte Mai. Gartenvlies drüber, Kübel rein ins Haus, umgedrehte PET-Flasche über zarte Triebe. Ein Topf Basilikum verträgt keine drei Grad, geschweige denn null. Frost kennt keinen Kalender, Frost kennt nur Temperatur.

Rubriklistenbild: © metdesk /www.wxcharts.com

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